Verwertung von Abfällen als Nachhaltigkeitsmodell

Müll in Mülltonne

Laut einer rezenten GfK-Umfrage essen zwei Drittel der Österreicher täglich Fleisch. Doch was passiert mit dem Fleisch, das nicht den Weg auf unseren Teller findet? Die traurige Wahrheit: es landet im Müll, wie auch andere, noch genießbare Lebensmittel. Konzepte aus Österreich versuchen nun der sinnlosen Verschwendung Einhalt zu gebieten.

Jährlich wird rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel weggeworfen[1], die grundsätzlich noch genießbar wären. In Österreich sind dies rund 760.000 Tonnen pro Jahr[2]. Allein bei Supermärkten fallen über 13 Prozent dieses Mülls an. Österreich steht damit aber nicht alleine da: Die Verluste über die ganze Lebensmittelkette sind in den meisten Ländern etwa gleich hoch, die Verteilung über die Lebensmittelkette schwankt jedoch stark. In Industrieländern wird rund die Hälfte der Lebensmittel von Endkonsumenten weggeworfen, in ärmeren Ländern hingegen führen ineffiziente Technologien oder fehlendes Know-How bei Ernte, Lagerung und Verarbeitung zu herben Verlusten.

Innovative Konzepte aus Österreich setzen bei dieser Problemstellung an und liefern Alternativen wie die Lebensmittelverschwendung mit Genuss und Nachhaltigkeit bekämpft werden kann.

Marmelade mit Sinn

© Wiener Tafel

© Wiener Tafel

Das Projekt „Marmelade mit Sinn“ setzt bei der Rettung von Lebensmitteln vor der Vernichtung an. Aus vermeintlichen „Abfall“ und Obst-Überschuss wird Marmelade zubereitet, die anschließend verkauft wird. Die Köchin Cornelia Diesenreiter gründete „Marmelade mit Sinn“. Im vergangenen Jahr hat die Jungunternehmerin 600 Kilogramm Obst zusammengesammelt, verwertet und damit rund 3.000 Gläser Marmelade produziert.

© Wiener Tafel

© Wiener Tafel

Dem aber nicht genug: Bei „Marmelade mit Sinn“ werden aktiv Flüchtlinge bei der Herstellung des Produkts involviert. Sie können gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern der Wiener Tafel die Früchte zu Marmelade einkochen, dabei ihre Sprachkompetenz verbessern und ihre Fähigkeiten einbringen.

„TafelBox“ made in Austria

Ein Projekt, das ebenfalls von der Wiener Tafel unterstützt wird, ist die „TafelBox“, mit der Nahrungsmittel bei Veranstaltungen, in der Gastronomie, Hotellerie und bei Catering-Unternehmen vor dem Wegwerfen bewahrt werden können. Gemeinsam mit dem Waldviertler Unternehmen Kastner und dem Verpackungsunternehmen Pacovis hat die Wiener Tafel die „TafelBox“ entwickelt: ein Frischhaltegefäß aus biologisch abbaubarem Material, das dicht verschlossen werden kann. Vor allem bei Buffets soll die neuartige Box eingesetzt werden: Gäste können sich damit am Ende der Veranstaltung die übrig gebliebenen Speisen selbständig und eigenverantwortlich mit Nachhause nehmen. Von jeder Box, die erworben wird, werden 20 Cent an die Wiener Tafel gespendet, die damit wiederum Armutsbetroffene mit Lebensmitteln versorgen kann.

Dumpstern in Österreich

diverser MmüllContainern, Dumpstern, Mülltauchen – damit ist die Suche nach verwertbaren Lebensmittelabfällen gemeint. Dumpsterer oder Mülltaucher sind nun auch vermehrt in Österreich unterwegs und durchforsten auf der Suche nach essbaren Lebensmitteln die Abfälle von Supermärkten und Großmärkten. Viele der Dumpsterer sehen das Containern als Akt der Mitmenschlichkeit, die geretteten Lebensmittel sind nicht für sie selbst, sondern für Bedürftige. Zudem wollen viele Mülltaucher damit ein Zeichen für einen bewussten Umgang mit Lebensmittel setzen und kritisieren damit die heutige Konsum- bzw. Wegwerfgesellschaft.

Auch immer mehr Supermärkte versuchen unnötige Belastungen für die Umwelt zu vermeiden. Eine Untersuchung von Greenpeace[3] zeigt, dass sich Supermarktketten sehr unterschiedlich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Dennoch erhielt die Mehrheit – sechs von neun untersuchten Supermärkten – die Note „Gut“ und zwei die Note „Befriedigend“ sowie ein Supermarkt lediglich „Genügend“. Was aber wesentlich wichtiger ist: die Untersuchung zeigt, dass auch Supermarktketten Verantwortung übernehmen und auch hier langsam und in kleinen Schritten ein Umdenken stattfindet.

Fußnoten und Links

[1] http://lebensmittel.greenpeace.at/?_ga=1.235072194.232168981.1468854872
[2] Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Lagebericht des Österreichischen Ökologie Institutes, der vom WWF und von Mutter Erde in Auftrag gegeben wurde.
[3] http://www.greenpeace.org/austria/de/themen/Nachhaltigkeit-im-Test/2016/Test-Lebensmittel-Abfall/

http://www.wienertafel.at

http://marmelademitsinn.at

 

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
Dieser Beitrag wurde unter Junge Stimmen, Kultur&Soziales, Nachhaltiger Lebensstil, Natur- und Umweltschutz, Zukunft abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.