Kleiderei: Teilen ist in

Ein Spruch

Teilen, ausborgen, tauschen ist in – sowohl online als auch offline boomen Angebote des gemeinschaftlichen Konsums. Im Privatleben ist der gemeinschaftliche Konsum längst gelebte Praxis  – viele Kleidungsstücke werden mit Geschwistern und Freunden geteilt, untereinander ausgeborgt oder getauscht. Wie dieses Prinzip nun über den Familien- und Freundeskreis hinaus angewandt werden kann, zeigen zwei Jungunternehmerinnen in Deutschland. Pola Fendel und Thekla Wilkening haben das Unternehmen „Kleiderei“ gegründet und erklären damit das Tauschen und Ausborgen zum Geschäftsmodell.

Beinahe tagtäglich das gleiche Ritual: Man steht vor einem prall gefüllten Kleiderschrank und dennoch findet man nichts zum Anziehen. Etwas Neues muss her – doch es muss nicht zwingend immer etwas neu gekauft werden, um Neues tragen zu können. Wer Geschwister oder Freunde mit einer ähnlichen Konfektionsgröße hat, kann sich mit Ausborgen bzw. Tauschen Abhilfe leisten. Doch nun gibt es auch für alle anderen die Lösung: das Geschäftsmodell der beiden Hamburgerinnen Pola Fendel und Thekla Wilkening. Sie haben 2012 auf St. Pauli das Unternehmen „Kleiderei“ gegründet und revolutionieren damit den Modemarkt – denn in vielen Fällen ist Mode und nachhaltiger Lebensstil noch ein Widerspruch. Ihr Geschäftsmodell basiert auf Teilen, Borgen und Tauschen und ermöglicht damit einen völlig neuen Zugang zu Mode. Kurzerhand wird das Konzept einer Bücherei auf Mode umgelegt.

Individuelle Mode für jeden

Screenshot einer WebsiteDas Konzept hinter „Kleiderei“: bereits produzierte Kleidung – sowohl Second-Hand-Kleidung wie auch fair produzierte Kleidungsstücke von lokalen Designern – wird sinnvoll und mehrfach eingesetzt. Kunden können online vier Kleidungsstücke aussuchen und für mindestens einen Monat gegen eine kleine Gebühr ausborgen.

Rock, Mantel und Co können jederzeit zurückgeschickt werden – dafür werden ausschließlich Schachteln aus recyceltem Pappkarton verwendet. Die Transportwege sollen darüber hinaus möglichst effizient genutzt werden, das bedeutet, dass die ausgeborgten Kleidungsstücke gesammelt und nicht einzeln zurück geschickt werden sollten. Zudem bieten die Unternehmerinnen einen umfassenden Kundenservice an. Neben einer individuellen Stilberatung erhalten Kunden, die weniger als vier Stücke auswählen, auf ihren Stil abgestimmte Kleidungsstücke.

Viel Augenmerk wird auf die Qualität der Mode gelegt, die online angeboten wird: Aus ausgesuchten Designer-Kleidern, Flohmarktbeständen, Kleiderspenden oder aus dem eigenen Besitz der Hamburgerinnen werden sorgsam die einzelnen Stücke ausgewählt. Individuelle Kleidungsstücke, die einem breiten Kreis an Abnehmern zur Verfügung gestellt werden.

Kleinere Mängel oder etwaige Schäden werden zudem von den beiden Unternehmerinnen selbst ausgebessert. So soll gewährleistet werden, dass die Kleidungsstücke mehrfach eingesetzt werden können und nicht verschwendet oder frühzeitig entsorgt werden.

Dass die Modebranche derzeit noch viele Schattenseiten aufweist, ist allen Beteiligten klar. Angebote wie jenes von der Kleiderei zeigen aber Konsumenten einen neuen Weg auf. Der Konsument selbst hat es in der Hand: er selbst kann langfristig ein Umdenken in der Branche initiieren und ein Ende des Wegwerf-Wahnsinns bewirken.

Weiterführende Links

Kleiderei.com

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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