Warum Wassermangel auch für uns Thema ist…

Kuh, die in einem Bach trinkt

4 Milliarden Menschen leiden zumindest zeitweise, und etwa ½ Milliarde Menschen das ganze Jahr unter schwerwiegendem Wassermangel. Viele dieser Menschen leben in China und Indien (Hoekstra 2016). Hauptverantwortlich hierfür ist die landwirtschaftliche Produktion, sagen Studien.

Weltweit soll je nach Berechnungsmethode bis zu 92% des weltweiten Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft zurückgehen. Dabei fallen 74% des verbrauchten Wassers auf „grünes Wasser“, also den Konsum von Regenwasser, 11% auf „blaues Wasser“, was dem Grund- und Oberflächenwasser entspricht, und 15% auf „graues Wasser“, was dem Volumen an Frischwasser entspricht, das benötigt wird um Schadstofffrachten und verschmutztes Wasser auf Gehalte unter Grenzwerten zu „verdünnen“ (Hoekstra 2011).

Was geht uns das alles an?

Obwohl Österreich grundsätzlich über ausreichend Wasservorkommen und Wasserreserven verfügt (weniger als 4% der vorhandenen Wasserressourcen werden genutzt), kommt es dennoch in bestimmten Regionen zu Problemen bei der Wasserversorgung. So führten geringe Niederschlagsmengen im Winter und Frühjahr 2011/2012 in einigen Regionen Österreichs zu Problemen in der Landwirtschaft, sowie örtlich stark sinkenden Grundwasserständen und zu Problemen mit der Wasserversorgung bei Hausbrunnen.

Ein wesentliches – und steigendes! – Problem ist die Verschlechterung der Qualität des Grundwassers durch die intensive Landwirtschaft. Nitrate, Pestizide, Stickstoff und Phosphor verschmutzen sowohl Grundwasser als auch Oberflächengewässer. Besonders dramatisch ist die Situation vor allem im landwirtschaftlich sehr intensiv genutzten Osten Österreichs – den Regionen Marchfeld, Wulkatal, Weinviertel, Parndorfer Platte, und dem südlichen Wiener Becken (Umweltkontrollbericht 2013).

Trotz des Wasserreichtums ist Österreich ein Nettoimporteur von Wasser, und zwar von sogenanntem „virtuellem Wasser“: In anderen Ländern wird Wasser für die Produktion von Baumwolle, Soja, oder Palmöl, das über den Handel zu uns gelangt, benötigt. 32% des österreichischen Wasserfußabdrucks entsteht in Österreich, und 68% in anderen Ländern (waterfootprint.org).

Wir Österreicher und Österreicherinnen konsumieren pro Kopf und Tag 4400 Liter Wasser. 39% dieses Wasserfußabdrucks gehen auf den Konsum von tierischen Produkten zurück, 36% auf den Konsum von nicht-tierischen landwirtschaftlichen Produkten. Industrielle Produktion macht 14%, landwirtschaftliche Produktion für nicht-essbare Produkte 8%, und der häusliche Wasserverbrauch 3% des österreichischen Wasserfußabdrucks aus (Vanham 2013).

Was können wir tun?

Auf das Essen zu achten birgt also große Möglichkeiten Wasser zu sparen: Beim Griff zu biologischen Produkten spart man nachweislich große Mengen an „grauem Wasser“, da die biologische Landwirtschaft auf Herbizide, chemisch-synthetische Pestizide und Mineraldünger verzichtet und somit das Grundwasser nicht belastet. (Hörtenhuber 2012).

Auch die regionale Herkunft ist von Interesse: Lebensmittelproduktion benötigt in unterschiedlichen Ländern aufgrund der klimatischen Bedingungen unterschiedliche Mengen an Wasser. Die Produktion landwirtschaftlicher Produkte ist in Österreich vergleichsweise wasserarm, während importierte Güter häufig mit einem großen Wasserfußabdruck belastet sind (Vanham 2013).

Und nicht zuletzt hat die Wahl des Lebensmittels selbst große Auswirkungen auf den eigenen Wasserfußabdruck: So verbessert vor allem die Reduktion des Konsums von Fleisch und anderen tierischen Produkten den eigenen Wasserfußabdruck wesentlich. Auch Stimulantien wie Kaffee und Schokolade machen in Österreich einen großen Anteil des Wasserfußabdruckes aus (Vanham 2013, Hoekstra 2011).

Jeder und jede Einzelne von uns hat also täglich die Möglichkeit einen positiven Beitrag dazu zu leisten, dass sowohl Menschen, aber auch Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme auch in Zukunft über ausreichend sauberes Wasser verfügen.

Weiterführende Links

A. Hoekstra, M. Mekonnen (2011). The water footprint of humanity. PNAS vol. 109 no. 9, 3232–3237

M. M. Mekonnen, A. Y. Hoekstra (2016). Four billion people facing severe water scarcity. Sci. Adv. 2, e1500323(2016)

D. Vanham (2013). The water footprint of Austria for different diets. Water Science & Technology 76, 824–830

Über Prüf Nach! Team
Das Prüf Nach! Team besteht aus ExpertInnen mit diversen Fachgebieten. Gemeinsam mit Werner Lampert bilden sie die Werner Lampert Beratungs GmbH, die Europas erfahrenstes Unternehmen in der Entwicklung, Erzeugung und Vermarktung nachhaltiger Bioprodukte und Marken ist. Der Name stammt vom Prüf Nach! Standard, in dem die Philosophie, die Art des Handelns und strengen Richtlinien des Unternehmens festgehalten sind.
Dieser Beitrag wurde unter Landwirtschaft, Nachhaltiger Lebensstil, Natur- und Umweltschutz abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.