Hightech Grün: der Salat der Zukunft

Nahaufnahme von grünem Blattsalat

In der Nähe von New York arbeiten derzeit drei Unternehmer an der größten vertikalen Farm der Welt. Sie verbinden Hightech mit landwirtschaftlichem Anbau. Andere Unternehmen arbeiten ebenso an ökologisch wertvollen Anbauweisen für Salat und Co, die auf modernste Technik und innovative Lösungen aufbauen. Grund genug, dem „Salat der Zukunft“ auf den Zahn zu fühlen.

Die Gründer der weltweit größten vertikalen Farm züchten in einem ehemaligen Stahlwerk, das nun zur Hightech-Farm avancierte, Salate und Kräuter. Das Konzept der Initiatoren: Die Wurzeln der Salatpflanze hängen in der Luft und werden automatisch besprüht. Auf diese Art erfolgt auch die Düngung. Softwaregestützte LED-Lampen und kleine Ventilatoren versorgen den Salat mit frischer Luft und ausreichend Licht. Ein Computer zeichnet alle Vorgänge auf, dadurch können alle Produktionsschritte systematisch analysiert werden. Nach Firmenangaben ist die Produktivität um 70 % höher als bei der herkömmlichen Anbauweise.

Hightech meets Agriculture

Apropos Technik und Landwirtschaft: Was kaum bekannt ist – auch der Hightech-Betrieb Fujitsu verbindet modernste Technik mit landwirtschaftlichen Ambitionen. Der Konzern hat ein japanisches Werk, wo bis vor ca. einem Jahr Halbleiterplatten hergestellt wurden, zu einem 2.000 Quadratmeter großen Bauernhof für Salatanbau umgewidmet. In Reinräumen, gänzlich frei von Staub, Bakterien und vor allem ganz ohne Sonnenlicht, werden Salatpflanzen angebaut. Die Fujitsu-Entwickler arbeiten zudem an neuen Züchtungen z.B. an einem Kalium-armen Salat für nierenkranke Patienten oder an Salatköpfen mit geringem Nitratgehalt, um den Geschmack weniger bitter zu machen. Laut Fujitsu ist auch die Haltbarkeit des Salats höher und der steril-wachsende Salat benötigt keine Pflanzenschutzmittel – damit ist er auch nachhaltiger als so manche herkömmlich gezüchtete Salatsorte.

Hightech-Fabriken und Gewächshäuser: Landwirtschaft 2.0

Fujitsu ist mit diesem Projekt in Japan längst nicht allein. Inzwischen gibt es in dem asiatischen Land fast 400 Hightech-Fabriken für Gemüse. Zahlreiche Konkurrenten aus der Elektrobranche sind bereits in die Landwirtschaft eingestiegen, wie zum Beispiel Toshiba oder Panasonic. Toshiba setzt ebenfalls auf den Salatanbau, Panasonic möchte hingegen mit vollautomatischen Gewächshäusern den Agrarsektor revolutionieren.

Tomatenpflanzen wachsen ohne Erde in SubstratkistenDas MITCityFARM-Projekt verfolgt einen ähnlichen Zugang: Das Forschungsteam des Massachusetts Institute of Technology untersucht neue Möglichkeiten wie Pflanzen mit geringem Ressourceneinsatz – wie Licht und Wasser – und wenigen Nährstoffen angebaut werden kann. Ein Hightech-Gewächshaus soll zu jedem Zeitpunkt ermitteln können, welche Pflanze wie wächst und welche Nährstoffe sie braucht. Dadurch soll vor allem Wasser und Dünger und in weiterer Folge Pestizide eingespart werden. Im Gewächshaus sorgen modernste Sensoren und LED-Licht dafür, dass selbst der Lichteinfall an die Bedürfnisse der Pflanzen angepasst wird. Das führt dazu, dass das Gemüse keine Stiele mehr zu bilden braucht, um der Sonne entgegen zu wachsen.

Auch die NASA setzt auf neue Anbauweisen: Astronauten der NASA ist es gelungen, an Bord der internationalen Raumstation ISS roten römischen Salat anzubauen und erfolgreich zu züchten. Der Salat der Astronauten wurde übrigens ebenfalls mit farbigen LED-Lampen beleuchtet.

Unterirdische CO2-arme Anbauweisen

5 Luftballonförmige Unterwasser Glasgestelle

© nemo’s garden

Aber auch Gewächshäuser haben einen Nachteil – gewöhnliche Gewächshäuser sind wenig klimafreundlich. Ein Kilogramm Salat verursacht mehr als 30 Mal so viele Kohlenstoffdioxidemissionen als die idente Menge im Freilandanbau. Im Feldanbau werden wiederum in vielen Fällen Pestizide eingesetzt. Das Projekt „Nemo’s Garden“ arbeitet an einem Unter-Wasser- Anbau für Salat und Kräuter. Mit der Hilfe von durchsichtigen, nach unten offenen Ballons, die unter Wasser mit Luft gefüllt und am Meeresboden verankert werden, entstehen Gewächshäuser mitten im Meer. Die beinahe gleichbleibende Temperatur im Wasser liefert ideale Bedingungen. Das Wasser erhalten die Pflanzen nicht auf direktem Weg: Das Sonnenlicht, das durch die Ballons auf die Samen scheint, führt dazu, dass das Meerwasser unter der Pflanzen-Plattform verdunstet. Der dadurch entstandene Dampf sammelt sich oben im Ballon zu salzfreien Tropfen und diese bewässern die Pflanzen. Unterwasser-Kameras beobachten die Pflanzen beim Wachsen und Gedeihen.

Urban Farming 2.0: Salatanbau in Luftschutzbunkern

In London werden in acht Luftschutzbunkern, die 33 Meter unter dem Londoner Stadtteil Clapham liegen, Salat, aber auch anderes Gemüse wie Radieschen, Knoblauch und diverse Kräuter völlig ohne Tageslicht angebaut. Das Ersatzlicht liefern sparsame LED-Leuchten. Zudem versorgen Hydrokulturen die Salatpflanzen mit Nährstoffen, recyclebare Kokosfasermatten dienen als Ersatz für Blumenerde. Dieses Konzept spart laut eigenen Aussagen Dünger und bis zu 70 Prozent Wasser gegenüber dem oberirdischen Anbau.

Dass solche Gedankenspiele, wie jene von führenden Hightech-Anbietern aber auch innovative Forschungsprojekte abseits der konventionellen Landwirtschaft, durchaus sinnvoll sind, zeigen auch aktuelle Zahlen und Statistiken: Die UN rechnet damit, dass die Weltbevölkerung in den nächsten 35 Jahren um mehr als 2,5 Milliarden Menschen steigen wird. Bereits heute hungern beinahe 800 Millionen Menschen weltweit. Laut FAO, IFAD und WFP gibt es kaum Fortschritt beim Kampf gegen Hunger.
Zudem leben beinahe 75% der Bevölkerung in Zukunft im urbanen Raum – vor allem in Städten scheint der Raum, der landwirtschaftlich genutzt werden kann, begrenzt.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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