Gutes Essen ist das neue Clubbing

Fotocollage aus tollen Speisen

Essen wird zunehmend zum Identifikationsmerkmal von jungen Trendsettern. Essen ist Nahrung, aber auch Genuss, Gesundheitsbeitrag, Wohlbefinden. Doch seit geraumer Zeit scheint es, als ob Essen für einen immer größer werdenden Teil der Bevölkerung auch ein Ausdrucksmittel ist, um sich gegenüber Nicht-Wissern abzugrenzen und Zeitgeist zu demonstrieren.

„Seit wann muss Essen hip sein?“ fragte daher der Standard in seinem Wochenend-Magazin Rondo. Woher kommt es, dass in Wien Kaffeebars aufmachen, die wieder der Eleganz des Filterkaffees huldigen, einer längst von der Espressomaschine verdrängten Reminiszenz an alte Zeiten? Und woher kommt es, dass tausende junge Menschen Anfang Oktober in die Wiener Marx-Halle pilgerten, nicht, um einen bekannten Popstar zu sehen, sondern beim Vienna Food Festival 30 Minuten Schlange zu stehen, um einen Surf&Turf-Burger zu ergattern?

Gutes Essen und Trinken ist bei der Jugend „angesagt“ wie nie, Adressen von neuen Foodtrucks werden ausgetauscht wie einst Orte geheimer Clubbings oder neue Bands. Und es ist eine neue Szene entstanden, die wie alle Jugendbewegungen um Abgrenzung bemüht ist.

„Essen ist ein Ausdrucksmittel“, konstatiert Food-Trend-Forscherin Hanni Rützler im Rondo-Interview. „Essen ist auf jeden Fall ein urbanes Lifestyle-Thema geworden. Wenn man sich die Szene anschaut, hat man das Gefühl, das sind jene Menschen, die noch vor zehn Jahren bei Ausstellungen und Theaterabenden waren und sich jetzt über Essen unterhalten.“

Wie lang der Trend anhält, lässt sich noch nicht abschätzen. Doch auch wenn einige Übertreibung im Spiel ist, so birgt der Trend auch eine neue Chance: Die Produktionsbedingungen unserer Nahrungsmittel werden von den „Foodies“, wie sich die Szene nennt, wieder in den Vordergrund gerückt. Nur wer bio, nachhaltig und fair produziert, hat eine Chance, ein Produkt der Stunde zu werden.

Für die Produzenten macht der Trend die Kommunikation noch wichtiger als bisher: Nur wer ordentlich produziert und dies seinen Kunden auch vermitteln kann, wird in dieser Szene akzeptiert. Das bringt neue Chancen. Und fest steht, selbst wenn der Trend abkühlt und sich die jungen Trendsetter neuen Spielwiesen zuwenden: Die Begeisterung für gutes Essen hält ein Leben lang.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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