Kennen Sie die reale Bedrohung von TTIP?

Fahne USA

Lassen Sie mich mit ein paar Zahlen anfangen, die für sich sprechen. Die durchschnittliche Größe eines landwirtschaftlichen Betriebes in den USA beträgt 175 ha, in der EU 14 ha. Über 40 % des Rindfleisches in den USA wird von riesigen Mastbetrieben mit 32 000 und mehr Kühen produziert. Seit 1970 hat sich die Milchproduktion verdoppelt, obwohl die Anzahl an Kühen um ein Viertel abgenommen hat. Die USA produziert jährlich 19,5 Mio. t Geflügel (Quelle USDA). Diese Industriemacht verhandelt derzeit mit der EU über ein Freihandelsabkommen namens TTIP mit dem Ziel der Öffnung der Agrarmärkte!

Wozu ein Freihandelsabkommen?

Äcker aus der LuftNachdem eine Arbeitsgruppe aus Regierungsexperten und ein unabhängiger Bericht des Centre for Economic Policy Research (CEPR) die wirtschaftlichen Vorteile eines Freihandelsabkommens (Transatlantic Trade and Investment Partnership) bestätigte, beschlossen die EU und die USA im Jahre 2011 Verhandlungen einzuleiten. Seit Juli 2013 suchen nun zwei Dutzend hochrangige Beamte der EU-Kommission mit der US-Regierung eine Einigung.

Ziel ist es Handelsbarrieren abzubauen, wobei es nicht um die Zölle geht, da diese bereits jetzt sehr niedrig sind. Wichtiger ist es sogenannte nichttarifäre Handelsbeschränkungen – wie unterschiedliche Gesetze bei Datenschutz, in der Landwirtschaft etc. anzugleichen.

Einer der wichtigsten Verhandlungspunkte laut EU ist die Diskussion über die Landwirtschaft und über die Öffnung ihrer Märkte.

Was könnte die Öffnung der Agrarmärkte bedeuten?

Die USA ist die größte Agrarindustrie der Welt und auf die Industrialisierung sind sie stolz. Es ist eine Industrie, schon lange keine Landwirtschaft mehr. Das zeigt auch ganz deutlich die Website des US-Departement of Agriculture:

Die USA sind der weltweit größte Produzent von Rindfleisch, hauptsächlich hochwertiges, getreidegefüttertes Rind für den Hausgebrauch und Export. Trotzdem importieren wir weniger wertvolles, grasgefüttertes Rind zur Weiterverarbeitung.

Betriebe mit 32 000 und mehr Tieren produzieren 40% des Mastviehs. Die Tendenz geht in Richtung wenige große spezialisierte Betriebe, die hochwertiges Rindfleisch produzieren. (Quelle USDA Cattle)

Oder:

Seit 1970 hat sich die Milchproduktion verdoppelt, obwohl die Anzahl an Kühen um ein viertel abgenommen hat. 1970 gab es noch 650 000 Milchbetriebe, 2000 waren es ungefähr 90 000; die durchschnittliche Herdengröße hat von 20 auf 100 zugenommen. Größtenteils sind die Milchkühe Holsteiner (Hochleistungskuh mit genetischer Ausrichtung auf Milchproduktion). (Quelle USDA Dairy)

Oder:

Der Großteil der Hühnerbetriebe steht unter Vertrag mit einem Hühnerverarbeiter. Dieser versorgt den Abnehmer mit Küken, Futter und Medizin. (Quelle USDA Poultry)

Betrachtet man die Statistiken auf der Website wird aber vor allem eines sonnenklar:

Die US-Landwirtschaft stagniert.

Die Produktion von Rindfleisch hat in den letzten 10 Jahren leicht abgenommen, Hühnerfleisch minimal, der Export davon nur um 3% zugelegt, die Mais-, Weizen- und Sojaproduktion wächst nicht mehr. Die USA brauchen dringend einen Absatzmarkt! Warum also nicht die EU? Immerhin ist sie Schuld, dass der Maisexport zusammenbrach, als sie den Import limitierte (Quelle USDA Corn). Und schließlich missbrauchen die Europäer wissenschaftlich nicht begründete Gesundheitsbedenken gegenüber Hormonfleisch, gentechnisch veränderten Pflanzen etc., um ihre eigenen Märkte zu schützen (Quelle). Der US-Bauernverband American Farm Bureau droht bereits, sollte Europa sich in puncto Landwirtschaft nicht bewegen, dass der US-Kongress das Freihandelsabkommen nicht unterstützen wird.

Wenn man sich Freihandelsabkommen der USA mit anderen Ländern ansieht, erkennt man, dass die US-Landwirtschaft offenbar immer der primäre Treiber und Gewinner ist.

Werden die hohen Standards der EU fallen?

Die Bedenken der Umweltorganisationen, dass die EU mit gentechnisch veränderten Organismen, Hormon-Fleisch und in Chlorlauge desinfizierten Hühnern überschwemmt wird, sind durchaus berechtigt.

Selbst wenn es auf der offiziellen EU-Website heißt,…

„Über grundlegende Gesetze wird nicht verhandelt werden.“ „Die jeweiligen Regelungen sollen kompatibler werden, dies bedeutet jedoch nicht die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner“

…heißt es auf der selben Webseite aber ebenso:

80 % des wirtschaftlichen Nutzens des TTIP kämen aus dem Abbau von Kosten durch Bürokratie. Denn „Waren bräuchten nicht mehr nach zwei verschiedenen Regelwerken hergestellt zu werden“ (offizieller Wortlaut der EU)

Folgen für die Umwelt

Selbst wenn billig produziertes „hochwertiges“ Fleisch nicht die europäische Landwirtschaft zerstört, hat TTIP auf jeden Fall negative Auswirkungen auf die Umwelt! Dazu muss man keine Einschätzungen von Umweltorganisationen lesen oder persönlich interpretieren, es genügt ein Blick auf die EU Seite:

Selbst für den Fall einer sehr weitreichenden Liberalisierung des Handels wird nur ein sehr begrenzter Anstieg des weltweiten CO2-Ausstoßes vorhergesehen.

(Angesichts der Tatsache, dass wir eine Senkung anstreben sollten, ist diese Aussage eine Katastrophe.)

Sonstige mögliche schädliche Nebenwirkungen einer TTIP – etwa mehr Abfall, weniger biologische Vielfalt und eine verstärkte Nutzung natürlicher Ressourcen – sollten der Folgenabschätzung zufolge durch die positiven Effekte einer Belebung des Handels mit Umweltgütern und -dienstleistungen weitgehend wettgemacht werden.

EU, meinst du das ernst? Das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU gefährdet also die biologische Vielfalt und die natürlichen Ressourcen. Aber keine Angst! Der belebte Handel mit Umweltgütern (wie Wasser, Erz, und anderen natürlichen Ressourcen) und Umweltdienstleistungen (wie Recyclingsystemen), SOLLTE es ja WEITGEHEND wettmachen!

Dieses Freihandelsabkommen ist die derzeit größte reale Bedrohung für die europäische Landwirtschaft, Natur und Umwelt!

Sagen Sie jetzt Ihre Meinung und unterschreiben Sie:

UnfairhandelbarLogo gegen TTIP

Das Freihandelsabkommen

 

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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