Bauernmarkt ist super, Supermarkt auch?

Kollage aus Fotos mit verschiedenen Lebensmitteln

Hallo, mein Name ist Regina. Ich lebe in Wien, bin Moderatorin und Mama. Mein größtes Anliegen ist es mir und anderen Interessierten auf meinem Blog zu beweisen, dass Nachhaltigkeit lebbar ist und Freude macht. Genau zu diesem Thema blogge ich Querbeet seit fünf Jahren auf detoxingmylife. Und da ich hier das erste Mal schreiben darf und gelesen habe, wie engagiert die Betreiber, Autoren und Poster auf dieser Plattform sind, möchte ich Euch erzählen, warum ich gestern das erste Mal seit zwei Jahren wieder in einem Supermarkt war.

Durch einen gerade absolvierten Bio-Ernährungs-Lehrgang fühle ich mich bestärkt allen, die noch immer sagen: „Bio ist ein Schmäh“, „Bio ist nur für Leute mit Geld und Zeit“, „mit Bio kannst Du nicht die Welt retten“, usw. diese Geschichte zu erzählen.

Auf meiner nun fünfjährigen Reise durch den (oft) Nachhaltigkeits-Dschungel, wurde mein Wunsch nach einer bewussteren Ernährung immer präsenter – ich bin für das Unterstützen regionaler (Bio)-Bauern, bin für artgerechte Tierhaltung, ich habe so viel über die Vorteile saisonaler, regionaler Ernährung gelesen und gelernt – so kam es, dass ich vor eben fast genau zwei Jahren beschlossen habe, keine Ernährungsratgeber mehr zu lesen, keine Bio-Magazine zu durchstöbern, keine Dokus über Tierleid und Umweltverschmutzung mehr anzusehen – sondern einfach zu handeln. Die simpelste Möglichkeit mich biologisch, regional und saisonal zu ernähren, schien mir einfach einmal in der Woche auf unserem Bio-Bauernmarkt den gesamten (!) Einkauf zu besorgen.

Ab Sommer 2013 bin ich also jeden Samstagvormittag bei brütender Hitze, bei Wind und Wetter, in entspannten und in gehetzten Zeiten zum Bauernmarkt geradelt, gegangen und ja, auch mit dem Auto gefahren… Nicht ganz o.k., aber Ausnahmen, das hat sich im Laufe der Nachhaltigkeits-Reise gezeigt, müssen drinnen sein, sonst wird das Ganze zu einem Stress. Und das ist es ja genau, was ich nicht mehr wollte. Stress und Druck und ein schlechtes Gewissen beim Essens-Einkauf. Genauso wenig wollte ich eingeschweißte Gurken (wer braucht das?), Stachelbeeren aus Übersee das ganze Jahr lang und vierzig verschiedene Fruchtjoghurtsorten. Klar, ich habe das ohnehin nicht gekauft, aber – ich hoffe, ihr versteht mich richtig – ich wollte es auch nicht mehr sehen. Außerdem wollte ich keine Zeit mehr damit verbringen vor einem Kühl- oder Obstregal minutenlang herumzustehen und die Herkunftsangaben, Inhaltsstoffe, etc. anzusehen, oder den versteckten Zucker zu suchen, um mich dann doch im Zweifelsfall gegen das eine oder andere Produkt zu entscheiden. Der Einkaufswagen war dann letztendlich doch voll – das Gefühl der Leere blieb.

Am Bio-Bauernmarkt in meinem Bezirk – jeden Samstagvormittag – war das dann anders.

Es gibt nur das, was eben gerade auf den Feldern im Umland wächst und geerntet wurde. Es ist wenig bis nichts beschriftet, das direkte Nachfragen ist erlaubt und erwünscht. Das hat sich bald herausgestellt. Obwohl ich mir das Nachfragen manchmal zu Beginn des Projekts verkniffen habe, denn ich bin einfach drauf gekommen, wie wenig ich weiß, ich wollte mich nicht bei Bauern-Profis blamieren. Ich erinnere mich im zweiten Jahr daran, dass neben mir ein Mann stand und beim Anblick von herrlichen Quitten gesagt hat: „Joi, wo kommen denn diese Zitronen her, die sind aber groß….?!“. Ich gestehe, der Sager hätte eventuell ein Jahr zuvor auch von mir sein können. Inzwischen ist viel Zeit vergangen, ich weiß, dass Purple-Haze-Karotten nicht faule, ehemals orange Karotten sind, sondern speziell und einfach wunderschön dunkelviolett. Ich habe weiße und rosarot-marmorierte Rüben gesehen, gekauft und gekocht. Ich habe viele der Bauern besser kennengelernt und einige persönlich auf ihrem Hof besucht und mit ihnen lange geplaudert, sie interviewt und versucht gut zuzuhören. Und eines ist immer und immer wieder aufgetaucht – das Gefühl, mit diesem gravierenden Einschnitt in mein Kaufverhalten tue ich mir, den Bauern und der Umwelt etwas Gutes. Das fühlt/e sich echt an. Und genau das ist es, was ich von der Ernährung für meine (mittlerweile) Familie und mich will. Ehrliche Produkte, klare Ansagen und eine biologische Vielfalt, die Freude machen. Das alles hat mich auf eine wundersame Reise bis hierher gebracht. Außerdem hätte ich niemals begonnen Ketchup, Nussmilch oder Sauerkraut einfach mal so zum Spaß aus regionalen Bio-Produkten zu Hause herzustellen. Der Mehrwert ist überraschend.

Es hat auch sehr viel Freude und Mut gemacht, da ich auf diesem Weg viele andere Menschen kennengelernt habe, die ihren Einkauf so schon wesentlich länger und strukturierter planen und sich in ganz anderen Bereichen der Nachhaltigkeit engagieren – darunter sind u.a. internationale Wissenschaftler, heimische Bauern, große Unternehmen, ganzheitlich denkende Mütter, dynamische Studenten und Party- und Arbeitsbekanntschaften von einst, die jetzt langsam umdenken und umkehren. Sie alle geben dem oft leeren Wort Nachhaltigkeit ein schönes Gesicht.

Ja, und dann gibt es ja noch viele andere Menschen, die einem folgendes an den Kopf werfen: “Bio ist ein Schmäh“, „glaubst Du, Du kannst damit die Welt retten“, „ich habe nicht so viel Zeit und Geld dauernd Bio einzukaufen“, „bei uns gibt es keinen Bauernmarkt in der Nähe“.

Und genau für diese Menschen habe ich mein Bauern-Markt-Projekt letzten Samstag unterbrochen.

Ich versuche mich immer wieder zu fragen – werde ich eine Öko-Tante, werde ich weltfremd, kann Bio die Welt ernähren, lebe ich ressourcenschonend genug? Da tut es mehr als gut, wenn ich von starken, ausdauernden, engagierten Menschen im Nachhaltigkeitsbereich lese. Neulich kam mir wieder ein Interview von Werner Lampert unter – er habe noch nie ein Hendl gegessen und es gehe ihm auch nicht ab. Das kann ich nicht unterschreiben, aber alles was der Mann sonst über Landwirtschaft und unsere Verantwortung von sich gibt.

Also habe ich mir gedacht – da gehst Du mal hin zum Hofer und schaust Dir die Supermarkt-Linie Zurück zum Ursprung (ZzU) von ihm an. Zuerst habe ich natürlich alles auf der Homepage ausführlich studiert. Das kommt ehrlich, direkt und glaubwürdig rüber. Alle Richtlinien für die ZzU-Milchbauern, die Idee von der Regionalität, die bodenständige Werbelinie, der Fokus auf Schonung unserer Ressourcen. Das hat den ersten Schritt in den Supermarkt erleichtert.

Der zweite Schritt in den Supermarkt war auch o.k. – die Tür ging auf und was lacht mir entgegen – eine Gut Aiderbichl-Fotowand – es hätte schlimmer kommen können. Das muss man dem Hofer lassen – ein Engagement in die richtige Richtung möchte ich hier nicht ungelobt lassen. Gleich nach dem Eingang links, das erste ZzU-Produkt: Schoko-Sojadrink aus dem nördlichen Burgenland, ein paar Schritte weiter rechts dann Schoko-Soja-Nips mit Fair-Trade-Schokolade überzogen, das Soja aus der Region Carnuntum. Das fand ich schon mal alles gut.

Bei Grundnahrungsmitteln wie beim Käse, Milch, Butter, Gemüse – auch ganz klare Ansagen – aus dem Waldviertel, aus dem Weinviertel, Steirischem Bergland, oder aus der Region Kaiserwinkel stand da ganz prominent, eindeutig nachvollziehbar und stolz zu lesen. Und anstatt nur mal zu schauen, habe ich dann eingekauft: Feldgurken, Tomatenraritäten, Bergkäse, Frischkäse, Weidemilch und die Soja-Schoko-Nips… Das Preis-Leistungs-Verhältnis, ja ich schaue bei Bio auf den Preis – passt. Bio-Hüttenkäse 200 g kommen auf 1,25 €, Bio-Feldgurke 0,79 €, der Soja-Mix 2,79 € – auch das geht durch bei mir, denn österreichischer Soja mit Fair-Trade-Schokolade überzogen, das ist mir knappe 3 € wert und sie haben auch so, wie alles andere herrlich geschmeckt.

Ich habe endlich Argumente in der Einkaufstasche, die ich Bio-Kritikern und „Ich–habe-keinen-Bauernmarkt-ums-Eck-Sagern“ entgegnen kann. Dann geh‘ halt zum Hofer – zurück zum Ursprung. Werde ich mit nachhaltigem Gewissen empfehlen. Meine Einkäufe am Samstag am Bauernmarkt bleiben, aber erweitern? Das könnte schon passieren.

Wenn ihr Lust habt, meine Nachhaltigkeits-Reise zu begleiten oder mir Eure Gedanken weiterleiten möchtet, dann schaut mal vorbei:http://www.detoxingmylife.com/

Glg Eure Regina

Über die Autorin Regina Kail-Urban

Hallo, mein Name ist Regina. Ich war Moderatorin und Model. Und bin jetzt Trainerin in der Erwachsenenbildung, Bloggerin und Meditationslehrerin… Als ich meinen fixen TV-Job gekündigt habe, um mich viel intensiver dem Thema Nachhaltigkeit zu widmen, wusste ich noch nicht, was für großartige Menschen, Ideen und Möglichkeiten, (berufliche) Entwicklungen dieser Schritt mit sich bringen würde. Es sind oft kleine Schritte – dann gibt es wieder Rückschritte, Zwischenschritte, Einsichten und viele Aussichten. Was ich auf meiner weglassen-und-zulassen-Reise seit sechs Jahren erlebe, schreibe ich Querbeet auf detoxingmylife.com und jetzt hier, das freut mich sehr und ist ein nächster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit in meinem Leben.

0 Antworten

Ihr Kommentar

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.