Den Sinn verstehen statt bloßer Informationsvermittlung – beste Bildung für jedesK!ND

Mehrere indische Kinder sitzen in einem Raum zusammen

jedesK!ND-Kampagnenstratege Bernhard Drumel war auf Besuch in Pathashaala, einer Krishnamurti-Schule in Tamil Nadu, Indien. Hier hat er zusammengefasst, was für ihn an dieser Schule so besonders ist.

Mein geschätzter Kollege Gautama aus dem Vorstand von Greenpeace Indien hat mir schon oft von seiner Schule erzählt und mich eingeladen sie zu besuchen – nun habe ich es endlich dorthin geschafft, in die Pathashalaa (Hindu-Wort für Schule).

Gegründet wurde sie vor vier Jahren als „school of the 21st century“. Fünf KollegInnen aus der Krishnamurti-Schule, einer der renommiertesten Schulen des Landes, hatten sich dafür zusammengetan. 75 Kilometer südlich von der Schule in der sie einst unterrichteten, eröffneten sie neues Schulareal, das sich auf rund 40 Hektar ausbreitet. Es beherbergt derzeit 75 SchülerInnen, die von 12 LehrerInnen betreut werden. Die SchülerInnen sind zwischen 10 und 16 Jahre alt; während der achtmonatigen Schulzeit werden sie hier nicht nur unterrichtet sondern leben auch gemeinsam.

Rosafarbener SonnenuntergangWas macht diese kleine Schule so speziell, ganz abgesehen von der spektakulären Lage und atemberaubenden Sonnenuntergängen?

Nach dem Motto ihres Spiritus Rector, des großen Menschenbildners und Philosophen Jiddu Krishnamurti, hat sie sich im Aufbau, dem Unterricht und der Art des Umgangs miteinander drei wesentlichen Grundsätzen verschrieben:

1. „To understand, is to transform what is“:

Die Unterstützung von Kindern zur Entwicklung eines unabhängigen Geistes durch ständiges Herausfordern, sich ihre eigene, klare Meinung zu bilden, diese zu artikulieren und durch Feedback zu schärfen. Statt Fächerunterricht steht die Frage im Zentrum: „Wie hängt alles zusammen?“ Statt Informationsvermittlung soll es darum gehen, Information mit Sinn zu versehen.

2. „He who can learn will have an advantage over one who needs to be taught“:

Mehrere indische Kinder sitzen in einem Raum zusammenDie Lust am Lernen zu fördern, durch LehrerInnen, die mehr fragen als unterrichten, durch ständiges Erproben des Gelernten im Leben und in der Natur (ein Großteil des Essens wird gemeinsam gesät und geerntet), durch Förderung der künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten (Spinnen, Weben, Töpfern, Tanzen, Singen) als essentieller Teil des Unterrichts. Educators/Learners und Learners/Educators. Oder wie es Gautama ausdrückt: “In some sense, the age of teaching has died, the age of learning and life-long learners has come to age.”

Die Educator/Learners sind vor allem für die Atmosphäre, die Fürsorge und die Kreation von Lernformen und -möglichkeiten zuständig. Die jungen Learner/Educators hingegen sind eingeladen, Verantwortung zu übernehmen im täglichen Leben der Schule, Vorschläge zu machen, hin und wieder auch Klassen zu übernehmen und ihre Peers zu unterstützen.

3. Do you know how to be with others constructively? Do you understand your feelings and those of others?

Gautama meint mit einem Augenzwinkern, dass in seine Schule gerne „die misfits“ kommen – das sind Kinder, die im stark hierarchischen traditionellen indischen Schulsystem auf- und rausfallen. Hmh. Dann brauchen wir wohl noch mehr misfits in dieser Welt, denn in all der Lebendigkeit hab ich selten so viel Respekt und Aufmerksamkeit füreinander erlebt wie in dieser Schule: Angefangen bei einem aktiven Zuhören, das selbst für mich herausfordernd ist, bis hin zu einem selbstverständlichen Mitwirken am Säubern der Küche nach dem Essen.

Blick über subtropisches Gelände mit einigen kleinen Backsteinbauten mit weißen DächernDarüber hinaus hat sich Pathashaala ökologisch und weitestgehend energieautonom ausgerichtet (eigenes Solarsystem). Gefällt mir als Weltverbesserer, es ist aber in der Region auch eine Notwendigkeit, autark zu sein und ständiges Licht zu haben.

Bernhard Drumel, Kampagnenleiter für jedesK!ND

Bärtiger graumelierter MannJurist, Weltverbesserer im WWF (Naturschutzleiter), Greenpeace CEE (Geschäftsführer) und Greenpeace International (Fundraising und Development Director), seit 3 Jahren mit supportingchange.org und campaigninternational.org Strategie- und Kampagnenberater für Organisationen und Unternehmen. Leidenschaftlicher Vater eines 16-Jährigen und einer 3-Jährigen, neugieriger Lebensmensch und Zuhörer.

Über Aktionstage Nachhaltigkeit
Im Rahmen der „Aktionstage Nachhaltigkeit“ der NachhaltigkeitskoordinatorInnen aller Bundesländer und des Lebensministeriums bietet der Werner Lampert Blog eine Öffentlichkeits-Plattform für Nachhaltigkeitsprojekte. 2014 widmet sich der Blog von 4.-14.10.2014 dem außergewöhnlichen Projekt jedesK!ND.
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