Ist Bio gesünder?

„Das ist doch alles Betrug! Das ist viel zu teuer und um nichts besser. Die wollen doch nur Geld machen. Bio ist doch auch nicht gesünder.“ Es gibt viele Erklärungen dafür, wenn Menschen keine biologischen Lebensmittel kaufen wollen, und wenn man sich selbst biologisch ernährt zieht man manchmal sogar den Unmut der Mitmenschen auf sich. Fühlen sich die Mitmenschen dann in ihrem eigenen Essverhalten kritisiert? Lösen wir bei ihnen ein schlechtes Gewissen aus? Dies könnte sicherlich psychologisch analysiert werden, dazu fehlt mir jedoch die Expertise.

Früher war ich in Diskussionen um Ernährung immer sehr emotional. Gleichzeitig merkte ich oft, dass ich bei all den kritischen Fragen irgendwann an meine Grenzen des Wissens stieß, was mich ärgerte.

Über die Jahre lernte ich, dass eine sachliche Antwort mehr Wirkung zeigt als ein missionierender und emotionaler Gegenangriff. Daher möchte ich hier auf ein paar neue Fakten zu Bio-Fleisch und Bio-Milch aufmerksam machen.

Ist Bio-Fleisch gesünder?

Eine aktuelle Studie, erschienen im British Journal of Nutrition, sagt ja. Die Autoren der Studie durchforsteten und analysierten 67 Studien, die konventionelles mit biologischem Fleisch vergleichen. Dabei zeigen sich folgende Ergebnisse:

In biologischem Fleisch ist die Konzentration von gesättigten und einfach ungesättigten Fettsäuren gleich oder etwas geringer als in konventionellem Fleisch. Die Konzentration der mehrfach ungesättigten und Omega-3-Fettsäuren, und der Omega-6-Fettsäuren – also der „guten“ Fette – ist in Bio-Fleisch jedoch wesentlich erhöht, von Omega-3-Fettsäuren sogar um 47%.

Bedeutet das nun, dass biologisches Fleisch gesünder ist? Die Studie bestätigt in Bio-Fleisch eine geringere Konzentration von unerwünschten Fettsäuren, die das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und die höhere Konzentration an Omega-3-Fettsäuren, die das Risiko senken sollen.

Die erhöhte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren wird außerdem mit diversen positiven Auswirkungen im menschlichen Körper in Verbindung gebracht. Die erhöhte Aufnahme durch Bio-Fleisch könnte also positive Auswirkungen haben.

2 rostbraune Kühe auf der WeideDass Bio-Kühe grasen dürfen, dürfte ausschlaggebend für die unterschiedlichen Fettsäure-Muster sein: Gräser und Kräuter als Futter im Vergleich zu Kraftfutter reduzieren den Fettanteil, bzw. die in der Ernährung ungewünschten gesättigten Fettsäuren im Fleisch. Gleichzeitig nimmt die Konzentrationen von mehrfach ungesättigten und Omega-3-Fettsäuren zu. Dies wird auch durch Experimente belegt: Der Wechsel von Getreide- auf Grasfütterung führt zu einer signifikanten Erhöhung von mehrfach ungesättigten und Omega-3-Fettsäuren sowie DHA im Fleisch der Tiere. DHA ist jeder Schwangeren ein Begriff, da DHA die Entwicklung des Gehirns des Ungeborenen fördert. Aber auch bei Erwachsenen ist es für das Gehirn eine wichtige Fettsäure.

Wie verhält es sich bei der Milch?

Eine weitere aktuelle Studie, ebenfalls erschienen im British Journal of Nutrition, vergleicht 196 Studien zu biologischer und konventioneller Milch.

Bei der Bio-Milch zeigen sich ähnliche positive Effekte wie bei Bio-Fleisch. Biologische und konventionelle Milch weisen eine ähnliche Konzentration an gesättigten und einfach ungesättigten Fetten auf. Die Konzentration an mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist in der Bio-Milch aber im Schnitt um 7,3% höher. Die größten Unterschiede fanden sich in Omega-3-Fettsäuren: Sie sind um 56% höher als in konventioneller Milch! Die Werte an konjugierter Linolsäure überbieten die konventionelle Milch um 41%, Omega-6-Fettsäuren und Linolsäure sind hingegen ähnlich.

Die bessere Zusammensetzung an, für die Ernährung, gewünschten Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidantien bei Bio-Milch entsteht offenbar auch hier durch die Weidehaltung von Bio-Kühen, während Kraftfutter einen negativen Effekt hat.

Fazit der Studien ist also: Ja, Bio-Fleisch und Bio-Milch sind gesünder!

Mit biologischen tierischen Produkten unterstützen Sie nicht nur eine artgerechte Haltung der Nutztiere, sondern auch Ihre eigene Gesundheit mit einer höheren Aufnahme von gesünderen Fetten.

Weiterführende Links

Composition differences between organic and conventional meat: a systematic literature review and meta-analysis

Higher PUFA and n-3 PUFA, conjugated linoleic acid, α-tocopherol and iron, but lower iodine and selenium concentrations in organic milk: a systematic literature review and meta- and redundancy analyses

Über Isabell Riedl
Die Natur hat mich schon als kleines Kind fasziniert. Spätestens als ich aufgrund der Schönheit eines Tieres zu Tränen gerührt war, wusste ich, dass es meine Aufgabe ist, diese Welt und ihre Schönheit zu bewahren. Im Zuge meines Ökologiestudiums lebte ich 2 Jahre in Costa Rica, wo ich dessen Vogelwelt erforschte. Seit Mai 2012 arbeite ich nun bei der Werner Lampert Beratungs GmbH im Bereich der Nachhaltigkeit und verwalte unter anderem diesen Blog. Seit 2016 versuche ich diese Welt für mein Kind Ruben noch mehr zu schützen.
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