Ende dem Wegwerf-Wahnsinn

Abgepacktes Brot im Müll

Jahr für Jahr werden europaweit 90 Millionen Tonnen einwandfreier Lebensmittel vernichtet. Vielen Menschen ist das Ausmaß der Verschwendung, das mit der Entsorgung einhergeht, nicht bewusst. Die Vergeudung von wertvollen Ressourcen findet auf verschiedene Weisen statt – sie beginnt bereits bei der Auswahl der Produkte, die in den Handel gelangen, geht weiter über die Menge, die verkauft wird, bis hin zum Konsumenten, der unnötige Produkte entsorgt.

Produktion in Übermengen. Auswahl in Übermengen. Konsum in Übermengen. Viele Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, welche Konsequenzen durch die Fülle an Produktvielfalt entstehen können. Denn die scheinbar unbegrenzte Vielfalt der wunderschön aussehenden Waren hat auch ihre Schattenseiten.

Bis ein Produkt im Handel erhältlich ist, muss es eine Vielzahl an Hürden überstehen: das beginnt bereits bei den Produkten, die angepflanzt bzw. geerntet werden. Jedes Jahr verlassen Tonnen von gesunden Lebensmitteln nicht den Acker, da sie die strengen Richtlinien der Supermärkte nicht bestehen würden. Sie sind schlichtweg zu groß oder zu klein, oder nicht schön genug. Hinzu kommt die Tatsache, dass in Massen produziert wird und keine Abnehmer gefunden werden.

Und der „Wegwerf-Wahnsinn“ von Produkten geht noch eine Stufe weiter: im Handel angekommen, werden viele Produkte beseitigt, da sie keinen Käufer finden und es geht sogar so weit, dass viele verkaufte Lebensmittel nicht verwendet werden und in Originalverpackung in der Mülltonne landen.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass in Österreich pro Jahr rund 157.000 Tonnen an verpackten und unverpackten Lebensmittel sowie Speiseresten im Wert von über einer Milliarde Euro nicht verwendet und folglich vernichtet werden. Auf einen Haushalt herunter gebrochen sind das Waren im Wert von rund 300 Euro jährlich. Oder anders ausgedrückt: Jeder Österreicher wirft jedes Jahr beinahe 20 kg weg. (Quelle: Institut für Abfallwirtschaft, BOKU Wien, DI Felicitas Schneider et. al., “Sekundärstudie Lebensmittelabfälle in Österreich“, November 2012)

Doch wie kann dem Wegwerf-Wahnsinn ein Ende gesetzt werden?

Der erste Schritt zu Vermeidung ist der bewusste Einkauf – es wird nur die Menge an Produkten gekauft, die tatsächlich konsumiert wird. Doch auch zu viel gekaufte oder nicht mehr ganz frische Lebensmittel können sinnvoll eingesetzt werden. Das beweisen immer mehr Kochbücher, die aufzeigen, wie man Produkte verwertet deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist bzw. die aufgrund von falscher Lagerung ein unschönes Äußeres haben. Aber auch Foodsharing-Angebote sind eine nachhaltige Alternative zur Entsorgung. Sie unterstützen Menschen dabei, überschüssige Lebensmittel nicht zu beseitigen, sondern diese mit anderen zu teilen.

Das sind nur exemplarische Möglichkeiten, wie einerseits Impulse zum Thema Nachhaltigkeit im Bereich der Lebensmittelverwendung gesetzt werden und andererseits wie den Lebensmitteln wieder eine besondere Bedeutung zukommt.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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  • Klaus-P. Baumgardt

    Ein bisschen Schwund gibt es immer – so ganz genau den Bedarf beim Einkauf zu treffen – das packebn heute nicht mehr viele. Es wird ja heute auch nicht mehr jeder Teller leergegessen – da gab es mal eine Resteverwertung per Tierfütterung – die Kleinviehhaltung war da schon noch sinnvoll.
    Für die Resteverwertung beim Kochen braucht es Übung und Beispiele – nicht nur aus Büchern, sondern auch im Netz. Eines von ungezählten Beispielen, ganz frisch:
    http://portionsdiaet.de/produkte/rhabarber-grapefruit-marmelade-rezept-mit-foto