Zum Internationalen Tag des Kaffees: Warum es den Fairen Handel geben muss…

© MH Netherlands Roger van Zaal

Kaffee – beliebter Muntermacher, Genussmittel, wichtiges Agrargut im globalen Nord/Süd-Handel und nach Erdöl weltweit der zweitwichtigste Exportrohstoff. Während im Norden die Nachfrage nach Kaffee immer weiter steigt, kämpfen Kaffeebauernfamilien im Süden mit enormen Herausforderungen.

80% des Kaffees wird von 25 Millionen Kleinbauernfamilien produziert, die weniger als 10 Hektar Land besitzen. Viele leben von weniger als 2 Dollar/Tag, oft in abgelegenen Gegenden. Sie leben am Existenzminimum und sind mit vielfältigen Problemen konfrontiert:

Steigende Landwirtschafts- und Haushaltskosten

Die prekäre Lage der kleinbäuerlichen Kaffeebetriebe verschlechtert sich aufgrund von steigenden Lebensmittel-, Treibstoff- und Transportkosten, hoher Schulgebühren und Arztrechnungen. Die in Folge der Finanzkrise herrschenden Rekordpreise für Weizen, Mais, Reis und andere Grundnahrungsmittel sind vor allem für Kleinbauernfamilien eine Last, welche 60 – 80% ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen.  Auch die Kosten für die wichtigsten Einsatzfaktoren wie Arbeit, Kunstdünger und Pestizide steigen. Den Bäuerinnen und Bauern fehlen außerdem die Eigenmittel bzw. der Zugang zu erschwinglichen Krediten.

Fehlende technische Unterstützung

© MH Netherlands_Roger van Zaal

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Kaffeebäuerinnen und -bauern sind aufgrund kleiner Anbauflächen und niedriger Ernteerträge in einer Armutsfalle gefangen. Ohne Zugang zu technischen Supportleistungen ist es ihnen nicht möglich, ihre Einkommenssituation – etwa durch das Ersetzen alter Kaffeesträucher oder den Anbau von klimaresistenten Hybridsorten – zu verbessern. Die notwendige Steigerung von Produktivität und Qualität bleibt außer Reichweite.

Schwache Verhandlungsposition

Da die Kleinbauernfamilien meist über keine Lagereinrichtungen verfügen, müssen sie ihre Ernte sofort weiterverkaufen. Sie sind den lokalen Händlern schutzlos ausgeliefert und verfügen über keinen Zugang zu Markt- und Preisinformation.

Klimawandel, Anpassungsstrategien und Diversifizierung

© Fairtrade Oesterreich_Wasserbauer

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Obwohl die endgültigen Auswirkungen der globalen Erderwärmung auf die zukünftige Kaffeeproduktion noch nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden können, deuten alle bisherigen Anzeichen auf schwerwiegende Veränderungen hin: Mit steigenden Temperaturen reift der Kaffee schneller, was zu einem Abfall in der Qualität führt. Das bedeutet, dass die untere Grenze der Höhenlagen, in denen hochwertiger Arabica angebaut werden kann, steigt. Die Böden leiden unter vermehrter Erosion aufgrund von häufigeren Starkregenfällen, während sie gleichzeitig wegen der höheren Temperaturen schneller austrocknen. Der Temperaturanstieg begünstigt außerdem das Auftreten bestimmter Schädlinge und Krankheiten.

Kaffee im Fairtrade-System

© MH Netherlands_Roger van Zaal

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Fairtrade ist ein alternativer Ansatz zum konventionellen Handel. Im Mittelpunkt stehen die Menschen im globalen Süden. Es werden gezielt Kleinbauernfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika gefördert und ihre Position auf dem Weltmarkt verbessert. Als ganzheitliches Konzept setzt Fairtrade auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette an, d.h. es gibt Standards für alle Akteure der Wertschöpfungskette. Für Kaffeekooperativen gelten die Standards der Kleinbauernkooperativen, Einkäufer müssen sich an die Handelsstandards halten und für alle gilt der Produktionsstandard, in dem ua. Mindestpreis und Prämie festgelegt sind.

In 30 Ländern wird mittlerweile von 730.000 Kleinbäuerinnen und –bauern, welche in 439 Produzentenorganisationen organisiert sind, Fairtrade-Kaffee produziert. 1.012.300 Hektar Land dient weltweit dem Anbau von Fairtrade-Kaffee. Durchschnittlich bestellen Fairtrade-Kleinbäuerinnen und -bauern jeweils 1,4 Hektar Land. 2012-13 haben die Kaffeekleinbauernfamilien insgesamt 44 Millionen € an Fairtrade-Prämie erhalten. Damit ist gewährleistet, das Fairtrade keine Almose ist, sondern ein System, um faire Bezahlung für die Herstellung der Rohstoffe zu fördern.

Warum Fairtrade den Unterschied macht – 5 Gründe für den Fairen Handel im Kaffeeanbau

  1. Zusammenschluss in Kooperativen: Fairtrade-Kaffeeproduzentengruppen sind Kleinbauern, die in demokratisch organisierten Kooperativen zusammengeschlossen sind. Dies bringt viele Vorteile: eine höhere Verhandlungsmacht, die Möglichkeit, Anschaffungen gemeinschaftlich zu tätigen, ein vereinfachter Zugang zu Finanzierung und gegenseitiges Lernen und Austausch.
  2. Stabile Einkommen bedeuten Sicherheit: Der Fairtrade-Mindestpreis stellt bei volatilen Weltmarktpreisen ein Sicherheitsnetz dar.
  3. Mitsprache: Vom passiven Empfänger zum aktiven Gestalter: Die Produzentengruppen haben ein 50%iges Mitspracherecht bei allen Entscheidungen. Vom globalen Netzwerken und Lernen profitieren alle Beteiligten, denn Nord-Süd Austausch und regionale Zusammenarbeit bereichert!
  4. Zugang zu Beratung durch Liason Officers und Entwicklungsberater: In über 60 Ländern bieten über 50 Liaison Officers Beratungen, Trainings und Information an. Diese Leistungen zielen darauf ab, neue Produzentinnen und Produzenten über FAIRTRADE zu informieren und bestehende Produzentengruppen bei der Einhaltung der Standards und beim Aufbau von Managementkapazitäten zu unterstützen. Auch Kontakte zu lokalen NGOs werden aufgebaut.
  5. Partner in Notsituationen: Das globale Netzwerk ist als Partner in Notsituationen zu verstehen: aktuell werden Überlegungen angestellt, wie genau die Bauernfamilien, die ihre Ernte an den Kaffeerost verloren haben, unterstützt werden können. Grundsätzlich sind sie durch höhere Einkommen besser darauf vorbereitet mit externen Schocks umzugehen.

Autor: FAIRTRADE Österreich

transfair_logoFAIRTRADE ist wirkungsvolle Armutsbekämpfung durch Fairen Handel, mit dem Ziel, eine Welt zu schaffen, in der alle Kleinbauernfamilien und ArbeitnehmerInnen auf Plantagen im globalen Süden nachhaltig ein sicheres und menschenwürdiges Leben führen und ihre Zukunft selbst gestalten können. Der Faire Handel verbindet KonsumentInnen mit Kleinbauernfamilien und ArbeitnehmerInnen auf Plantagen im globalen Süden. FAIRTRADE – Großes Tun mit einem kleinen Zeichen!

Weitere Infos zu Fairtrade unter www.fairtrade.at

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