Wie erkennen wir unsere Wirkung auf die Welt?

Tagpfauenauge

Auch in der Nachhaltigkeitspolitik gilt: You can’t manage, what you can’t  measure – Dies erfordert nicht mehr als die Neuvermessung der Welt, nicht nur in Geld sondern in tatsächlicher biologischer und physikalischer Wirkung auf die „Natur“.

Wissenschaftliche Methoden, mit denen die „Wirkung auf die Welt“ unserer Produkte und Handlungen genauer erfasst und bewertet werden können, sind erst im Entstehen. So etwa ist die Forschergruppe „Netzwerk Footprinting“ bestrebt, die Vergleichbarkeit von Ergebnissen sicher zu stellen, um Produkte und Dienstleistungen direkt miteinander vergleichen zu können und das Chaos der verschiedenen Labeling-Schemato zu überwinden.

Dabei soll die Verantwortung keinesfalls allein auf die KonsumentInnen abgewälzt werden.

Jedenfalls ist korrekte Information nicht nur die Basis für verantwortungsvollen Konsum, sondern auch die Voraussetzung für jede Art politischer oder fiskaler Maßnahmen, wenn deren Wirkung  messbar sein soll.

Die Palette an Möglichkeiten ist groß. Von akkuraten Öko-Daten auf Produkt-Labels über  Steuern und Abgaben auf „Weltbeanspruchung“ bis hin zu ordnungspolitischer Deckelung

(als Carbon – oder Footprint-Allowances bereits angedacht).

Für alle Öko-Bewertungssysteme (mit gewichteten Gesamtparametern) gilt, dass diese sowohl  für KonsumentInnen verständlich, für die Wissenschaft nachvollziehbar, für die Politik nützlich und nicht zuletzt für die Wirtschaft leistbar sein müssen.

Konzepte für eine Ressourcenökonomie, für ein anderes Wirtschaften, – als ob wir nur eine Erde hätten – gibt es bereits. Eine am Gesamten, am Gemeinwohl orientierte Ökonomie ist dabei nicht nur denkbar, sondern in einigen Sektoren der Gesellschaft bereits in versuchsweiser Umsetzung. (Siehe www.gemeinwohl-oekonomie.org)

Unabhängig von bestimmten Denkschulen gilt für alle vorausschauenden „WirtschaftsakteurInnen“, sich den „neuen Grenzen“ von Ressourcen und Fairness zu stellen. Statt die Herausforderungen zu verdrängen suchen verantwortungsvolle Unternehmen den Dialog mit Politik und Zivilgesellschaft.

Eine Wirtschaft mit konsequenter ökologischer und sozialer Kostenwahrheit wird zu einer Neudefinition von Gewinn führen. „Profit“ bleibt legitim, aber Profit liegt erst dann vor, wenn alle Aufwendungen und versteckten Kosten – wirklich alle – abgezogen wurden.

Denn Sklaven wären immer billiger, wilde Müllentsorgung ist betriebswirtschaftlich immer einfacher als Stoffstrom-Management, wenn die Rahmenbedingungen es nicht anders definieren.

Bei allen kritischen Anmerkungen zu den momentanen Grenzen der Wirtschafts-„Ethik“ bleibt der Autor ein Verfechter des Gedankens hinter CSR.

Ja, es kann sozial und ökologisch verantwortungsvolles Wirtschaften geben! Und der Wunsch eines Unternehmens, diese Richtung einzuschlagen ist bedeutungsvoll, sogar, wenn es zu Beginn nur aus Image-Gründen geschieht. Schließlich kann man die Grenzen unserer Wirtschaft erst sinnvoll diskutieren, wenn der Wunsch nach ethischem Verhalten als solcher etabliert ist und in seinen weitreichenden Konsequenzen verstanden wird.

Allerdings müssen sich alle ethisch Interessierte schließlich auch der Debatte stellen: „Wie viel Profit kann ethisch sein?“  – Spätestens hier scheiden sich dann Greenwashing und echtes Engagement.

Auch Wirtschaftstreibende im verschärft beschleunigten Wettbewerb müssen nach dem Sinn des ewigen Wachstums fragen:  ein Ziel, um jeden Preis anzustreben, – oder doch nur ein Mittel, ein Werkzeug, das seinen Zweck am Weg zu einer lebensfreundlichen Gesellschaft nicht mehr erfüllen kann?

Jeder, der jemals ein Feld bewirtschaftet, Brot gebacken oder Häuser errichtet hat, versteht, dass jährliche zweistellige Gewinne eine Illusion sind. Eine gefährliche Illusion, der nachzulau­fen die Zukunft unseres Planeten gefährdet, sozial, ökologisch und letztlich auch ökonomisch.

Den Teilnehmern an der Debatte ist nicht nur eine neue, ethische Einsicht – der Globalverstand – zu wünschen, sondern auch der notwendige Mut, sich den weitreichenden Konsequenzen für ihre Betriebe, Branchen und Volkswirtschaften zu stellen. Der Mut, gegen den Strom zu schwimmen und die notwendigen Wenden in Angriff zu nehmen.

An Unterstützung aus der Zivilgesellschaft und aus den zukunftsorientierten Ecken der Politik wird es nicht fehlen.

Und auch die KonsumentInnen werden ihrer Verantwortung nachkommen, wenn sie nicht länger als Konsum-Trottel, sondern als aufgeklärte WeltbürgerInnen betrachtet werden.

Die Welt ist komplizierter als wir denken, dafür haben wir mehr Möglichkeiten als wir glauben.

Über Wolfgang Pekny
Wolfgang Pekny, Jahrgang 1956. 1975 bis 1982 Studium der Chemie und Biologe an der Universität Wien. 82-87 Dissertation über evolutionstheoretische Fragen an Tiefseemollusken. Zugleich ab 1974 im Umweltschutz engagiert; theoretisch, politisch und aktivistisch. 1987 -2008 hauptberuflich für Greenpeace als Kampagnenleiter, Querdenker und Think-Tank in führenden Positionen national wie international tätig. Spezialist für Biodiversität, „global commons“, Völkerrecht, Ökobilanzen, Ökologischer Fußabdruck und „Fair Future“. Seit 2007 Geschäftsführer der von ihm begründeten Plattform Footprint und Obmann der „Initiative Zivilgesellschaft“.
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  • Immer,wenn ich etwas selbst mache und mich frage, wieviel wohl jemand bereit wäre dafür zu bezahlen und wieviel das im Geschäft tatsächlich kostet, weiß ich, dass da jede Menge schief läuft auf dieser Welt.

    lg
    Maria

  • Ein sehr wichtiger Artikel, der von den zentralsten Fragen der „Weltverbesserung“ handelt. Leider wird auch die Forschergruppe „Netzwerk Footprinting“ nicht „die“ Wirkung einer Konsumentscheidung auf die Welt berechnen können. Ökobilanzen sind immer umstritten und angreifbar, weil sie immer auf bestimmten Annahmen basieren. Oft bringen sie überraschende Ergebnisse.

    Kostenwahrheit ist sehr zu begrüßen. Aber auch da erlebt man Überraschungen: Selbst unter Einrechnung wirklich aller externen Kosten ist mancher Ökostrom derzeit noch *teurer* als mancher konventionell hergesteller Strom.

    http://sedl.at/Kraftwerke/Kostenwahrheit

    Es gibt natürlich dennoch Gründe, dringend auf Ökostrom umzustellen, denn Geld ist nicht alles.

    Die Hauptverantwortung sehe ich beim Auftraggeber der Wirtschaft: den Konsumenten. Die Erfolge der letzten 20 Jahre, etwa im Supermarkt, sind ihnen zu verdanken.