Interview zu Social Media in der Landwirtschaft

Was bringt eine Präsenz auf Facebook Ihnen und Ihrem Betrieb?

Für die Recherche zum Artikel des letzten Blogbeitrags haben wir mehrere Facebook-erfahrene Betriebe nach ihren Erfahrungen gefragt. Wir bedanken uns ganz herzlich beim Ökohof Stolze Kuh und dem WildnisKultur Hof – zwei nicht alltägliche Höfe – für die Beantwortung unserer Fragen. Dieses Interview erschien zuerst im Blogbeitrag der Yes! We Can Farm.

Filmteam steht vor offenem AutoWildnisKultur Hof: Social-Media-Präsenz ist, wenn man gerne in Kommunikation mit Menschen tritt, eine wertvolle Möglichkeit, sich auszutauschen, Gleichgesinnte zu treffen und rasch und effizient Informationen zu verteilen. Es gibt keine wirkliche Notwendigkeit, auf einer Social-Media-Plattform aktiv zu sein, wenn es der eigenen Art, zu kommunizieren, nicht entspricht. Aber, wenn man sich darauf einlassen kann, wie andere Menschen, die man gar nicht persönlich kennt, auf das Projekt, die Idee reagieren, dann ist es eine unglaubliche Bereicherung und Erweiterung des Umfeldes. Die Verbreitung und Überprüfung der Marktpräsenz erfolgt sofort, direkt und authentisch. Die Reaktionen sind zeitnah.

Stolze Kuh: Ich hab noch keinen Nutzen festgestellt, weil es ja keine wirkliche Rückmeldungsfunktion für Menschen, die unsere Facebook-Seite anschauen, gibt. Aber sicherlich halte ich Interessierte informiert und kann über unser Engagement (z.B. ammengebundene Kälberaufzucht vs. Ramschkälber) informieren.

Wie nutzen Sie Ihren Facebook Account?

WildnisKultur Hof: Regelmäßig für den Austausch mit Menschen zu den wichtigen Themen, die unser Projekt betreffen. Zur Meinungsbildung und zur Information. Und natürlich für das eigene Marketing. Zum Teilen und Verbreiten jener Themen, die uns wichtig sind. Und natürlich für unsere Crowdfundingaktivitäten! Wenn man ein Crowdfunding startet, ist ein guter Social-Media Plan auf unterschiedlichen Plattformen (und je nach der eigenen Zielgruppe) unerlässlich und steigert natürlich die Reichweite.

Stolze Kuh: Ich teile Videos, die ich informativ finde und ab und an Veranstaltungen. Da wir noch keinen schnellen Internetanschluss im Dorf haben, ist das ganze begrenzt.

Konnten Sie durch Ihre Facebook-Präsenz neue Kunden gewinnen?

WildnisKultur Hof: Ja, natürlich und mit ganz vielen verbindet uns inzwischen eine persönliche Freundschaft. Allerdings ersetzt die Facebook-Präsenz in keinem Fall den direkten Kontakt zur Zielgruppe – es ist nur eine Möglichkeit mehr, mit der eigenen Zielgruppe rascher in Kontakt zu kommen.

Stolze Kuh: Noch nicht wirklich.

Wie viel Arbeit ist als Minimum nötig, wie viele Stunden benötigt Ihr Facebook Account momentan – und inwiefern rentiert sich die Arbeit?

WildnisKultur Hof: Social-Media bedeutet Arbeit in geleisteten Stunden – es geht nicht von selbst oder nebenbei. Ein gepflegter, interessanter Seitenaccount braucht sicherlich 1- 1 ½ Stunden am Tag. Es rentiert sich insofern, in dem man wirklich weltweit wahrgenommen wird – wir erhalten Rückmeldungen von Menschen rund um den Globus. Das ist es immer wert!

Stolze Kuh: Ich schau zweimal pro Woche aus privatem Interesse rein und teile vielleicht alle 14 Tage etwas auf unserer Betriebsseite.

Wie reagieren Sie auf negatives Feedback?

WildnisKultur Hof: Es gibt kein wirklich negatives Feedback. Es gibt nur andere Meinungen. Jede Meinung ist willkommen. Und manche Menschen sehen Dinge eben anders. Offen sein, damit umgehen, Antwort geben und in letzter Konsequenz regulierend eingreifen. Aber sicher keine Angst haben oder gar nicht reagieren!

Kuh mit KalbStolze Kuh: Das finde ich schwer zu ertragen, vor allem von der veganen Seite, die nie zufrieden ist. Aber ich übe mich, es zu ignorieren und das positive Feedback im Kopf zu behalten.

Was hat gut funktioniert?

WildnisKultur Hof: Gut ‚funktionieren‘ unsere regelmäßigen Informationen zur landwirtschaftlichen Situation, Berichte über Neues am Hof, über unsere Tiere und natürlich kurze Videos über Aktuelles. So richtig ‚live‘ und niederschwellig. Wir posten oft Workshop-Angebote und Menschen tragen sich dann direkt auf unserer Website ein. Auch das Verteilen der Newsletter-Funktion unserer Website auf facebook bringt immer wieder Interessenten. Fotos sind natürlich auch immer gefragt, gerade zum Thema Natur und Landwirtschaft.

Stolze Kuh: Der Presseartikel über unseren Hof wurde 2000mal angeklickt. Sonst hab ich durchschnittlich eher 200-400 Aufrufe.

Was haben Sie dabei gelernt?

WildnisKultur Hof: Dass viele Menschen an unserem Projekt wirklich interessiert sind, dass wir Mut geben und Menschen durch unsere Vorbildwirkung Neues zu wagen. Social-Media ist eine Marketingmöglichkeit und bedeutet gleichzeitig auch viel persönlichen Einsatz zur Zielgruppe.

Stolze Kuh: Süße Bilder zählen mehr als Worte!

Was würden Sie anderen raten, in Bezug auf Facebook Marketing?

WildnisKultur Hof: Ganz ganz wichtig ist, dass man persönlich und emotional erreichbar ist, auf Anfragen reagiert und auch antwortet. Das Zauberwort heißt INTERAKTION – Social-Media ist KEINE Einbahnstraße! Nur, wenn man bereit ist, mit den Menschen auf einer Social-Media Plattform in Austausch zu treten, wird das Marketing dort auch gelingen. Social-Media geht nicht ‚nebenbei‘ oder ‚rasch mal irgendwie‘, es bedeutet, authentisch zu kommunizieren.

Stolze Kuh: Ich bin schon kritisch gegenüber Facebook und würde nicht zu viel Privates auf dieser Plattform teilen, sondern eher versuchen, die Leute auf unsere Webseite zu locken.

http://yes-we-can.farm/

 

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Über Michaela Schmitz
1964 in Wien geboren, habe ich die Drogistenfachschule besucht und nach bestandener Konzessionsprüfung einen Naturkostladen in Wien 23. eröffnet. 1995 wurde mein erster Sohn Emil geboren, 1997 und 1999 folgten Sebastian und Daniel. 2003 habe ich eine Privatschule in Eichgraben mitgegründet und war danach bei der more.Software GmbH und der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung im Bereich Datenbanksoftware zuständig. Seit 2010 arbeite ich selbstständig im Bereich der automatischen Datenverarbeitung. Ich betreue Websites, pflege Content ein und erstelle Bilder und Drucksorten. Ich schreibe Blogs, betreue Social Media-Kanäle und Crowdfundingprojekte. Durch meine Zusammenarbeit mit Judith Anger für den WildnisKulturHof und das Crowdfunding für das WildnisKulturDorf habe ich wieder zurück zu meinen Wurzeln gefunden – dem Leben mit der Natur und vereine seitdem Technik und Wildniskultur.
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