Gesunde Böden für gesunde Lebensmittel

Nahaufnahme einer Hand, die mit dunkler Erde gefüllt ist

Noch ist bei uns Winterzeit und somit Ruhezeit für unsere Böden. Aber spätestens, wenn die Temperaturen wieder zu steigen beginnen, erwacht auch der Boden zu neuem Leben und bildet die sprichwörtliche Grundlage unserer Lebensmittel.
Doch welche Beachtung bekommt der Boden von uns Menschen?

Er wird oftmals rücksichtslos durch Monokulturen ausgelaugt, mit (Kunst)Dünger aufgepeppt, durch Landmaschinen stark verdichtet, mit Herbiziden vergiftet, etc. – die Liste der Bodenverbrechen ist lang! 2015 hat die UNESCO das „Internationale Jahr der Böden“ ausgerufen – vielleicht ein erster Anstoß dafür, dass viele Menschen einmal darüber nachdenken, wie wir unsere Böden behandeln sollten, damit wir von ihnen genau das ernten können, was wir uns wünschen: gesunde und nährstoffreiche Lebensmittel.

Gleich zu Beginn des Jahres ist auch das erste Mal der Bodenatlas erschienen – ein Kooperations-Werk der Heinrich-Böll-Stiftung, des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS), des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Le Monde Diplomatique. Der Bodenatlas zeigt in zahlreichen Darstellungen und Themenschwerpunkten, in welchen Zustand sich die Böden durch Überdüngung und Bodenausbeutung weltweit befinden, wie sich der Bodenverbrauch der modernen Gesellschaft durch Verbauung und Nahrungsmittelproduktion entwickelt und warum es dringend notwendig ist, zu einer gerechten und nachhaltigen Bodenpolitik zu finden.

Ich möchte Boden in seiner ganzen Vielfalt in einer kurzen Serie thematisieren von Landwirtschaft und pflanzliche Ernährung, Landwirtschaft und Viehzucht über die klimatischen Auswirkungen bis hin zu Landpolitik und Land als Ware und die damit verbundenen humanitären und sozialen Auswirkungen.

Teil 1 widme ich der Primärstufe der Nahrungsmittel – der Rohstoffproduktion in der Landwirtschaft

Denken Sie an Böden, wenn Sie am Markt oder im Handel Lebensmittel einkaufen? Ich wage zu behaupten – äußerst selten oder gar nie. Vielleicht bei Erdäpfeln, Spargel oder Wurzelgemüse – aber sicher nicht bei Hühnerfleisch, Schinken oder Wurst.
Schon beim Kochen lernt man, dass man nur dann Gutes auf den Teller bringen kann, wenn man Gutes in den Topf gibt. Warum soll das dann bei den Rohstoffen, die unseren Körper versorgen, anders sein. Gute, gesunde und nährstoffreiche Lebensmittel – Mittel zum Leben – können nur entstehen, wenn sie auf gesunden, nährstoffreichen natürlichen Böden wachsen. Also Böden mit ausreichend Humus und Bodenleben. Und Humus kann man nicht ersetzen.

Durch mineralische Düngung werden zwar die Pflanzen ernährt, alle anderen Lebewesen im Boden aber ausgehungert, da der Boden nur wenig organisches Material enthält, das sie verwerten könnten. Humus ist die beste Grundlage für gesunde Böden und eine Bodenfruchtbarkeit, die gesunde Pflanzen hervorbringt. Ohne Humusschicht essen wir Inhaltsstoffe deren Grundlage synthetische Nährlösungen, (Kunst)dünger und Spritzmittel sind.

Bodenatlas 2015, S.35

Bodenatlas 2015, S.35

Man kann natürlich argumentieren, dass Pflanzen die auf Nährlösungen wachsen, dieselben Inhaltsstoffe in der Laboranalyse aufweisen wie Pflanzen, die auf gesunder Erde stehen – Tomatenmassenproduktionen sind der beste Beweis dafür. Richtig, die Pflanze ist genügsam, passt sich an und funktioniert im besten Wortsinn. Sie wächst und wandelt um – die Konzentration an bioverfügbaren gesunden Inhaltsstoffen ist aber eine andere – das ist zwischenzeitlich bewiesen. Bio-Tomaten auf Erde gezogen haben messbar bessere Werte bei den wichtigen Inhaltsstoffen (Oliveira Aurelia B. u.a., The Impact of Organic Farming on Quality of Tomatoes Is Associated to Increased Oxidative Stress during Fruit Development).

In der Nahrungsmittelprimärproduktion über humusreichen, gesunden und fruchtbaren Boden nachzudenken ist aber längst noch nicht immer üblich. Üblich ist es, darüber nachzudenken, wie man den Boden mit Düngemitteln so versorgt, dass er eine möglichst hohe Leistung erbringt. Dazu nun einige Daten und Fakten aus dem Bodenatlas:

Bodenatlas 2015, S.19

Bodenatlas 2015, S.19

Bodenatlas 2015, S.19

Bodenatlas 2015, S.19

 

 

 

 

 

Bodenatlas 2015, S.34

Bodenatlas 2015, S.34

Die ökologische Landwirtschaft bemüht sich seit Jahren, zu einem Umdenken zu bewegen und dem Boden mehr Bedeutung zu schenken. Die Mikroorganismen im Humus werden geachtet und gelten als die besten Mitarbeiter, die für eine gesunde Bodenstruktur und die optimale Ernährung der Pflanzen sorgen. Zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit gibt zahlreiche natürliche Möglichkeiten wie eine vielfältige Fruchtfolge, eine schonende Bodenbearbeitung, Mischkulturen sowie eine natürliche Schädlingsregulation für eine artenreiche Lebensgemeinschaft im Boden.

 „Aufgrund des intensiven Bodenlebens und des Aufbaus von Humus wird Stickstoff im Boden gehalten. Gehen Bodenleben und Humusgehalt zurück, geraten Nährstoffe – vor allem Stickstoff – in das Grundwasser und stehen dann den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung: Im Ökolandbau geschieht das um durchschnittlich 50 Prozent weniger.“

Bodenatlas 2015, S.12

Bodenatlas 2015, S.12

Der Lebensraum Boden ist noch nicht gänzlich erforscht und er birgt noch viele Geheimnisse. Eines ist aber sicher: er ist DIE sprichwörtlich lebenswichtige Grundlage und er benötigt mehrere Generationen zur Regenerierung und zum Aufbau ist er erst einmal zerstört.
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass dem Einhalt geboten wird.

 

Über Birgit Farnleitner
Die Entstehung unserer Lebensmittel hat mich schon als Kind fasziniert. Von der Koch- und Gourmetseite kommend, habe ich mich im Laufe der Jahre immer intensiver in Richtung Nachhaltigkeit, Schutz und Erhalt der Artenvielfalt, des Lebensraums und des Handwerks entwickelt. Nach einer Gastgewerbe und Tourismus-Ausbildung führte mein Weg sehr rasch in die Kommunikation, wo ich mich sofort auf Lebensmittel und Getränke spezialisiert habe. Neben Werbung und PR habe ich außerdem mehr als 10 Jahre nebenberuflich in einem Bio-Weinbau gearbeitet, eine eigene Delikatessen-Linie aufgebaut und als Köchin einen kreativen Delikatessenbuschenschank betrieben. Zwischen 2011 und 2014 konnte ich meine Leidenschaft in Form eines berufsbegleitenden Unilehrgangs wissenschaftlich vertiefen und den Master in Gastrosophy ablegen. Heute bin ich überzeugte Gastrosophin und seit November 2014 bei der Werner Lampert Beratungs GmbH als Marketingleiterin tätig.
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