Besuch aus dem Herzen der Erde

Blick über ein indigendes Dorf in Kolumbien

Nordkolumbien, Sierra Nevada de Santa Marta: ein kleiner dunkelhäutiger Mann in schneeweißer Kleidung kommt müde aber glücklich zurück nach Hause zu seiner Familie, in sein Dorf, in seine Berge. Das Oberhaupt der Kogi-Indianer, Máma José Gabriel, ist aus Deutschland zurück, wo er über den kolumbianischen Botschafter eingeladen war, sein Projekt vorzustellen.

Die Kogi sind ein Volk, welches sich radikal von äußeren Einflüssen abschottet. Es hat erkannt, dass die eigene Kultur nur so zu retten ist. Geschützt durch den dichten Dschungel und absurderweise auch durch die Nähe zu Guerilla, Paramilitärs und Drogenhändlern, war dies nicht allzu schwer.

Indigenes Mädchen sitzt im tropischen WaldDie Kogi sind die gewissenhaften Hüter einer sehr alten Tradition, Philosophie und Art des Denkens, wie es sie kaum noch gibt. Sie selbst bezeichnen sich als die Älteren Brüder, wir sind die Kleinen Brüder. Die Aufgabe der Mámus, der spirituellen Oberhäupter, ist es, für Yulúka, für das Gleichgewicht auf allen geistigen und materiellen Ebenen zu sorgen. Ganz handfest heißt dies, dass ich von der Erde nicht nur nehmen darf, sondern auch geben muss, so dass die Natur im Gleichgewicht bleibt.

Und so entschieden sie, dass sie nicht tatenlos zusehen können, wie die Kleinen Brüder die Ressourcen der Erde plündern. Jedes Jahr schicken sie nun einige Vertreter hinaus in die Welt, Máma José Gabriel ging nach Deutschland. Seine Botschaft ist:

„Wir sind da, um dieses Gebirge zu beschützen, denn so beschützen wir die Erde und die Welt. Wir sind die Großen Brüder, es liegt in unserer Verantwortung, über die Erde und die Welt zu wachen. Wir müssen das Gleichgewicht bewahren, und wir führen dafür die ganze spirituelle und geistige Arbeit aus. Wir sind traurig, zu sehen, dass nicht alle Menschengruppen das tun, was sie tun sollten, um die Erde zu achten. Wir brauchen den Kleinen Bruder, damit er uns hilft. Ihr müsst die Erde und die Welt verstehen lernen. Der Kleine Bruder muss uns helfen, unsere Erde wieder zurückzuerhalten. Helft uns, das Herz der Welt zu schützen!“

Nebelverhangene Berge im tropischen KolumbienIch traf ihn auf einem seiner Vorträge, er stellte das Projekt „Café Kogi“ vor. Mitten im Wald in Höhen von 800 bis 1700 Metern haben die Kogi es geschafft, einen hervorragenden Kaffee anzubauen. Im Einklang mit der Natur wächst der Kaffee so nachhaltig, wie es nur geht. 1600 Familien sollen zukünftig davon leben können.

Als ich mich anbot, sie bei diesem Projekt zu unterstützen, lächelte der Mámu: „Du musst zuerst zu uns in die Berge kommen und Dir alles ansehen, damit Du verstehst. Wir werden dann entscheiden, ob Du der Richtige bist.“ Ich habe sie besucht, ich war der Richtige und wir beschlossen, die Organisation kalashe zu gründen (kalashe bedeutet in der Sprache der Kogi „Vater/Ahne des Waldes“). Ab Ende 2014 wird es diesen besonderen Kaffee von bemerkenswerten Menschen auch bei uns zu kaufen geben. Von den Erlösen kaufen die Kogi unter anderem ihre alten heiligen Stätten zurück. Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf www.kalashe.com.

Übrigens: Máma José Gabriel kommt im November 2014 persönlich zum Weltkongress Ganzheitsmedizin an der Universität München.

Indigene Kinder Tropische Gebirge Strohhütten vor tropischem Gebirge Indigenes Kind führt Esel, dahinter noch ein Kind und ein Mann indigene Männer sitzen beisammen auf Felsen Indigene Frau mit Baby am Rücken und einer Kuh neben sich vor Strohhütten

 

Über Oliver Driver
Oliver Driver ist Wandler zwischen den Welten. Er begann als Bauingenieur und Führungskraft, wechselte nach 18 Jahren in die Organisationsentwicklung und Coaching, arbeitet als Schamane und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschienen ist sein Leadership-Buch „Das Cappuccino-Prinzip – Das Geheimnis beruflichen Erfolgs“. Er beschäftigt sich mit Tiefenökologie, Prozessen für nachhaltigen Wandel, indigenem Wissen, Schamanismus und Kaffee.
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