Social Media in der Landwirtschaft

Social Media ist in der Marketingwelt nicht mehr weg zu denken. Doch nicht jede Berufsgruppe hat es leicht, sich in diese Materie zu vertiefen. Social Media bedeutet Kommunikation und Interaktion und benötigt Austausch auch auf der Beziehungsebene direkt zum Kunden, zur Zielgruppe. Um die Anonymität im Netz zu kompensieren, muss auf einen persönlichen, kommunikativen Erzählstil – das Geschichtenerzählen und damit begeistern – zurück gegriffen werden. Und das heißt auch, dass Marketing auf Social Media Plattformen Zeit in Anspruch nimmt und nicht jeder dafür geeignet ist. Gerade in der Landwirtschaft sind die Zeit- und Personalressourcen meist knapp bemessen – und dann sollte noch guter, warmer, herzlicher, berührender Social Media Content generiert werden – eine Herausforderung

Hier möchte ich auf einen sehr gut gelungenen Blog, in welchem ich in Bezug auf den WildnisKulturHof und seine Social Media Arbeit ein Interveiw gebe, hinweisen. Der Blogbeitrag wird hier in Auszügen wiedergegeben.

Malchus Kern von Yes! We Can Farm hat viele Inputs zusammengetragen, um das Thema gerade in Bezug zur Landwirtschaft ausführlich aufzurollen. Herzlichen Dank an ihn dafür!

Warum Social-Media?

Viele Betriebe vermarkten ihre Produkte größtenteils im Direktvertrieb und verbreiten Informationen darüber, wie jeder es ihnen – im kleinen oder großen Rahmen – nachmachen kann. Sie appellieren an den Wunsch der Menschen, die eigenen Lebensmittel teilweise selbst anzubauen oder daran zumindest teilzuhaben. Und dieses Teilhaben geschieht unter anderem durch die Kommunikation über Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und viele weitere Plattformen, auf denen die Konsumenten direkt mit den Erzeugern in Kontakt treten können. Dass diese Informationen und die damit verbundene Arbeit nicht nur dazu dienen, dass andere Menschen mehr Wissen erlangen, sondern auch dazu, dass mehr Produkte, also Lebensmittel, aber auch Bücher, Vorträge und Kurse verkauft werden, sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein.

Warum also Landwirte einen Facebook-Account pflegen, ist ersichtlich: Es bringt mehr Kunden und bindet diese auf längere Sicht, da sie einen Einblick in das Unternehmen bekommen und sich stärker mit diesem verbunden fühlen. Ob und für wen sich das ganze lohnt, ist eine weitere Frage.

Für wen lohnt sich eine Social-Media-Präsenz wirklich?

Ganz allgemein kann man nie vorher sagen, ob es sich lohnt. Wirklich wissen kann man es nur, wenn man es richtig, also nicht nur halbherzig, ausprobiert.

Dabei ist es weniger wichtig, wie groß ein Betrieb ist. Vielmehr ist es wichtig, dass dieser seine Produkte direkt an den Endkunden vertreibt, eine Geschichte zu erzählen hat, hinter seinem Unternehmen steht und seine Kunden gerne einbinden möchte.

Es sollte jedoch auch klar sein, dass sich die geleistete Arbeit nur indirekt in Verkäufen niederschlägt. Denn wie kann man verfolgen, ob ein Kunde im Hofladen gekauft hat, weil er online gesehen hat, dass die ersten Kartoffeln geerntet werden? Das geht nur bei Online-Einkäufen oder bei Veranstaltungen, auf die nur online hingewiesen wird. Der wirkliche Marketing- und Imageeffekt wirkt sich langfristig aus.

Eine weitere Frage ist, ob die eigenen (potentiellen) Kunden sich auf den geläufigen Social-Media-Kanälen aufhalten. Gerade Käufer von biologisch angebauten Lebensmitteln haben eine gewisse Skepsis gegenüber den großen Datensammlern wie Facebook, Google+ und Konsorten – zu Recht! Und natürlich sollte man mit seinen Daten (und denen anderer) auch sehr vorsichtig umgehen. Dennoch kann man diese Kanäle auch nutzen. So bauen alle der vier Beispiel-Betriebe einen Großteil ihrer Lebensmittel mit biologischen Methoden an. Hier lohnt sich eine Marktanalyse und Umfrage.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, so haben Landwirte noch viele weitere Aufgaben als die, verallgemeinert gesagt, Produktion von Lebensmitteln. Immer weniger Menschen arbeiten in diesem Bereich, tragen aber eine große Verantwortung, weil sie viele Menschen ernähren. Anderen Menschen ihr Wissen weiter zu geben und ihnen einen Einblick in die Tätigkeiten der Landwirtschaft zu geben, also Vorbilder und Lehrer zu sein, ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nicht entlohnt wird.  Social-Media kann man sozusagen auch als digitales Klassenzimmer verstehen.

Es sind Ergebnisse, die zählen

Nichts macht weniger Spaß, als einen Account mit nur 50 Lesern zu pflegen. Bis die gewünschten Ergebnisse kommen kann es etwas dauern. Das ist ein bisschen wie mir der Saat, die man im Frühjahr sät. Das Ziel ist vor Augen. Und auch wenn man zwischendurch etwas bangt, weil das Wetter nicht mitspielt, ist klar, was man ernten möchte und wofür man diese Arbeit tut. Was zur grundlegenden Frage eines jeden Unternehmens führt: Warum? Warum mache ich Landwirtschaft? Was sind meine Werte? Was möchte ich vermitteln? Warum verkaufe ich, was ich verkaufe? Wie baue ich mein Gemüse oder wie gehe ich mit meinen Tieren um? Die Fragen, die die eigene Persönlichkeit ausmachen, sind auch die Message, die ich nach außen tragen kann. Mit einem klaren Ziel: Aufklärung, Kundenbindung, Öffentlichkeitsarbeit und mehr zufriedene Kunden.
Definieren Sie also klar Ihre Ziele:

Was möchten Sie mit Ihrer Facebook-Präsenz erreichen?
Wie viele Menschen möchten Sie erreichen?
Wie können Sie verfolgen, dass ein Nutzer zu einem Kunden wird?

Und machen Sie sich eines klar: Ein Facebook Account sollte immer nur als Ergänzung zu einem bestehenden Online-Auftritt – Ihrer Webseite – gesehen werden. Denn Facebook ist ein Tool, welches auf schnellem Konsumieren aufbaut. Immer wieder müssen neue Inhalte eingepflegt werden. Auf der eigenen Webseite stehen diese Inhalte, egal ob Bildergalerie, Artikel oder Video, für immer. Und können dadurch auf längere Sicht Besuchern ein Gefühl der Verbundenheit vermitteln.

Aus diesem Grund empfehlen wir jedem Unternehmen auch, einen regelmäßigen Newsletter zu versenden. Denn die Nutzer, die sich für diesen anmelden, bekommen die Nachrichten direkt in ihre Mailbox, die sich täglich lesen. Und sie melden sich nur dann dafür an, wenn Sie diese Nachrichten erhalten wollen. Und die Inhalte eines Facebook Kanals sind weitestgehend deckungsgleich mit denen eines Newsletters. Gleichzeitig haben Sie auf Ihrer eigenen Webseite auch viel mehr Einfluss auf den Umgang mit Datenschutz und ähnlichem.

Öffentlichkeitsarbeit ist Marketing in eigener Sache

Wie also gehe ich an diese Aufgabe heran?

Was ist meine Aufgabe?
Landwirtschaft ist mehr, als nur Getreide anzubauen oder Kühe zu melken. Ein landwirtschaftliches Unternehmen auf eine stabile Basis zu stellen und damit das Risiko zu minimieren, bedeutet oft auch, Ferienwohnungen mit Streichelzoo anzubieten, Produkte zu veredeln (wie zum Beispiel Soja-Drinks aus Sojabohnen herzustellen), Jungpflanzen zu verkaufen, oder Kurse / Workshops anzubieten. Die Geschichte und das Gefühl hinter diesem „Lifestyle“ zu vermitteln, eine eigene Marke mit Persönlichkeite aufzubauen und eine Verbindung mit den Kunden herzustellen, dabei kann eine gut durchdachte Facebook-Präsenz helfen. Kommunikation ist der Schlüssel!

Welche Sprache sollte ich sprechen?

Bleiben Sie sich selbst treu und authentisch. Versuchen Sie nicht, ein Bild darzustellen, welches nicht stimmig ist. Sprechen Sie eine positive, emotionale, offene und ansprechende Sprache. Dabei müssen Sie auf die „harte Welt“ nicht verzichten. Im Bauernwiki wurden einmal Bilder von den Kadavertonnen veröffentlicht, die einfach Teil einer Schweinemast sind. Die Ehrlichkeit kommt dabei authentischer rüber, als das Klischeebild vom Hahn auf dem Misthaufen. Erzählen Sie nicht nur über den Alltag, sondern auch darüber, warum Sie Landwirt geworden sind. Stellen Sie die Menschen hinter den Produkten vor.

Als Unternehmen und Dienstleister vertreten Sie Werte. Was sind Ihre Werte und wie können Sie diese Werte als Geschichte vermitteln?

Hier sind einige Beispiele:

  • einen Lebensstil nah an der Natur zu pflegen
  • den Tag mit der Familie verbringen zu können (nicht im Büro.
  • zu wissen, woher die eigenen Lebensmittel kommen
  • dem Essentiellen im Leben nah zu sein
  • der eigene Chef zu sein
  • der Passion folgen zu können
  • gerne mit Tieren zu arbeiten
  • den Menschen, den Tieren und dem Land positiv dienen zu können
  • mit den Jahreszeiten zu leben
  • die Natur zu spüren, indem Sie jeden Tag draußen sind
  • einer handwerklichen Arbeit nachzugehen

Oder anders ausgedrückt:

  • Entwicklung
  • Lebensstil
  • Essentielles
  • Familie
  • Führung
  • Integrität
  • Business
  • Passion
  • Verantwortung

Nicht alle dieser Punkte sind wichtig für Sie. Manche finden Sie vielleicht auch unrealistisch oder unpassend. Das ist an dieser Stelle egal, denn es geht darum, dass Sie herausfinden, was Sie motiviert und wie Sie diese Motivation vermitteln können.

Beachten Sie, dass Sie ein Experte sind. Der Kunde hat oft eine ganz andere Vorstellung und kaum Wissen von Ihrem Thema. Was für einen selbst langweilig erscheint, ist für andere spannend, neu und manchmal auch schwer nachvollziehbar. Durch die Informationen, die wir geben, können wir das Bewusststein der Konsumenten beeinflussen. Es wird vieles Unwahres erzählt und in vielen Dokumentationen wird nur das Negative ins Licht gerückt. Durch die eigene Darstellung hat man die Möglichkeit, Dinge ins richtige Licht zu rücken und so darzustellen, wie man es möchte. Offen, transparent und ehrlich. Achten Sie darauf, eine einfach Sprache zu sprechen, die auch Nicht-Landwirte verstehen. Die Beiträge sollten positiv formuliert sein und nicht auf Kosten anderer, wie Veganer, Vegetarier oder Städter. Die Leser möchten von und über Sie und Ihren Betrieb etwas lernen und teilhaben. Bieten Sie ihnen das!

Facebook ist eine Plattform, auf der Sie positive Gespräche über Landwirtschaft führen können, sich konkret mit jüngeren Generationen auf Augenhöhe verbinden, Ihre Geschichte erzählen und Menschen für Landwirtschaft – insbesondere Ihren Betrieb – begeistern können!
Das können Sie, indem Sie den Alltag in der Landwirtschaft, wichtige landwirtschaftliche Nachrichten und Termine, Fakten über Landwirtschaft allgemein und Feste, Workshops und andere Veranstaltungen durch Artikel, Bilder und Videos mit anderen teilen und Fragen beantworten. Eine weitere Möglichkeit bietet die Vernetzung mit anderen Betrieben und Seiten.

Dabei ist Interaktion das wichtigste um ein Wir-Gefühl hervorzurufen. Stellen Sie Fragen und versuchen sie, anderen die emotionale Seite der Landwirtschaft zu zeigen. Und antworten sie dann auf die Fragen, die als Reaktion auf Ihre Beiträge kommen – die Arbeit, die hier erbracht wird, lohnt sich! Aus diesem Grund empfehlen wir jedem Betrieb, regelmäßig Führungen und Kurse anzubieten, denn nichts ist besser, als die Wirklichkeit!

Lesen Sie im zweiten Teil ein Interview zu diesem Thema mit dem WildnisKulturHof und dem Ökohof Stolze Kuh.

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Über Michaela Schmitz
1964 in Wien geboren, habe ich die Drogistenfachschule besucht und nach bestandener Konzessionsprüfung einen Naturkostladen in Wien 23. eröffnet. 1995 wurde mein erster Sohn Emil geboren, 1997 und 1999 folgten Sebastian und Daniel. 2003 habe ich eine Privatschule in Eichgraben mitgegründet und war danach bei der more.Software GmbH und der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung im Bereich Datenbanksoftware zuständig. Seit 2010 arbeite ich selbstständig im Bereich der automatischen Datenverarbeitung. Ich betreue Websites, pflege Content ein und erstelle Bilder und Drucksorten. Ich schreibe Blogs, betreue Social Media-Kanäle und Crowdfundingprojekte. Durch meine Zusammenarbeit mit Judith Anger für den WildnisKulturHof und das Crowdfunding für das WildnisKulturDorf habe ich wieder zurück zu meinen Wurzeln gefunden – dem Leben mit der Natur und vereine seitdem Technik und Wildniskultur.
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