Pilzleder

Pilz - https://www.flickr.com/photos/kartaba/16313529394/in/photolist-qRz6Wb(c) Paul Saad (https://www.flickr.com/photos/kartaba/) CC-Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)

Im diesem Blog wurde schon verschiedentlich von Pilzfarmen und Pilzzüchtungen berichtet. Isabella Schulner schreibt über eine weitere spannende Möglichkeit für den Einsatz von Pilzen: Pilzleder

Leder aus Pilzen? Was zugegebenermaßen eigenartig klingt, könnte eine ernstzunehmende Alternative zu dem aus der Tierhaut gewonnenen Leder sein.

Die Idee des „veganen“ Leders ist nicht neu – allen voran Kunstleder, einem Verbund aus einem textilen Grundträger (z. B. Gewebe) und einer Kunststoffdeckschicht, wird seit über 100 Jahren als Ersatz für Leder eingesetzt. Zwar wird hier kein Tier getötet, dennoch ist Kunstleder keineswegs umweltfreundlich. Auf Mineralölbasis, versetzt mit Weichmachern und Chemikalien, ist das verwendete Kunstleder keine nachhaltige Alternative zu Leder.

Pilzleder als Material der Zukunft

Nun arbeiten Forscher und Start Ups an einer tier- und vor allem auch umweltfreundlichen Lösung: Leder aus Pilzen. Nicht etwa Steinpilze, Kräuterseitlinge oder Champions werden für die Produktion herangezogen, sondern das unterirdisch wachsende Wurzelgeflecht, die sogenannte Myzel. Mit Sägespänen als Nährboden wächst damit das lederähnliche Material, auch Muskin genannt, heran. Das Pilzgewebe wird anschließend ähnlich wie echtes Leder verarbeitet und gegerbt, allerdings ohne Verwendung von Chemikalien. Für die Produktion des Lederimitats wurde beispielsweise auch schon der Kombucha-Pilz eingesetzt.

Das daraus gewonnene Material weist ähnliche Eigenschaften wie das Leder auf: es soll reißfest, atmungsaktiv, beständig und wasserabweisend sein. Das Gewebe lässt sich mit geringem Aufwand produzieren und kann gefärbt sowie mit Mustern und Texturen versehen werden. Bis dato einziger Haken: Der Geruch. Ansonsten hat das Pilzleder aber erhebliche Vorteile: das Schlachten der Tiere und damit die ressourcenintensive Aufzucht fallen weg, die Produktion ist deutlich ressourcen- und umweltschonender. Zudem liefern die Pilze dem Boden wichtige Nährstoffe hinzu und etwaige Abfälle können biologisch entsorgt bzw. kompostiert werden.

Pilz wird salonfähig

Bis 2020 soll das Leder aus Pilzen massentauglich gemacht werden, bis dato widmen sich nur erlesene Start Ups und eine Hand voll Stoffgroßhändler dem exklusiven Material aus Myzel-Gewebe. Doch dies soll sich in wenigen Jahren verändern: Pilzleder soll vor allem im Modebereich eingesetzt werden. Es eignet sich auch als Baumaterial-, Holz- oder Plastikersatz. In naher Zukunft könnte es daher Einrichtungsgegenstände, Häuser und Fahrzeuge bis hin zu Schuhen und Lampen aus Pilzen geben.

Der dänische Produktdesigner Jonas Edvard (http://jonasedvard.dk/work/myx/) hat übrigens letzteres bereits vor einigen Jahren umgesetzt: Im Rahmen seines Projekts „Myx“ hat er Lampen und andere Formen aus Pilzen wachsen lassen.

Das Lederimitat aus Pilzen ist nicht nur eine neue, sondern vor allem ethisch korrekte und nachhaltige Alternative zu Tierleder beziehungsweise aus Erdöl gewonnenem Kunstleder. Auch wenn die Massenproduktion derzeit noch in den Kinderschuhen steckt und das Material vergleichsweise hochpreisig ist, sollte dieser Alternative Beachtung geschenkt werden.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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