Gemeinsam Finanzieren! Die Gemeinwohl-Bank

Gestikulierender rothaariger Mann

Heini Staudinger und Christian Felber machen es vor: Die erste Gemeinwohl-Bank Österreichs, die gesellschaftliche Verantwortung in den Fokus ihres Handelns setzt, steht in den Startlöchern, um ihre Pforten zu öffnen. Damit zeigen Staudinger, Felber und Co., dass auch in Sachen Finanzierung solidarisch und nachhaltig gewirtschaftet werden kann.
Kann eine Bank ohne Financiers bestehen? Eine Bank, bei der jeder Bürger, jede Bürgerin in Österreich mitgründen kann? Die die Kreditzinsen an die nachhaltige und ethische Ausrichtung eines Unternehmens anpasst? Eine Bank, die nicht gewinnorientiert ausgerichtet ist?

Damit das der Fall ist, wird in wenigen Wochen dazu ein wichtiger Meilenstein gesetzt: Ende 2015 wird die erste „Bank für Gemeinwohl“ in Österreich, den Banklizensierungsprozess bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) starten. Das ist die Basis dafür bis Ende 2016 die erste Filiale zu öffnen.

Der Grundstein wurde bereits 2014 mit der Gründung einer freien Genossenschaft, in deren Besitz die zukünftige Bank stehen wird, gelegt. Mitglied der freien Genossenschaft kann wiederum jeder Österreicher werden – einzige Bedingung: Kein Gesellschafter darf sich mit mehr als 100.000 Euro beteiligen, um den Einflussbereich eines Einzelnen nicht zu groß werden zu lassen.

Im Vordergrund stehen Transparenz und Partizipation

Das Besondere ist, dass Mitglieder aktiv über die Entwicklung der Bank mitbestimmen und partizipieren können. Die Bank für Gemeinwohl legt zum einen offen, was mit dem Geld der Kunden, primär die Förderung von gemeinwohlorientierten Projekten, geschieht. Zum anderen gibt es für die Mitglieder die Möglichkeit der Mitentscheidung über die Verwendung der Einlagen.

Anders als rein gewinnorientierte Banken, zielt die ethische Gemeinwohl-Bank darauf ab, das Gemeinwohl zu maximieren. Die Ausschüttung von Finanzgewinnen an ihre Mitglieder oder von hohen Zinsen an die Sparer ist nicht die oberste Priorität der Bank. Ebenso werden grundsätzlich keine Dividenden ausgezahlt. Vielmehr geht es darum sozial nützlichen Projekten zur Realisation zu verhelfen.

Unterschied liegt im Detail

Unternehmen und Projekte, an die die Bank für Gemeinwohl Kredite vergibt, werden hinsichtlich ihrer Gemeinwohlorientierung überprüft. Damit ist die Kreditvergabe mit Kriterien wie Ökologie oder Nachhaltigkeit eng verbunden. Unternehmen werden zudem für ihr soziales Engagement belohnt: je gemeinwohl-orientierter ein Projekt ist, desto günstiger sind die Kreditkonditionen.
Zusätzlich ist geplant, eine sogenannte Social Bank zu errichten. Ein Kontingent von Gratiskonten soll an sozial benachteiligte Haushalte vergeben werden.

Unternehmer wie Toni Innauer, Chocolatier Josef Zotter, Gemeinwohl-Ökonom Christian Felber und Schuhrebell Heini Staudinger sind bereits namhafte Unterstützer der Gemeinwohl-Bank. Auch wenn viele Banken bereits vermehrt bei der Veranlagung der Gelder auf Ethik und Nachhaltigkeit achten, so ist die Gemeinwohl-Bank nichtsdestotrotz ein Vorreiter. Sie ist die erste Bank in Österreich, die eine Gemeinwohlbilanz veröffentlichen wird und setzt damit, gerade in Tagen wie diesen, ein positives Zeichen im Bankensektor.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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