Olympische Spiele Rio 2016-Muss Golf wirklich sein?

Blick über eine große Baustelle inmitten von schönem grünen Land© gettyimages_Buda Mendes

Rio de Janeiro kommt nicht zu Ruhe. 2016, nur zwei Jahr nach dem Finale der Fußball WM im berühmten Maracana Stadion, finden die Olympischen- und Paraolympischen Spiele zum ersten Mal in der Stadt am Zuckerhut und damit auch erstmals auf südamerikanischem Boden statt. Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsskandale und tödliche Unfälle auf Stadionbaustellen waren bereits die Mitauslöser von Protesten bei der WM.

Leidtragende sind insbesondere benachteiligte Bevölkerungsschichten. 250. 000 BrasilianerInnen wurden in den letzten Jahren für den Bau von urbaner- und Sportinfrastruktur zwangsumgesiedelt. Es scheint als hätte die Politik nicht aus ihren Fehlern gelernt. Aktuell wird, ungeachtet aller kritischen Stimmen, in einem Naturschutzgebiet ein neuer Luxus-Golfplatz erbaut. Die negativen ökologischen Auswirkungen des 16 Millionen Euro teuren Projekts zur Austragung des olympischen Golfturniers machen sich bereits bemerkbar.

Gründes tropische Dickicht2009 beschloss das Internationale Olympische Komitee, Golf nach mehr als 100 Jahren erneut als offizielle olympische Disziplin aufzunehmen. Das neue Golfareal wird gebaut, obwohl die Stadt über zwei funktionstüchtige Golfplätze verfügt. Diese entsprechen offiziellen Angaben zufolge nicht den internationalen Standards und erfüllen daher auch nicht die Kriterien Olympischer Sommerspiele. Daher stampft die Stadt Rio momentan das neue Golfareal inmitten eines Naturschutzgebietes aus dem Boden. Viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie der Breitschnauzenkaiman und der Kaninchenkauz, haben bereits ihren Lebensraum verloren. Das sensible Öko-System des Naturschutzgebietes droht zu kippen.

Blick über Rio de JaneiroAufgrund dessen wächst die Empörung der Cariocas, wie die BewohnerInnen Rios genannt werden, an. Der Unmut konkretisiert sich unter anderem in der Herausbildung der neuen Widerstandsbewegung Occupy Golf. Sie machte durch mehrmalige Besetzungen von Teilen des Areals auf sich aufmerksam. Selbst der anfangs so optimistische und vom Projekt überzeugte Bürgermeister Rios, Eduardo Paes, welcher das Bauprojekt an ein privates Unternehmen vergab, scheint seine Meinung zum Golfplatz geändert zu haben. Sprach er zuletzt noch von einem Projekt, welches als soziales Erbe allen BewohnerInnen zugutekommen werde, so „hasst“ er nun eigenen Worten zufolge die Tatsache, dass die Golfinfrastruktur gebaut werde.

Sonnenuntergang am Meer, Menschen im VordergrundIn der größten Tageszeitung Rios Globo fügt er hinzu: „Ich hätte dem Projekt niemals zugestimmt. Niemals.“ Darüber kann Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees nur schmunzeln: „Ich bin ein wenig überrascht, denn er war es der den Bau des Platzes forciert hat.“

In Anbetracht dieser Umstände gelangt die Geduld der BewohnerInnen Rios mit der Politik an eine Grenze. Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadtregierung Bauprojekte ohne partizipative Teilnahme der Bevölkerung plant und die sozialen, ökologischen und monetären Folgen nicht ausreichend berücksichtigt.

„Golf für wen und Golf wofür?“ fragen die Cariocas daher zu recht. Das Argument, der neue Golfplatz könne nach den olympischen Bewerben von allen benützt werden, klingt für viele wie ein schlechter Scherz. Fest steht, das Naturschutzgebiet ist für immer verloren.

 Autor

Freundlich lächelnder blonder junger MannDaniel Kemper studierte Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Als Sohn von Entwicklungshelfern verbrachte er Teile seiner Kindheit in Brasilien. Er schrieb seine Diplomarbeit über urbane Auswirkungen von Großveranstaltungen auf Rio de Janeiro. Im Rahmen dessen verbrachte er vier Monate in der Stadt am Zuckerhut.

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