Regional ist 3. Wahl

Schild in Verkaufsregal mit "Regional ist 1. Wahl"

Alles, was „regional“ erzeugt wurde, verkauft sich besser. Der Trend zu Produkten „aus der Heimat“ wird immer stärker. Die Österreicher schauen besonders genau auf die Herkunft. Das ist gut für unsere Wirtschaft, aber ist es auch gut für die Umwelt?

Tiere brauchen ein Vielfaches ihres Gewichts an Futter. Wenn dieses Futter von weit her importiert wird – Österreich kauft z. B. jährlich 650 000 Tonnen Soja aus dem Ausland –, dann wäre es hinsichtlich Transportaufwand besser, stattdessen die Tierprodukte zu importieren. Wenn Tiere, die mit Kraftfutter aus Übersee gemästet wurden, als „Regionalprodukte“ bezeichnet werden, dann handelt es sich eigentlich um Etikettenschwindel.

Was bei der Begeisterung für regionale Produkte oft übersehen wird: Der Transportaufwand macht in der Ökobilanz im Allgemeinen nicht so viel aus. Den gewaltigen Energieaufwand zur Herstellung von Kunstdünger, wie er in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird, sieht man nicht. Deswegen ist Bio-Knoblauch aus China für die Umwelt trotz des weiten Transports immer noch besser als konventioneller Knoblauch von einem heimischen Feld.

Gemüse bei denns mit der Bezeichnung "hier aus der Region"Noch drastischer schaut es aus, wenn die regionale Ware aus beheizten Glashäusern kommt. Beim leichten Schnittlauch braucht sogar der Transport mit dem Flugzeug aus Israel weniger Energie als der regionale Anbau mit Hilfe einer Heizung.

„Regional“ ist für den umweltbewussten Konsumenten also nicht erste Wahl sondern kommt erst an dritter Stelle nach bio und saisonal.

Nicht zu vernachlässigen ist außerdem der Weg des Kunden. Ein Kilometer Autofahren kann sich in der Ökobilanz so wie hunderte Kilometer Lkw-Transport auswirken. Wer mit dem Auto zum Hofladen fährt, um einen Liter Milch zu kaufen, der macht die gute Bilanz der regionalen Produktion zunichte.

Wenig Regionalität bei verarbeiteten Produkten

Nicht nur Ökobilanzen liefern überraschende Ergebnisse sondern auch Nachforschungen zur Herkunft von Lebensmittelzutaten. Wer hätte gedacht, dass tiefgekühlter Brokkoli, Karfiol und Romanesco (grüner Karfiol) aus Ecuador stammt? In dem Fall war der Ursprung auf der Packung angegeben, aber in vielen Fällen hüllen sich die Hersteller in Schweigen – denn die sensiblen Kunden wären entsetzt, wenn sie erführen, wie viele Zutaten, die eigentlich bei uns heimisch sind, aus fernen Ländern kommen.

Verkaufsstand mit landwirtschaftlichen Produkten wie KäseDer Preis ist ein Indiz. Mich machte stutzig, dass frische Bio-Himbeeren sogar zur Hauptsaison teurer als tiefgekühlte sind. Nur am größeren Verderb kann es nicht liegen, denn das Tiefkühlen kostet auch Geld. Ein Bericht der Zeitschrift News (Ausgabe vom 13.12.2012) bestätigte meinen Verdacht: Obst- und Gemüsesäfte und -konserven sind deswegen so billig, weil sie aus Billiglohnländern stammen, allen voran China (nachzulesen auch hier): Apfelsaft, Ketchup, Fischfilets, Fertigsemmeln zum Aufbacken, getrocknetes Gemüse in Fertigsuppen, Erdbeeren in Joghurt und Marmelade, … – wer hätte erwartet, dass das alles aus dem fernen Ausland kommt? Wo keine Herkunft deklariert ist, muss man das Schlimmste annehmen.

Der Grund für die Importschwemme ist tatsächlich der Preis: Bio-Erdbeermarmelade aus Österreich kostet doppelt so viel wie dasselbe Produkt mit den billigsten Bio-Erdbeeren, die am Weltmarkt verfügbar sind. Da mir die Umwelt wichtig ist, zahle ich jedoch den Aufpreis für die heimische Ware. Ich würde sonst meinen Profit auf Kosten der Nachhaltigkeit maximieren.

Über Mario Sedlak
1975 in Wien geboren, 2000 Abschluss des Studiums der Technischen Mathematik an der TU Wien, seit 2008 Fachexperte in der Stromwirtschaft
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