Öl raus – Bio rein!

Holzschnitzel

Der Österreichische Biomasse-Verband fordert, dass bis zum Jahr 2030 alle klimaschädlichen Ölheizungen durch CO2-neutrale und nachhaltige Alternativen ersetzt werden. Warum, wie das funktionieren könnte und warum es seitens der Politik ein klares Signal braucht.

Artikel erschienen im BIOMAGAZIN 06/13

Mann mit leichter Glatze in Trachtenjanker

©Biomasseverband-Österreich

Wer die politischen als auch medialen Diskussionen rund um die Energiewende in Österreich und in der Europäischen Union verfolgt, merkt rasch, dass so gut wie ausschließlich über Strom gesprochen wird. Wer sich allerdings genauer mit dieser Thematik beschäftigt, erkennt genauso schnell, „dass die Energiewende nicht allein über 100 Prozent Ökostrom erfolgen kann, sondern insbesondere eine Abkehr von fossilen Energieträgern in der Wärmebereitstellung bedeuten muss“, so der Vorsitzende des Österreichischen Biomasse-Verbandes, Dipl.-Ing. Dr. Horst Jauschnegg.

Zahlen und Fakten zeigen nämlich ein ganz anderes Bild als die öffentlichen Debatten uns Glauben machen wollen: So konsumiert ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt lediglich neun Prozent der jährlich verbrauchten Energie in Form von Strom für Beleuchtung, EDV und Haushaltsgeräte. 33 Prozent machen indes Treibstoffe aus und

Grafik zu Nutzenergie

©Biomasseverband-Österreich

der größte Teil, nämlich rund 59 Prozent, Wärme. Zwei weitere Zahlen untermauern die Tatsache, dass es eines Umdenkens bedarf: Zwischen 1990 und 2011 sind die österreichischen Treibhausgasemissionen um sechs Prozent gestiegen. Und mit einem Anteil von rund 70 Prozent sind die privaten Haushalte die wichtigsten Verursacher im Bereich Raumwärme. Einmal mehr betont Jauschnegg daher: „Es ist uns ein großes Anliegen, die Regierung aufzufordern, nicht nur an den Strom zu denken, wenn es um die Energiewende geht.“

Gewinn für Umwelt und Geldbörse

Der Österreichische Biomasse-Verband verlangt also von der Politik ein klares Signal gegen klimaschädliche Ölheizungen und zwar indem deren Austausch durch CO2-neutrale und nachhaltige Alternativen bis zum Jahr 2030 durch verschiedenste Maßnahme vorangetrieben wird. Bislang kommt der Energieträger Biomasse hierzulande nämlich immer noch viel zu selten zum Einsatz, was sicherlich damit zusammenhängt, dass der Verbraucher die „günstigeren“ Ölheizungen den „teuren“ Biomasseheizungen vorzieht. Allein: Die Anschaffungskosten sind nur die halbe Wahrheit, gelte es doch, auf die Folgekosten zu achten, wie Horst Jauschnegg deutlich macht: „Biogene Brennstoffe sind schon jetzt um rund 50 Prozent günstiger als Heizöl.“ Und aufgrund der Ölpreisentwicklung wird sich dieses Verhältnis in den kommenden Jahren weiter in Richtung Pellets, Scheitholz, Hackgut und Co. bewegen – obwohl auch die Holzpreise steigen.

©Biomasseverband-Österreich

Weitere Zahlen gefällig? Wenngleich die österreichischen Haushalte ihren Heizölbedarf im vergangenen Jahrzehnt um etwa 25 Prozent gesenkt haben, wird die Heizölrechnung heuer insgesamt um geschätzte 520 Mio. Euro höher ausfallen als noch 2003 (plus 78 Prozent). Für einen Haushalt mit einem Heizölbedarf von rund 3.000 Litern bedeutet dies Mehrkosten von 1.650 Euro.

Wer auf Biomasse setzt, gewinnt, wie der Vorsitzende des Österreichischen Biomasse-Verbandes durch ein Beispiel veranschaulicht: „Wer bereits vor zehn Jahren von Öl auf Pellets oder Hackgut gewechselt hat, konnte bis heute zwischen 10.000 und

Grafik die Anstieg der Heizkosten zeigt

©Biomasseverband-Österreich

14.000 Euro einsparen.“ Übrigens: Je nach Ausgangssituation und individuellem Heizverhalten amortisiert sich eine Biomasseheizung im Schnitt nach acht bis zehn Jahren. Aufgrund kontinuierlicher technologischer Weiterentwicklungen weisen neuere Modelle darüberhinaus eine immer längere Lebensdauer auf (mitunter bis zu 20 Jahren). Zudem wird der Wirkungsgrad stetig besser (Info: Der feuerungstechnische Wirkungsgrad gibt die Ausnutzung des Brennstoffes bezogen auf den Heizwert eines Heizungskessels an), wodurch die Emissionen kontinuierlich gesenkt werden. Mit Sicherheit spielen hier neben dem individuellen Heizverhalten zahlreiche weitere Parameter mit hinein (z.B. ob freiwerdende Abwärme bei einem thermischen Umwandlungsprozess weiter genutzt wird), allerdings steht außer Frage, dass Biomasse einen erheblichen Beitrag dazu leisten kann, die Energiewende zu meistern.

Tausch bis Verbot

Damit künftig CO2-neutrale und nachhaltige Alternativen bevorzugt installiert werden, schlägt Jauschnegg im Namen des Österreichischen Biomasse-Verbandes vor, „dass die undesregierung ein fünfjähriges Kesseltauschprogramm auflegen soll.“ Konkret solle dieses für den Tausch eine Ölfeuerung 2.000 Euro und für eine veraltete Festbrennstoffheizung 1.500 Euro betragen. Zurzeit finden sich rund 700.000 Ölheizungen in den privaten Haushalten Österreichs. „Bis Ende 2018 sollten durch das Förderprogramm 150.000 alte Heizkessel ausgemustert werden. Finanziert werden könnten diese Maßnahme durch eine Anhebung des Förderzinses auf inländische Öl- und Gasförderung, die Mehreinnahmen von bis zu 150 Mio. Euro bringen dürfte.“

Damit nicht genug fordert der Verband ein Verbot von Ölheizungen im Neubau ab 2015 und im Sanierungsbereich ab 2016, wodurch bis 2030 alle Ölheizungen ausgemustert werden könnten. Dass dies sehr wohl möglich ist, hat Dänemark gezeigt, wie Horst Jauschnegg darlegt: „Die dänische Regierung hat per Gesetz ein Verbot ausgesprochen und so dürfen künftig keine Ölheizungen mehr installiert werden. Auch hierzulande könnten die politisch Verantwortlichen durch einen solchen Schritt ein deutliches Signal setzen, wodurch Österreich zusammen mit Dänemark eine Vorreiterrolle einnehmen würde.“

Österreichische Kessel-Industrie: TOP

Eine weltweite Vorrangstellung nimmt Österreich bereits ein – und zwar bei der Entwicklung emissionsarmer Biomasseheizungen. Gewiss: Nicht die Politik darf sich dies an die Fahnen heften, sondern vielmehr die heimische Kessel-Industrie, deren langjährige

Grafik zu Feinstaubemissionen

©Biomasseverband-Österreich

Bemühungen Früchte tragen: „Trotz einer Vervierfachung der installierten Biomassekessel zwischen 2001 und 2010 sind die Feinstaubemissionen insgesamt um 16 Prozent zurückgegangen“, erläutert Jauschnegg. Dies liegt daran, dass die Feinstaubemissionen durch den Austausch einer alten Festbrennstofffeuerung gegen eine moderne Biomasseheizung um 95 Prozent (!) reduziert werden können. Österreichische Hersteller geben sich damit aber nicht zufrieden: Mit dem Ziel, die Feinstaubemissionen durch höhere Jahresnutzungsgrade weiter zu reduzieren, wird bereits an der nächsten Generation von Kleinanlagen geforscht.

Österreichs Kessel-Industrie ist, nicht zuletzt aufgrund ihrer langen Tradition, sehr gut aufgestellt. Obgleich sich in den vergangenen Jahren der Heimmarkt durchaus beachtlich entwickelt hat, haben die Hersteller mittlerweile eine Produktionskapazität erreicht, die von den heimischen Verbrauchern jedoch nicht abgenommen wird (bzw. gar nicht abgenommen werden kann). So werden im Schnitt 80 Prozent der Anlagen „Made in Austria“ exportiert. Die Hersteller von Ölheizungen kommen hingegen kaum aus Österreich.

Ganz zu schweigen vom Heizöl, das aus zum Teil politisch instabilen Regionen stammt und von dem hierzulande pro Jahr etwa 1,3 Mrd. Liter eingesetzt werden, was 3,4 Mio. Tonnen CO2 entspricht. „Wir müssen uns also auch die Frage stellen: Wo geht das Geld hin, das wir für den Heizwärmebedarf ausgeben? Durch den Einsatz von Biomasse würden die Österreicher dazu beitragen, die Wertschöpfung im Land zu halten“, konstatiert Horst Jauschnegg. Abgesehen vom finanziellen Aspekt, steht freilich fest: Wir haben ein (weltweites) Klimaproblem und müssen so schnell wie möglich dafür Sorge tragen, die Emissionen herunterzuschrauben – insbesondere im Bereich des Raumklimas.

Über Christiane Mähr
1978 in Feldkirch geboren, gute zwei Jahrzehnte später IWW in Innsbruck und Maastricht (NL) studiert und 2003 wieder ins Ländle zurückgekehrt, wo ich seither lebe und schreibe: erst im Marketing- und Kommunikationsbereich, dann in der PR-Branche und seit 2011 als freie Journalistin und Texterin sowie Kommunikationsberaterin – kurz und gut: christianeschreibt. Mein Fokus liegt auf dem Gesundheits- und Medizinbereich (von „Gesünder Leben“ und „Gesundheit“ bis zu verschiedenen Fach- und Kundenmagazinen), unter anderem schreibe ich aber auch für das Onlineportal wirtschaftszeit.at und das Biomagazin. Und sonst? Ich liebe es, aus guten Lebensmitteln leckere Gerichte zu zaubern, Gemüse zu Suppen, Eintöpfen und Co. zu verarbeiten oder auch mal „sündhaft süße“ Cupcakes, Cookies und Kuchen zu backen. Außerdem liebe ich New York City, meine Yogamatte und meinen Mann.
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