Fleischatlas 2016: verheerendes Zeugnis für Tierhaltung

Viele rohe Hühnerkeulen in einer Kiste

Immer weniger Biodiversität, hohe Konzentration von Großställen und zunehmende Massentierhaltung: so lautet das verheerende Resümee des aktuellen Fleischatlas in Deutschland.

Der neu erschienene Fleischatlas, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Berlin, fördert beklemmende Fakten zu Tage: Zwar stagniert der Fleischkonsum in Deutschland – wenn auch auf einem hohen Niveau. Entgegen diesem Trend reißen dennoch die Produktion und vor allem der Export von Fleisch nicht ab. Den neuesten Erkenntnissen des Fleischatlas zufolge, werden für die Produktion immer mehr Tiere in größere Ställe untergebracht. Vor allem bei der Erzeugung von Geflügel- und Schweinefleisch zeichnet sich ein gemeinsames Bild ab: Während in Deutschland in den letzten 20 Jahren die Erzeugung von Fleisch bei Geflügel um mehr als drei Viertel und bei Schwein um fast die Hälfte gestiegen ist, ging nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Betriebe, die Tiere halten, um jeweils rund 90 Prozent zurück.

Der Ausbau der Massentierhaltung und der Rückgang kleinbäuerlicher Strukturen sind somit unausweichlich. Jahr für Jahr sinkt die Zahl der Tierhaltung in bäuerlichen Betrieben, zeitgleich steigt die Anzahl der sogenannten „Megaställe“ und damit nehmen auch die negativen Folgen der Intensivtierhaltung zu. Denn dass der exzessive Fleischkonsum gravierende Folgen für Umwelt, Klima, Tiere und auch für die Bevölkerung hat, vergessen viele, wenn sie ihre tägliche Ration an Wurst und Fleisch essen.

Anders als bei der kleinbäuerlichen Landwirtschaft werden bei der Intensivtier- bzw. Massentierhaltung der Gülle- und der Ammoniakausstoß der Anlagen nicht auf viele verschiedene kleinere Flächen aufgeteilt, sondern konzentriert sich auf ein verhältnismäßig sehr kleines Areal. Der erhöhte Ausstoß trägt lt. der Studie dazu bei, dass sowohl Böden als auch das Grundwasser mit Nitrat überdüngt und damit in dieser Region stark verseucht werden.

Hinzu kommt der Einsatz von Umwelt- und Schädlingsbekämpfungsmitteln – weltweit werden mehr und mehr Herbizide und Pestizide für die Landwirtschaft eingesetzt. Speziell in Deutschland wird beispielsweise das Breitbandherbizid „Glyphosat“ vermehrt eingesetzt. Dieses Herbizid steht in Verdacht Hautausschläge, Atemwegserkrankungen aber auch Krebs zu verursachen.

Gentechnisch veränderte Sojapflanzen, die wiederum als Futtermittel in der Fleischproduktion verwendet werden, sind resistent gegen Glyphosat. Für den Sojabohnenanbau werden Waldgebiete und Savannen, die elementar sind, um die Auswirkungen des Klimawandels in einem erträglichen Rahmen zu halten, gerodet. Ein gefährlicher Negativ-Kreislauf entsteht.

Aber: Immer mehr Menschen legen großen Wert darauf, zu wissen, woher das Stück Fleisch auf ihrem Teller kommt und wie es hergestellt wurde. Mehr und mehr Konsumenten wollen einen Einblick darüber erhalten, wie die Tiere gehalten und aufgezogen wurden. Zudem reduzieren in Deutschland immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum. Gemäß der rezenten Umfrageergebnisse sind 80 Prozent der Befragten auch dazu bereit, höhere Preise zu zahlen – wenn sie sichergehen könnten, dass die Haltungsbedingungen der Tiere dadurch verbessert werden.

fröhliche KuhAuf diese Entwicklung müssen wir nun aufbauen. Es ist längst an der Zeit die regionale, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu unterstützen. Weg vom Billigstbieter hin zum heimischen Lieferanten mit qualitativ hochwertigen Produkten – so sollte die Devise von uns allen lauten. Und qualitativ hochwertige Produkte müssen uns auch ihren Preis wert sein.

Weiterführende Links

Fleischatlas 2016

Hintergrundpapier zum Fleischatlas von Global2000

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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