Ode an die kleinbäuerliche Landwirtschaft

hübscher Bergbauernhof mit riesigem Baum an der Seite

Selbst wenn sich der Bauer sorgt und handelt, wo die Saat in Sommer sich verwandelt, reicht er niemals hin. Die Erde schenkt.

R.M. Rilke XII die Sonette an Orpheus

J.J. ROUSSEAU nannte den Hüter der Natur: „Den wahren Menschen.“ Er meinte „Der Bauer ist der wahre Mensch.“

Er ist im Unterschied vom Handwerker und Industriearbeiter, in den Jahreslauf der Natur, in den Rhythmus des Wachstums von Pflanzen und Tieren eingebunden. Das Lebendige ist dem Bauern in seiner Arbeit vorgegeben: ER IST NICHT UND NIE: HOMO FABER

Die Idylle liegt den meisten von uns noch im Herzen. Wir sehnen uns nach der intakten Natur, nach dem Zauber der Natur, nach der Melodie der Nachtigall. Die poetische Schöpfung „Arkadiens“ ist uns Seelenlandschaft, unser Sehnsuchtsort. DOCH zwischen der Natur und dem Menschen bleibt eine Kluft. Wir sind zugleich Teil und doch getrennte. Die Kluft ist das, was unsere Freiheit ausmacht und unsere Menschlichkeit ermöglicht.

FRIEDLICHE, respektvolle Beziehungen mit Mensch, Tier und der Natur einzugehen, das wäre der SANFTE Weg unsere Zukunft zu gestalten.

Das steht im eklatanten Gegensatz zu einem Weltbild in der die Natur beherrscht, ausgebeutet und ökologisch zerstört wird.

Unsere Landwirtschaft steht vor einem gewaltigen Umbruch. Sie ist auf dem Weg -ihrer Methode nach- zu einer industrialisierten Landwirtschaft. Diese industrialisierte Landwirtschaft ist investitionsintensiv und äußerst energieaufwändig.

Das Verhältnis von Energieverbrauch und Output wird zur Katastrophe:

  • Ein Hackbauer im Herzen Afrikas bringt Faktor 65 mehr aus seinem Acker heraus als er ENERGIE einsetzt.
  • Bei einem Milchbauern in Europa – in einer industrialisierten Landwirtschaft ist der Faktor lediglich 0,37.

Nach einer Studie in den USA aus dem Jahr 2009, ist die kleinbäuerliche Landwirtschaft 60 Mal produktiver als die industrielle Landwirtschaft. In der bäuerlichen Landwirtschaft passen sich die Menschen ihren Böden, ihren von der Natur gegebenen Verhältnissen an.

In der industrialisierten Landwirtschaft ist es umgekehrt, hier wird das Land den industriellen Verfahren angepasst und dies geht nur mittels Investition, Petroindustrie, Agrarchemie und Futtermittel-Importen.

Steigen die Energiepreise, gerät die industrialisierte Landwirtschaft in prekäre Verhältnisse. Die industrialisierte Landwirtschaft ist ökonomisch an die Börse gebunden und es herrschen die selbigen Verhältnisse:

  • Verknappt sich der Markt – steigen die Preise
  • Gibt es einen Überhang – fallen die Preise

Bei der industrialisierten Landwirtschaft werden die Umweltbelastung und Gesundheitskosten der Allgemeinheit überantwortet.

Industrialisierte Landwirtschaft steht für

  1. Monokulturen
  2. Für Bodenerosionen – 20 Mio. Hektar gehen jährlich weltweit verloren
  3. Für intensive Düngung: Industrialisierter Universaldünger – Bodenorganismen werden zerstört. So wird die Bodenfruchtbarkeit systematisch gemindert
  4. Für Pestizide –Umweltgifte, die sich im Boden/Wasser und in den Lebensmitteln anreichern– Denken Sie an das Bienensterben.
  5. Für Massentierhaltung: Sie ist das Ende der ausgewogenen Tierhaltung, das Ende der Mensch – Tierbeziehung. Das was als Energie aus aller Welt in die Ställe kommt, muss wieder als Fäkalien entsorgt werden
    Folge:
    überdüngte Wiesen, Humuszerstörung, Zerstörung der Biodiversität, Beeinträchtigung der Grundwasserqualität.
  6. Für Artenverbrauch und Artenvernichtung: Der industrialisierten Landwirtschaft fallen mehr Arten zum Opfer als bei allen andern Tätigkeiten der Menschen.

Reden wir über den gesellschaftlichen Wandel durch die globale Landwirtschaft

Holzwaagenrad hinter orange blühenden BlumenDurch den Wegfall der Aufgabe die lokale Bevölkerung zu ernähren, sinkt das Ansehen der Landwirte. Einerseits kümmert ihn seine lokale Aufgabe nicht mehr, anderseits sind landwirtschaftliche Betriebe zum Teil von Transferzahlungen abhängig, vom Steuergeld seiner Nachbarn, für die er nicht mehr produziert.

Die Orientierung an qualitativ hochwertigen Produkten, umweltschonender Bewirtschaftung und artgerechter Tierhaltung hingegen erhöht die Wertschätzung der Landwirtschaft in der Gesellschaft und damit die Bereitschaft den Beruf Landwirt/ Landwirtin zu ergreifen.

Und die Wertschätzung haben sie verdient, denn wir können mit Fug und Recht sagen:

Die Zukunft der Welternährung wird auf einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft basieren.

Die Zukunft der Welternährung wird nur durch eine ökologische, solidarische und PARTIZIPATIVE kleinbäuerliche Landwirtschaft bewerkstelligt werden können. Da ist sich auch der Weltagrarbericht sicher.

MS3_1362Bäuerliche Landwirtschaft schafft, erhält und entwickelt unsere Kulturlandschaft als Produktionsgrundlage für unsere Nahrungssouveränität und sichert damit unsere Überlebensgrundlage. Sie schützt bzw. stellt die natürlichen Ressourcen wie z. B. Boden, Wasser, Artenvielfalt bereit.

Bauern und Bäuerinnen erzeugen nicht nur Lebensmittel, sondern sie arbeiten und erhalten die Lebensgrundlagen, prägen Lebensräume. Durch ihre Arbeit und um ihre Arbeit entsteht soziales Leben, soziales Engagement.

Wir sollten die Landwirtschaft wieder ganzheitlich als AGRIKULTUR betrachten, als Handwerk, Veredelungskunst der Rohstoffe und Kultur!

Aktuelles Interview von Werner Lampert zum Thema lesen:
http://derstandard.at/2000001325816/Industrialisierte-Landwirtschaft-ist-Totgeburt

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
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