Upcycling: Müll trifft Design

Lampe aus Elektroschrott© Trashdesign.at

Was früher mit der Patchwork-Decke begann ist nun ein neuer Trend: Upcycling. So heißt das Phänomen, bei dem vermeintlicher Müll zu etwas Neuem gemacht wird. Der Trend ist nicht nur umweltschonend, sondern auch ein Statement gegen die Wegwerf-Gesellschaft. 

Heute sind es Möbelstücke aus alten Euro-Paletten, Lampenschirme aus Einweg-Plastikflaschen oder Hüllen aus alten LKW-Planen oder Zementsäcken, die unsere Wohnung oder uns selbst verschönern.  Bereits früher war das Aufwerten von alten Gegenständen und der Einsatz von Abfallprodukten, Produktionsresten oder gar Sperrmüll gang und gäbe. Dieser Trend, der die letzten Jahre in Vergessenheit geraten schien, erlebt nun einen zweiten Frühling. „Upcycling“, zu Deutsch die Wiederaufbereitung, beschreibt diesen Zeitgeist.

Was ist eigentlich Upcycling?

Ähnlich wie Recycling ist Upcycling eine Art, wie Müll vermieden bzw. reduziert werden kann. Hier wird vermeintlicher Abfall als Material für neue Produkte verwendet und aufgewertet. In Entwicklungsländern ist Upcycling oft notgedrungen Alltag, wenn aus den Resten von Autoreifen Schuhsohlen oder aus Dosen Schalen geflochten werden, weil es an Rohstoffen mangelt.

Das Upcycling auch stylish und modern sein kann, zeigen nicht nur junge österreichische Unternehmen, sondern auch immer mehr Do-it-yourself-Blogger, die mit Anleitungen diesen Trend alltagstauglich machen.  An dieser Stelle werden nun drei österreichische Projekte vorgestellt, die Upcycling mit einem sozialen Gedanken verbinden.

Hütteldorfer Müllverwertung: TrashDesignManufaktur

Jährlich verwertet die TrashDesignManufaktur in Hütteldorf 1200 Tonnen Elektroschrott. Aus den alten Elektro- und Elektronikgeräten entstehen auf diese Art beispielsweise Handtaschen aus Leiterplatten oder Schallplatten-Wanduhren. Gemeinsam mit Menschen, die seit längerer Zeit auf Arbeitssuche sind, werden die Einzelstücke von Hand gefertigt.

Fair Fashion: „Refished“ aus Salzburg

Tasche aus violettem Zementsack

© refished.at

Das Salzburger Fair-Fashion-Label REFISHED fertigt aus alten Zementsäcken oder Fischfuttersäcken Taschen, Geldbörsen oder Handyhüllen. Die Taschen und Accessoires haben ein ganz besonderes Design und werden von NäherInnen in Phnom Penh, Kambodscha unter fairen Bedingungen handgefertigt. Auf jedem REFISHED Label ist nicht nur der Ort und das Material des Produkts ersichtlich, jeder Näher unterschreibt sein gefertigtes Produkt auch mit seinem Namen.

Die Salzburger Gründerin Sissi Vogler möchte mit ihrem Unternehmen einen Teil dazu beitragen, dass sich in Zukunft jeder die Frage stellt, wo ein Produkt herkommt, unter welchen Bedingungen und von wem es hergestellt wurde.

Wiener Design: Gabarage

Bunte Lampen aus alten Rohstoffen

© gabarage.at

Die Wiener Institution „Gabarage“ entwickelt ökologisch nachhaltige Designobjekte aus Abfallprodukten– im Zentrum steht dabei das Upcycling von Restmaterialien. In Zusammenarbeit von DesignerInnen und sozial Benachteiligten entstehen individuelle Produkte, wie beispielsweise Schmuck, Stehtische aus alten Filmdosen bis hin zu Taschen aus  gebrauchten Werbe- und LKW-Planen. Ähnlich wie die TrashDesignManufaktur ermöglicht Gabarage upcycling design Personen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Unternehmen aber auch Blogger sind ein gutes Vorbild, wie ein neues Lebensgefühl verbreitet werden kann.  Gemeinsam können wir das Bewusstsein des typischen Massenkonsumenten verändern und ein Zeichen setzen.  Mit Upcycling sollen sich all jene angesprochen fühlen, die den Konsum- und Wegwerf-Wahnsinn unserer Gesellschaft bremsen wollen und Nachhaltigkeit einen Platz im Leben geben wollen.

Weiterführende Links

refished

gabarage

trashdesign

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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