Plastikwahn und Nachhaltigkeit

2 bärtige Männer einer grau meliert, der andere braunhaarig, lächeln in die Kamera

Vor 3 bis 4 Jahren haben wir David de Rothschild zu uns eingeladen um uns von seiner Segel-Floß Reise von Kalifornien nach Sydney zu erzählen. Er baute ein Floß aus alten Plastikflaschen und wollte mit seiner Aktion uns alle aufmerksam machen, wohin unser Umgang mit Plastik die Welt führt, führen wird.

Der Pazifik gilt ja als der Plastikspeicher, als die Plastik- Mülltonne der Welt. Vier Monate war er mit seinem Plastikflaschen-Katamaran unterwegs im Pazifik. Die Bilder, die er von seiner Überquerung zeigte, machten uns sprachlos und betroffen. Natürlich querte er auch den so bezeichneten Plastikstrudel. Zwei davon gibt es mitten im Pazifik, eine Plastikzusammenrottung –Plastikmüllinseln mit einer Fläche, zweimal so groß wie Texas, oder 2 Mal so groß wie Frankreich, bzw. viermal so groß wie Deutschland!

Damals vor 3,4 Jahren sprachen wir noch von der Katastrophe im Pazifik. Heute wissen wir, das Pazifikelend hat inzwischen alle Weltmeere und auch die Ostsee-Nordsee heimgesucht.

In den Mägen von Fischen, auch von Fischen in den europäischen Meeren, finden sich Plastikteile, die Fische offensichtlich auf ihrer Suche nach Nahrung aufnehmen.

Wir vermögen heute unsere nachfolgenden Generationen gar nicht zu zählen, die noch an unserem Plastikwahn zu leiden haben werden.

Ich persönlich führe seit Jahrzehnten einen Kampf gegen Plastik. Ich versuche meinen Haushalt plastikfrei zu halten. Ich muss Ihnen sagen, trotz großem Engagement, scheitere ich Tag für Tag, immer wieder schleichten sich ein Plastikteil ein.

Plastik steht für unseren sorglosen Umgang mit unseren Ressourcen, unserer Umwelt.

PLASTIK IST DAS STATEMENT SCHLECHTHIN FÜR UNSEREN LEBENSSTIL. Auch wenn wir uns in unseren politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen, religiösen Weltanschauungen stark voneinander differenzieren, der Kitt der uns nichtsdestotrotz zusammenhält, ist unser Umgang mit Plastik.

Im Plastik sind wir alle gleich! Es ist ein Gleichsein, das uns in eine Not bringt, und unsere Umwelt zerstören wird.

Max Weber, der große Soziologe der Zwischenkriegszeit formulierte eine Ethik der Verantwortung:

„Wir müssen unser Handeln so ausrichten, dass wir für die Folgen unseres Handelns die Verantwortung tragen können, wie auch für die Nebenfolgen unseres Handelns.“

Es sind vor allem die Nebenfolgen, die uns alles abverlangen. Versuchen wir unser Tun dieser Maxime zu überantworten, gibt es keine Alternative als den des nachhaltigen Handelns. Und dieser Weg ist „bei Gott“ kein neuer Weg, keine neue Erkenntnis.

Die unglaublichen Holzmengen, die für den Bergbau Schlesiens, Sachsens und so weiter aufgewendet werden mussten, brachten die Wälder in einen erbärmlichen Zustand. Aus dieser Not entstand die Erkenntnis im 18. Jahrhundert, nur so viel aus dem Wald abzuholzen, wie der Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann. Und die Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach sprach in einer Forstverordnung von 1760 zum ersten Mal von einer nachhaltigen Forsteinrichtung. Sie, die Goethe nach Weimar holte, steht am Anfang der modernen Nachhaltigkeit.

Und Goethe sah das Fundament der aufkommenden Industrie in der Haltung zur Vorsorge. Er meinte im Norden nötigt uns das Klima Sorge zu tragen, dass wir in den langen Wintern genügend Holz, Essen, wetterfeste Kleidung haben, das Vieh Futter hat.

Diese Fürsorge für uns, und den uns Anvertrauten, erfordert von uns mehr zu produzieren als wir im Moment brauchen. Produzieren für den Bedarf der Zukunft. So fing alles an!

Mit Goethe können wir sagen, die Sorge um uns und den Nächsten, führte uns zu unserer Ökonomie.

Und Adam Smith, der Begründer des arbeitsteiligen Wirtschaftens, des freien Marktes, bezeichnete in seinem Werk der „Theorie der ethischen Gefühle“, die Sympathie für die Mitmenschen als Grundlage unserer Moral und als Triebfeder der menschlichen Arbeit.

Daran ersehen Sie, die Wirtschaft ist ursächlich auf Fürsorge – Goethe-, und Mitgefühl, Verantwortung mit den Mitmenschen gegründet – Adam Smith.

Und so gesehen ist es ein kleiner Weg zu Nachhaltigkeit, zum nachhaltigen Handeln und nachhaltigen Wirtschaften. Denn nur im nachhaltigen Wirtschaften, im Solidarisch-Sein mit dem Nächsten, wird uns die Zukunft gelingen.

1987 formulierte der Brundtland-Report das so:

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig Lebende.

Das ist doch etwas, das jeder Mutter und jedem Vater selbstverständlich ist. Jetzt geht es nur noch darum, dass wir das, was für uns privat selbstverständlich ist, ins Öffentliche, ins Gesellschaftliche bringen.

In unserem Bemühen des nachhaltigen Wirtschaftens, sehe ich mich durchaus in der Nachfolge von Goethe und auch Adam Smith. Eine erstaunliche Nähen. Langfristig wird nur bestehen, der nachhaltig partizipativ handelt.

Wollen wir langfristig erfolgreich sein, kann unser Handeln nur auf ungeteilte Verantwortung und Vertrauen gegründet sein.

Verantwortliches Handeln schafft Vertrauen.

Und Vertrauen ist das Kapital der Zukunft.

Nur wer ernstgenommen wird, mit dem wir einen offenen, ehrlichen Umgang haben, wird unser Konsument werden. Nur der, dem die Menschen, Konsumenten nachhaltig vertrauen können, wird künftig Erfolg haben.

In der heutigen Zeit der Krisis werden sich die Werte neu ordnen und der Wert den Vertrauen darstellt, wird ganz oben auf sein.

Und um Vertrauen zu schaffen, benötigt es Offenheit, Ehrlichkeit, mit einem Wort Transparenz. Für uns, unsere Arbeit ist Transparenz das zentrale Kriterium:

Als Erstes schufen wir die Nachvollziehbarkeit, die Prüf Nach! Datenbank. So kann jeder Kunde rückverfolgen, welche Bauern beteiligt waren, wo sein Produkt herkommt und verarbeitet wurde. Dann legten wir offen, wo wir bei den umweltbeeinflussten Parametern liegen.

Eine wissenschaftliche Berechnung von FiBL Österreich zeigt, wie viel CO2 und Wasser bei der Produktion von Zurück zum Ursprung im Vergleich zu konventioneller Produktion einspart und wie sehr dabei die Biodiversität gefördert wird. Aktuell nahmen wir Elemente der sozialen Nachhaltigkeit und Elemente der ökonomischen Nachhaltigkeit auf.

Wir haben mit den Milchbauern langfristige Verträge mit Abnahme- und Preissicherheit. Diese zahlen in die soziale Nachhaltigkeit ein- soziale Absicherung, Kooperationsmöglichkeiten, Stärkung des sozialen Lebens in der Region- und in die ökonomische Nachhaltigkeit- die Wertschöpfung bleibt in der Region, die Verarbeitung ist in der Region, das führt zu Investitionen und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Und der Konsument ist ganz allgemein der Gewinner.

Bauern, die wirtschaftlich langfristig abgesichert in Kooperationen sind, arbeiten an der Produktqualität. In unserem Fall Lebensmittelqualität. Unsere Produkte sind einfach in ihrer Qualität unübertroffen.

In einer Situation der Offenheit, der Stabilität entsteht Fairness. Fairness dem Produzenten, dem Konsumenten gegenüber.

Nachhaltiges Handeln schafft die klassische Win-Win Situation.

Über Werner Lampert
Werner Lampert (geboren 1946 in Vorarlberg/Österreich) zählt zu den Wegbereitern im Bereich nachhaltiger Produkte und deren Entwicklung in Europa. Der Biopionier beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren intensiv mit biologischem Anbau. Mit Zurück zum Ursprung (Hofer) und Ja! Natürlich entwickelte er zwei der erfolgreichsten Bio-Marken im deutschen Sprachraum.
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