Wo kommt unser Schmuck her? Ausbeutung und Umweltbelastung durch den Abbau von Gold und Diamanten

Von sogenannten Blutdiamanten oder Kinderarbeit in Goldminen hat jeder schon mal gehört. Aber, dass der eigene Ehering oder der hübsche Edelmetall-Schmuck aus dem Trend-Store nebenan, Leid verursacht haben könnte, wollen wir uns lieber nicht vorstellen. Doch auch unser Schmuck kann eine unrühmliche Vorgeschichte durch Umweltbelastung und Ausbeutung der Menschen in Entwicklungsländern haben. Wie ist die Faktenlage und was können wir tun?

Ausbeutung von Kindern

Die natürlichen Vorkommen von Edelmetallen wie Gold und Silber und auch die allseits begehrten Diamanten lagern – neben großen Vorkommen in Australien und Südafrika – in Entwicklungsländern. Dort findet dementsprechend auch deren Abbau statt. Hier sind die Sicherheitsstandards nach wie vor oft mangelhaft. Dabei arbeiten auch – eigentlich schulpflichtige – Jugendliche oder manchmal sogar Kinder in den Minen. Nicht verwunderlich erscheint, dass die knochenharte Arbeit unter Tage besonders jungen Menschen schwer zusetzt. Schwere Lasten und Gesteine schleppen, die Arbeit mit giftigen Stoffen wie Quecksilber oder Zyanid und bis zu 12 Stunden Arbeit prägen den Arbeitsalltag – auch der jungen Arbeiter – in den Minen. Dazu kommen die meist geringen Löhne, die in keinem Verhältnis zu den hohen Gewinnen der großen – oft internationalen – Unternehmen stehen. Auch dem Entwicklungsland selber bleibt oft wenig Profit von den eigenen, reichen Vorkommen an Edelmetallen. Ausführliche Informationen zum Thema bietet die Münchner NGO für Nachhaltige Entwicklungspolitik Earthlink Ev. auf der Internetseite www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de, dem größten deutschsprachigen Portal um weltweite Kinderarbeit.

Auch die funkelnden Diamanten auf unseren Eheringen sind manchmal schwer vorbelastet. Gehört hat den Begriff „Blutdiamanten“ wohl jeder schon einmal. Trotzdem wissen nicht alle Träger der funkelnden Steinchen, dass hinter dem Schlagwort gewalttätige Warlords stehen, die mit dem illegalen Verkauf der Diamanten ihre Macht weiter ausbauen und zur weiteren Destabilisierung vieler – sowieso schon krisengeschüttelter – Länder beitragen. Der Erlös der Blutdiamanten fließt oft ins Waffengeschäft – eine weitere Intensivierung der Gewalt ist vorprogrammiert. Da die Steine sehr klein sind und relativ leicht zu schürfen, kommen die meisten gar nicht erst auf den offiziellen Markt, sondern werden illegal unter der Hand zu Geld gemacht (siehe auch Artikel in der Süddeutschen Zeitung). So ist es nochmal schwieriger, die Herkunft des Edelsteins nachvollziehen zu können.

Umweltbelastungen durch Minenarbeiten

In letzter Zeit geht ein signifikanter Trend dahin, Gold immer mehr in den Ländern Lateinamerikas wie Ecuador und Peru abzubauen – aber auch in Indonesien. In den Regenwäldern dieser Länder wurden große Goldmengen gefunden und noch größere Ressourcenvorkommen vermutet. Doch das Anlegen von Minen in diesen Gebieten bedeutet Belastungen der Umwelt und des Ökosystems Regenwald. Denn im Gegensatz zu der harmloseren Schürfung von Gold in Gewässern, werden für Minen große Flächen gerodet. Tonnen von Gestein müssen aus dem Erdinneren nach oben befördert und dort gesprengt werden. Um an oft minimale Mengen Gold zu gelangen, wird dann das Gestein mit Zyanidlösungen bearbeitet. Dieser hochgiftige Stoff schadet nicht nur der Gesundheit der Arbeiter, sondern kann ganze Gebiete zerstören. So leidet ein ganzes Ökosystem an den Folgen des Goldabbaus.

Vertrieb von Schmuck und Diamanten in Europa

Früher oder später kommt das Endprodukt in Form von Schmuck beim Verbraucher in Europa an. Obwohl viele Menschen über die schlechten Bedingungen Bescheid wissen und Wert darauf legen, Schmuck aus nachhaltiger Produktion zu kaufen, ist es manchmal nicht leicht herauszufinden, ob Schmuckstücke fair produziert wurden. Dass vorbelastete Materialien auf den Märkten des deutschsprachigen Raums zu finden sind, davon kann ausgegangen werden. Gerade wer industriell gefertigten Massenschmuck kauft, läuft (laut regenwald.org) eher Gefahr unwissentlich Kinderarbeit oder Umweltschädigung zu unterstützen.

Ein Weg zu nachhaltig hergestelltem Schmuck führt über die Auswahl eines Schmuckanbieters (z. B. Black Bead Jewellery), der Wert darauf legt, ausschließlich fair produzierte Gold- und Silberstücke oder Diamanten zu verkaufen, einen Überblick gibt es im Öko-Produktguide von OrganicStyle. Kauft man in einem Online Shop, sollte man unbedingt darauf achten, dass auf der Webseite entsprechende Angaben zur Nachhaltigkeit der verkauften Produkte gemacht werden und auch entsprechende Zertifikate zur Nachhaltigkeit vorhanden sind. Diese Zertifikate sollte man sich bei einem Schmuckkauf im Geschäft direkt zeigen lassen.

Eine weitere Möglichkeit ist, auf gebrauchte Diamanten oder Second-hand-Schmuck zurück zu greifen. Viele zeitlose Stücke haben auch heute noch nichts von ihrem Glanz verloren oder können ohne größere Probleme angepasst werden. Es ist also möglich, weder auf edlen Schmuck, noch auf ein gutes Gewissen verzichten zu müssen.

Über Robin Brunold
Robin Brunold, wurde 1982 in Regensburg geboren. Nach der Grundschule besuchte er die Rudolf Steiner Schule München-Ismaning und beschloss seine Schulausbildung mit Waldorfschul-Zeugnis und dem externen Abitur. Robin Brunold hat Geschichte und Politik studiert und vor und während seines Studiums in den USA, Thailand und Frankreich gelebt. Er belegte ein dreimonatiges Praktikum bei earthlink e.V. Heute arbeitet er als Marketing-Consultant, Online-Publizist und freier Historiker.
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