Tierische WM: Wer fliegt schneller, höher und weiter als ein Fußball?

Portrait eines Habichts© Fred F. Hazelhoff/WWF-Canon

Rekorde aus der Vogelwelt – Heute ist das große Finale der Fußball-Weltmeisterschaft! Bei aller Bewunderung für die sportlichen Erfolge der Kicker: Im Reich der etwa 242 heimischen Vogelarten haben Spitzenleistungen immer Saison. Ob in puncto Trickreichtum, Geschwindigkeit oder Ausdauer – im direkten Vergleich mit so manchem gefiedertem Rekordhalter sehen die menschlichen Sportler ganz schön alt aus.

Der WWF Österreich und der Nationalpark Donau-Auen präsentieren die „geflügelte“ Super-Weltmeisterschaft

Der Mensch hat in Sachen Ausdauer zwei entscheidende Stärken: Einerseits den aufrechten Gang auf langen, starken Beinen und andererseits eine geringe Körperbehaarung, sodass sie über zwei Millionen Schweißdrüsen effektiv kühlen können.
Es ist in der Tat beeindruckend, dass Torjäger wie der Holländer Arjen Robben dem runden Leder mit Sprintspitzen von 37 Stundenkilometern hinterher jagen können. Aber auch manch heimisches Federvieh hat rasante Fluggeschwindigkeiten drauf. Mit bis zu 85 km/h hängt beispielsweise das Rebhuhn (Perdix perdix) seinen Fressfeind, den Habicht (Accipiter gentilis) mühelos ab. Dieser erreicht mit 42 km/h ja auch nicht einmal die Höchstgeschwindigkeit eines Mopeds.

Portrait eines Wanderfalken

Wanderfalke © Sanchez/WWF

Ein Wanderfalke (Falco peregrinus) kommt hingegen schon einmal auf 300 km/h, wenn er sich in rasantem Flug auf eine Haustaube (Columba livia domestica) oder Aaskrähe (Corvus corone) stürzt. Der felsbrütende Wanderfalke ist damit nicht nur jener Vogel, der den schnellsten Sturzflug beherrscht, sondern insgesamt der schnellste Vogel der Welt.
Den Rekord in Sachen „Langstreckenflug“ am Fußballfeld hält sicherlich der Stürmer Robin van Persie seit seinem Traum-Kopfballtor zum 1:1 gegen Spanien am 14. Juni.

Doch an die Ausdauer eines Mauerseglers (Apus apus) reicht selbst „der fliegende Holländer“ nicht heran. Bei diesem Vogel beträgt der längste Aufenthalt in der Luft – drei Jahre. Der gesellige Kerl mit dem auffällig schrillen Ruf erledigt vom Zeitpunkt, an dem er sein Nest verlässt bis zum Tag, an dem er selbst zum ersten Mal brütet, alles im Flug. Auch das Schlafen.

5 Bienenfresser auf einem Baum, einer mit Hummel im Schnabel

Bienenfresser © Isabell Riedl

Gelegentlich tauschen Torhüter und Torjäger die Rollen. So agierte der mexikanische Goalie Jorge Campos auch äußerst erfolgreich als Stürmer. Mit seinen farbenfrohen Dressen erinnert der Paradiesvogel unter den Weltklassefußballern an den buntesten Vogel Europas, den Bienenfresser (Merops apiaster). Diesen exotisch anmutenden Zugvogel kann man im Sommer auch im Nationalpark Donau-Auen und den Hainburger Bergen antreffen, wenn er nach Bienen, Hummeln oder Schmetterlingen Ausschau hält. Nach dem Erbeuten eines Insekts stellt der Bienenfresser vorerst fest, ob es sich um ein ungiftiges Exemplar oder eines mit Stachelapparat handelt. Wespen zum Beispiel werden vor der Mahlzeit noch durchgeknetet, damit das Gift aus dem Stachel herausgepresst wird.

Männliche Großtrappe

Großtrappe © Isabell Riedl

Ein talentierter Fußballer setzt seinen Körper im Zweikampf gekonnt und mit großem Selbstbewusstsein ein. Auch manch männlicher Vertreter der Tierwelt ist von seiner Überlegenheit gegenüber den Geschlechtsgenossen überzeugt. Dazu zählen die Großtrappen (Otis tarda), schwergewichtige Rekordhalter unter den flugfähigen Vögeln. Bei der Balz heben die 16 Kilogramm schweren Hähne die Unterfedern ihrer Flügel und ihren Schwanz zu einem imposanten weißen Federball, um die Gunst der Hennen zu erlangen. Man gönne den Großtrappen ein fruchtvolles Liebeswerben – sind die riesigen Vögel doch vom Aussterben bedroht. Im Osten Österreichs sind sie noch vereinzelt zu beobachten.

Portrait eines Uhus

Uhu © Franz Hahn/4nature

Im dichten Auwald an Donau und March brütet der Uhu (Bubo bubo). Er kann seinen Kopf um 270 Grad drehen, was es ihm ermöglicht, seine Beutetiere rundum zu orten. Mit dieser Fähigkeit erinnert der Eulenvogel an den Bayerischen Schützenkönig Thomas Müller, der – ganz im Stil seines berühmten Namensvetters Gerd -, seine Gegner austrickst indem er das Spielfeld überblickt wie kein anderer, Tore „riecht“ und ohne Ende aus allen Lagen schießt.

Sitzender Bartgeier

Bartgeier © Isabell Riedl

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus), einer der seltensten Greifvögel Europas, zieht nach einem Wiederansiedlungsprojekt auf Initiative des WWF in den 1980er Jahren, wiederseine Kreise über den Alpen. Die Nahrung des imposanten Geiers mit den schwarzen Federn über dem Schnabel besteht zum Großteil aus den blanken Knochen von Gämsen, Steinböcken oder Ziegen, die beispielsweise zu Lawinenopfern wurden. Wenn Bartgeier große Knochen nicht ganz hinunterschlucken können, lassen sie diese aus 50-80 Metern Höhe auf Felsen fallen, damit sie zerbrechen. Der Vergleich zum eisenharten Fußballer Pepe drängt sich auf: Der portugiesische Abwehrchef ist für seine harten Fouls bekannt – welche meist zulasten der Knochen des Gegners gehen.

Aus all diesen rekordverdächtigen Anstrengungen sticht der Wiedehopf (Upopa epops) heraus, dem seine Feinde gewissermaßen am A… vorbeigehen. Als Abwehrreaktion haben junge Wiedehopfe eine besondere Verhaltensweise: Die Nestlinge strecken ihren Feinden flugs das Hinterteil entgegen und spritzen dünnflüssigen Kot aus dem Darm. Der strategische Einsatz der Kehrseite erinnert an eine Trainingsmethode, die vom legendären Diego Maradona überliefert ist. Der extravagante Coach habe sich wiederholt vornübergebeugt und die Spieler aufgefordert, auf seinen Allerwertesten zu zielen.

Wofür Fußballer täglich trainieren, um alle vier Jahre bei der Weltmeisterschaft ihre Stärke zu beweisen, ist in der Tierwelt Alltag. Den Vertretern der Vogelwelt geht es bei ihren „Spitzenleistungen“ freilich nicht um Pokale, sondern ums Überleben.

Es wäre wahrlich weltmeisterlich, würden wir Menschen das Zusammenleben mit den Tieren fairer gestalten und sie nicht immer weiter ins Abseits drängen.

Autorinnen

Claudia Mohl, Pressesprecherin WWF Österreich
Mag. Erika Dorn, Nationalpark Donau-Auen

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