Gibt es noch Vielfalt auf den Wiesen der Partner-Heumilchbetriebe?

Bunte Blumen auf Wiese

Bunte Blumenwiesen, Kühe mit Hörnern, ein Bauer der seine Kuh noch mit der Hand melkt, suggerieren in diversen Werbungen eine Landwirtschaft, in der die Welt noch in Ordnung ist.

Demgegenüber schlagen diverse Institutionen Alarm. Der beinahe schon inflationär benutzte Begriff der „Biodiversität“ (= Vielfalt des Lebens) rückt vor allem im Zusammenhang mit einem zunehmenden Artensterben in unser Bewusstsein. Ein Zustand der in vielen von uns Betroffenheit auslöst und ein Gefühl der Ohnmacht erzeugt. So scheint es nicht in unserer Hand zu liegen etwas dagegen zu unternehmen. Aber ist das wirklich so?

Monitoring der Prüf Nach! Betriebe

Blumenwiese wird gemähtIm Sommer 2015 geht Werner Lampert gemeinsam mit dem Umweltbüro (eb&p Umweltbüro GmbH) der Frage nach, wie viel Biodiversität auf seinen Partner-Heumilchbetrieben, die nach den Prüf Nach!-Richtlinien wirtschaften, zu finden ist.

Ziel der Betriebsbesuche in Tirol, dem Mühlviertel und der Steiermark ist es, gemeinsam mit den Bewirtschafterinnen und Bewirtschaftern über den Erhalt und die Förderung von Biodiversität auf ihren Wiesen und Weiden zu diskutieren.

Für eine hohe Biodiversität im Grünland sind der Standort (Boden, Klima, Wetter) und vor allem die Form der Bewirtschaftung entscheidend. Die Häufigkeit der Schnitte und die Düngung bestimmen die sich einstellende Vielfalt. Auf typischen österreichischen Dauergrünlandwiesen kommen etwa 40 bis 70 Blütenpflanzen vor, auf extensiven Wiesen mehr als 100!

Blick über bunte BlumenwieseAuf den Höfen zeigt sich, dass die Bäuerinnen und Bauern sehr bemüht sind, ihre Wiesen und Weiden angepasst an die herrschenden Bedingungen effizient zu nutzen, um eine hohe Milchqualität in ausreichender Menge zu produzieren. Zusätzliches Futter wie Getreideprodukte werden so gering wie möglich eingesetzt. Stolz und gerne präsentieren sie vor allem die Wiesen die bunt und artenreich sind, deren Futter sie in der Milchviehration als „Medizinalfutter “ (Heu von kräuterreichen Wiesen, das wichtig für die Gesundheit der Tiere ist -> präventive Gesundheitsvorsorge für das Tier) oder als Hauptbestandteil einsetzen.

Futter für Milchqualität ausschlaggebend

2 gefleckte braune Kühe auf der WeideWissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass neben dem sommerlichen Weidefutter vor allem auch ein erhöhter Anteil an Kräutern und Leguminosen die Milchqualität vor allem hinsichtlich des Fettsäuremusters positiv beeinflusst. Darüber hinaus erhält Milch aus einer biodiversen Landwirtschaft die essentielle Grundlage des Lebens, nämlich Vielfalt.

Frau mäht Wiese mit SenseEine nicht geringe Zahl an Flächen wird auf den besuchten Betrieben noch mit Hand gemäht. Aufgrund des angepassten Schnittzeitpunktes bringen diese Flächen noch besonders artenreiche Bestände hervor. Nichtsdestotrotz ist der Druck auf die Wiesen immer größer, wodurch die Nutzung intensiver wird. Grund dafür ist der Bedarf an einem hochwertigen Grundfutter, wodurch zusätzliches Kraftfutter reduziert werden kann. Ein Aspekt, um die wirtschaftliche Existenz der Betriebe zu sichern.

Es zeigt sich also, dass die Entscheidung vom Konsument beim Kauf von Milch- und Milchprodukten, vor allem auch die ausdrückliche Nachfrage nach Produkten, die eine Vielfalt an Arten und Lebensräumen bewusst erhalten und fördern, maßgeblich zur Sicherung unserer Zukunft beiträgt.

Ein Vorhaben für die nächsten Jahre ist es, ein Biodiversitätsprogramm für Prüf Nach!-Betriebe zu etablieren und damit Betriebe beim Erhalt der Vielfalt zu unterstützen.

Autor

http://www.umweltbuero-klagenfurt.at/pics/UmweltbueroLogo.gifeb&p Umweltbüro GmbH: Das Büro beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Artenvielfalt in der Landwirtschaft und betreibt das Projekt Biodiversitätsmonitoring „Wir schaun drauf“ 

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