Collective Energy: Erneuerbare Energie soll für alle leistbar werden

4 junge Leute halten einen Preis in Händen

Was als Studenteninitiative begann, ist nun ein Start-Up, das gerade für sein Beteiligungs- und Finanzierungskonzept für erneuerbare Energie-Anlagen mit dem Social Impact Award ausgezeichnet wurde. Das Pilotprojekt von Collective Energy ist die Finanzierung einer Photovoltaik-Anlage für eine Brauerei in Niederösterreich. Zwei der Gründungsmitglieder, Julian Wudy und Patrick Würschl, im Gespräch über Collective Energy, Zukunftsaussichten und die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Alltag.

Wenn sich eine Vielzahl von Menschen zusammenschließt, um ein Projekt zu finanzieren, so spricht man von Crowdfunding. Collective Energy – eine Initiative von engagierten Studierenden und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) – geht einen Schritt weiter: erneuerbare Energie soll für alle leistbar werden und Menschen sollen in diesen Prozess möglichst stark eingebunden werden.

Collective Energy wurde vor zwei Jahren gegründet. Es war ein Projekt, das im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der BOKU ins Leben gerufen wurde, um die gemeinschaftliche Finanzierung von Photovoltaik-Anlagen am Universitätsgelände zu ermöglichen.

Das Know-How von damals ist nun Grundstein für ein erfolgreiches Beratungsunternehmen.

Julian: Exakt. Um die BOKU vom Mehrwert dieser Anlage zu überzeugen, haben wir ein gemeinschaftliches Finanzierungs- und Beteiligungsmodell entwickelt. In der kurzen Zeit – seit der Gründung – hat sich Collective Energy weiterentwickelt: wir haben Erfahrungen gesammelt, Rückschläge hinnehmen müssen, aber auch Erfolge gefeiert, wie beispielsweise den Sieg beim diesjährigen Social Impact Award. Wir haben nun die erste Phase des Abtastens und Lernens hinter uns gelassen und stehen kurz vor der Realisierung unseres ersten Projektes.

Welches Projekt sprichst du an?

Patrick: Unser erstes Projekt haben wir gemeinsam mit der Brauerei Bruckners Erzbräu in Gaming in Niederösterreich ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Aus Sonne wird Bier – mit Dir“ wird am Gelände der Brauerei eine über die Kunden gemeinschaftlich finanzierte PV-Anlage errichtet.

Das entspricht dem Crowdfunding-Prinzip, somit auch unabhängig von einer Bank. Oder was versteht ihr unter „gemeinschaftlich finanziert“?

Patrick: Ja, genau – wenn sich viele Menschen mit einem kleinen Geldbetrag beteiligen, können auch größere Projekte gestemmt werden. So auch bei Bruckners Erzbräu.

Du hast erwähnt, dass dieses Projekt kurz vor dem Abschluss steht. Was ist der „Next Step“ von Collective Energy?

Julian: Jetzt möchten wir uns als Beratungsunternehmen positionieren, um so die Realisierung gemeinschaftlich finanzierter erneuerbarer Energie in ganz Österreich zu ermöglichen. Wir sind nun bereit, mit unserer Idee an die breite Öffentlichkeit zu gehen.

Und welche Vision treibt Euch dabei an?

Patrick: Wir möchten erneuerbare Energien für alle leistbar machen. Gleichzeitig wollen wir den Menschen einen Rahmen und damit Anstoß geben, ihre Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen.

Wie möchtet ihr das in der Praxis umsetzen?

Julian: Mit einem Modell, das leicht und vielfältig übertragbar ist. Unternehmen und Privatpersonen sollen von uns – als Beratungsdienstleister – dabei unterstützt werden, ihre eigene Energie zu erzeugen. Das passiert so, indem Menschen zusammengebracht werden, um über ein attraktives Beteiligungsmodell beispielsweise eine Photovoltaik-Anlage gemeinschaftlich zu finanzieren.

Wie Julian vorhin erwähnt hat, habt ihr am 21.05.2014 den Social Impact Award gewonnen und seid für euer Engagement ausgezeichnet worden. Was bedeutet diese Auszeichnung für euch?

Julian: Wir sehen darin eine Bestätigung für unsere bisherige Arbeit und Motivation weiter an unserer Idee festzuhalten. Das ist für uns die Chance, das Bewusstsein für die Energiewende zu stärken. Durch die Unterstützung des Social Impact Awards bietet sich uns die Möglichkeit, aus einer „schönen Idee“ ein flächendeckendes Business Modell entstehen zu lassen.

Und wer ist die Zielgruppe eures Business Modells?

Julian: Unsere Bandbreite ist vielfältig und so auch unsere Zielgruppe: ob Unternehmen, Vereine, Schulen, Universitäten oder alle, die selbst ihre eigene Energie erzeugen wollen – jeder kann mitmachen. Gezielt ansprechen wollen wir Menschen, die gemeinsam mit uns die Energiewende voranbringen wollen. Denn langfristig möchten wir Nachhaltigkeit einen Raum geben.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch persönlich?

Patrick: Wir geben Nachhaltigkeit einen Raum, in dem Sinn, dass wir ein Modell verbreiten, das alle drei Aspekte der Nachhaltigkeit beinhaltet, um die Energiewende voranzutreiben. Denn Nachhaltigkeit ist für uns mehr als nur ein Schlagwort: wir sind alle mit diesem Gedanken aufgewachsen und sehen Nachhaltigkeit als zentralen Antrieb für unser Handeln.

Wie kann Collective Energy dazu beitragen?

Julian: Collective Energy ist für uns die Möglichkeit, diese innere Haltung nach Außen zu tragen. Wir leisten so einen Beitrag zur Realisierung der Energiewende. Daher ist es für uns auch wichtig, dass wir bei unseren Projekten darauf achten, mit Personen und Unternehmen zusammen zu arbeiten, die diese Einstellungen teilen.

Bio-Pionier Werner Lampert beschäftigt sich vor allem mit Nachhaltigkeit in der biologischen Landwirtschaft. Er fordert für einen Wandel eine solidarische Gesellschaft. Wo siehst du mögliche Gemeinsamkeiten bzw. Verknüpfungen mit Collective Energy?

Julian: Collective Energy kann Bio-Landwirte dabei unterstützen, ihre Energieerzeugung auf erneuerbare Energien umzustellen und gleichzeitig den Absatz für deren Produkte zu gewährleisten. Hier bietet die Rückzahlung in Form von Waren (z.B. Biokistl) einen Anreiz zur Beteiligung. Das führt auch zur regionalen Verankerung und Wertschöpfung der (Energie-)Produktion. Wie auch für die biologische Landwirtschaft, ist es für uns genauso wichtig, die Energie mit den gegeben Ressourcen dort zu erzeugen, wo sie verbraucht wird.

Um das zu bewirken, welche Veränderungen sind in der Zukunft nötig?

Patrick: Es geht darum, die Menschen stärker in den notwendigen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit einzubinden. Um die Basis dafür zu schaffen, müssen Bewusstsein und Begeisterung vermittelt und somit die Leute mit an Bord geholt werden. Es geht nicht nur darum, wie wir unsere Energie erzeugen, sondern auch wie der angestrebte Wandel im Energiebereich finanziert werden kann. In unseren Augen ist es wichtig, dass die Menschen möglichst stark eingebunden werden. Denn ist die Energie erst einmal in ihrem Besitz, werden sie auch sorgsamer mit ihr umgehen. Es ist an der Zeit kollektiv zu handeln!

4 junge Leute halten einen Preis in Händen

Collective Energy bei der Preisverleihung des Social Impact Awards am 21.5.2014 (von links nach rechts: Julian Wudy, Viktoria Wechselberger, Dominik Schmitz, Patrick Würschl)

Preisverleihung, Menschen lachen in die Kamera

Collective Energy und Frohnatur bei der Greenstart Preisverleihung am 4.6.2014 (von links nach rechts: Klima- und Energiefonds Geschäftsführer Ingmar Höbarth, Patrick Würschl, Dominik Schmitz, Zsófia Schmitz, Veronika Fasching). Ihre Projektidee „Verein Sonnenschulen – Photovoltaikbeteiligungsmodelle für Österreichs Schulen“, die sie gemeinsam mit dem Umweltpädagogik-Verein Frohnatur eingereicht haben, wurde als eines der Top 10 Business-Konzepte ausgezeichnet.

KONTAKT

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Projekt mit Bruckners Erzbräu „Aus Sonne wird Bier – mit Dir“

 

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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