Würden Sie für einen Fußnagel töten?

Spitzmaulnashorn mit Jungtier auf grüner Fläche

Wie definierte man Aberglauben? Es handelt sich dabei um meist negativ bewertete Glaubensformen und religiöse Praktiken, die nicht der Lehrmeinungen der westlichen Welt entsprechen. In Afrika resultierte dieser innerhalb eines Jahres in 1215 gewilderten Nashörnern. Ihnen werden die Hörner abgeschnitten, die dann meist nach Vietnam verkauft werden, wo sie als Statussymbol oder als dubiose Heilmittel dienen. Dies berichtet der WWF in einer aktuellen Pressemitteilung.

Nashörner sind urzeitlich anmutende Geschöpfe, und tatsächlich erlebten sie ihre Blütezeit vor ungefähr 50 Millionen Jahren, wo mehrere Arten über weite Teile Eurasiens, Afrikas und Nordamerikas verbreitet waren, so auch zum Beispiel das stark behaarte Wollnashorn. Klimatische Veränderungen führten zu einem starken Rückgang vor etwa 5 Millionen Jahren. Heute gibt es nur noch 5 Nashornarten, zwei davon leben im südlichen Afrika, die anderen in Südostasien. Das seltenste ist das Java-Nashorn mit nur noch 40 bis 60 Individuen und das Sumatra-Nashorn mit knapp 200.

Wilderei breitet sich aus

Strikte Schutzmaßnahmen führten zumindest bei den anderen 3 Arten zu einer Zunahme der Individuen, aber Wilderei scheint viele Bemühungen wieder zunichte zu machen. 2014 war leider erneut ein schwarzes Jahr für die afrikanischen Nashörner.
1215 getötete Breit- und Spitzmaulnashörner in der Republik Südafrika, wo 80% der afrikanischen Nashörner vorkommen, sind ein neuer Negativrekord, berichtet der WWF. Das sei ein Anstieg von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem Jahr 2007, in dem nur 13 Tiere gewildert wurden, steigen die Zahlen sprunghaft an, insgesamt ist es ein Anstieg um 7000%. Besonders dramatisch ist die Situation im berühmten Krüger Nationalpark, wo in den vergangenen zwölf Monaten über 827 Tiere getötet wurden. Die IUCN Experten gehen davon aus, dass bei einem weiteren Anstieg, wie er sich bisher abzeichnet, die Todesrate die Geburtenrate in den nächsten 2 Jahren übersteigen könnte. Dies würde bedeuten, dass die Nashornpopulation in Südafrika wieder abnimmt.

Die Wildtier-Mafia gelangt häufig über die offene Grenze aus dem armen Nachbarland Mosambik nach Südafrika. In Mosambik sind die Tiere mittlerweile ausgerottet.
„Die Nashorn-Wilderei breitet sich wie ein Flächenbrand immer weiter im südlichen Afrika aus. Auch bisher sichere Nashornländer wie Namibia sind zunehmend von Wilderei betroffen“, sagt Georg Scattolin, Artenschutz-Experte des WWF Österreich. Neben den erwachsenen Tieren werden Nashornkälber oft indirekte Opfer der Wilderei. Nachdem die Muttertiere wegen ihres Horns getötet wurden, können die Jungtiere alleine meist nicht überleben.

Blick über Krater mit grünen tropischen PflanzenNoch streifen etwa 25.500 Nashörner durch Afrika, am häufigsten das Breitmaulnashorn mit mehr als 20 000 Tieren und das Spitzmaulnashorn mit fast 5000. Ersteres wird von der IUCN als bedroht und letzteres als stark bedroht eingestuft.

Selbes Material wie Fußnagel

Ich selbst hatte vor 2 Wochen die Ehre und Freude Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn zu sehen. Als ich vor 4 Wochen nach Tansania flog, hätte ich nie damit gerechnet, diese seltenen Tiere zu erspähen. Das Bewusstsein, dass diese Lebewesen für ihre Hörner aus purem Aberglauben und Dummheit, getötet werden, machte mich tief betroffen. Als ich aus 300 m Entfernung ein Muttertier mit seinem Kalb beobachten konnte, wie es uns angespannt keine Sekunde aus den Augen ließ, empfand ich tiefe Trauer und Schuldgefühle. Schuldgefühle für den Irrsinn, dass es Individuen meiner Spezies gibt, welche Unmengen an Geld für ein Horn, das aus dem selben Material wie unsere eigenen Fußnägel besteht, bezahlen.

Ich hoffe zutiefst, dass die zahlreichen Schutzbemühungen des WWFs- wie auch die Tatsache, dass ein lebendes Nashorn mittlerweile ökonomisch genauso viel wert ist, wie ein totes- diese Geschöpfe vor der Ausrottung in der Wildnis bewahren werden.

Quellen

http://www.wwf.at/presse

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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