Plastik auf unserer Haut

Offene Tube mit ausgedrücktem Inhalt

Jedes dritte Gesichtspeeling aber auch zahlreiche weitere Körperpflegeprodukte enthalten feinste Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik. Sie schädigen nicht nur den eigenen Körper, sondern langfristig die Umwelt.

In Europa werden rund 60 Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr produziert. Von Verpackungsmaterial, Reifen bis zu Bodenbelägen und Klebstoffen, die Palette von Kunststoff-Produkten ist vielfältig. Zwar nicht auf den ersten Blick erkennbar, dennoch nicht weniger gefährlich ist Mikroplastik. Die bis zu fünf Millimeter großen Plastikpartikel  sind vor allem in vielen Körperpflegeprodukten und in Kosmetika enthalten. (Mikroplastik in der Umwelt, Umweltbundesamt Report -0550, 2015)

Die synthetisch aus Erdöl hergestellten und nicht biologisch abbaubaren Polymere, die über Schleimhäute aufgenommen werden, schädigen unseren Körper und können zu Kopfschmerzen, Allergien bis zu Krebs führen. Aber Mikroplastik ist nicht nur für den eigenen Körper schädlich, auch die Umwelt wird stark belastet. Grund: Die Plastikpartikel können nicht vollständig aus dem Abwasser bzw. Klärschlamm gefiltert werden. Nicht nur Gewässer, sondern Böden und in weiterer Folge die Luft werden dadurch mit Mikroplastik verseucht.

Zwar haben sich viele Hersteller in Österreich, Deutschland und in der Schweiz dazu bereit erklärt, auf Mikroplastik zu verzichten, dennoch wird es nach wie vor vielfach eingesetzt. Das veranschaulicht eine Studie über Mikroplastik der Verbraucher-Plattform Codecheck. Insgesamt wurden knapp 103.000 Kosmetikprodukte aus den Jahren 2014 und 2016 analysiert. Die Ergebnisse: Mehr als jede dritte untersuchte Sonnencreme und mehr als jede fünfte Gesichtscreme enthalten Mikroplastik. Gesichtspeelings können bis zu zehn Prozent aus dem bekanntesten Mikroplastikstoff Polyethylen bestehen (Mikroplastikstudie, Codecheck, 2016).
Durch eine einzige Tube können so bis zu 2,8 Millionen Kunststoffteilchen in die Meere gelangen, an welche wiederum im Wasser schwer abbaubare organische Schadstoffe binden, z.B. Pestizide oder PCB. Über Fische und andere Wasserlebewesen, die die Teilchen mit Nahrung verwechseln, gelangt Mikroplastik angereichert mit Schadstoffen auch in unsere Nahrung (gesundheit.gv.at – Mikroplastik).

Die tägliche Körperpflege trägt mit solchen Produkten potentiell dazu bei, dass unser gesamtes Ökosystem langfristig geschädigt wird. Ein Grund, warum Produkte, die das schädliche Mikroplastik enthalten, gekauft werden: noch immer ist für Konsumenten nicht nachvollziehbar, in welchen Produkten Mikroplastikpartikel enthalten sind. Das ist auf die Tatsache zurück zu führen, dass Mikroplastik viele Bezeichnungen hat, beispielsweise Polyethylen in Gesichtspeelings, Nylon-12 in Make-ups oder Acrylates Copolymer in Duschgelen.

Und das obwohl Kosmetika grundsätzlich auf kein Mikroplastik angewiesen sind: synthetische Polymere in Kosmetika könnten ohne großen Aufwand durch natürliche und damit unbedenkliche Stoffe wie Salze, Mais oder geschrotete Kerne ersetzt werden. Plastik, das derzeit in jedem dritten Gesichtspeeling verwendet wird, könnte durch Inhaltsstoffe wie Bimsstein, Hafermehl oder Walnussschalen ersetzt werden. Auch sie haben einen angenehmen Peeling-Effekt. Cellulose mit quellender und viskositätsregelnder Funktion gilt als Alternative zu Mikroplastik in Make-Ups.

naturkosmetik1Ein nachdenkliches Fazit nach einer Untersuchung zieht auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (kurz BUND) im Oktober 2016: auch Pflegeprodukte für Babys enthalten Plastikpartikel. Unter anderem enthält das Penaten Bad & Shampoo Kopf-bis-Fuß die Kunststoff-Substanz „Acylate Crosspolymer“. Aus diesem Grund hat der BUND einen Einkaufsratgeber erstellt (Mikroplastik, die unsichtbare Gefahr, der BUND-Einkaufsratgeber, 2016). Für all jene, die Peelings und Duschgele nicht selbst herstellen möchten, können Produkte von Naturkosmetik-Herstellern beziehungsweise Handelsmarken mit Bio-Siegeln wie Weleda, lavera oder alverde Abhilfe schaffen.

Über Isabella Schulner
Isabella Schulner wurde 1990 in Zwettl geboren und wuchs im Waldviertel auf. Sie studierte Media- und Kommunikationsberatung an der FH St. Pölten. 2015 schloss sie ihr Masterstudium Management am IMC Krems ab und bearbeitete in ihrer Masterarbeit das Thema Führungskräftekommunikation in Veränderungsprozessen. Seit Februar 2013 ist sie bei Gaisberg Consulting in Wien tätig, davor sammelte sie Berufserfahrung in diversen Praktika bei namhaften österreichischen Unternehmen wie Siemens, Wüstenrot oder Raiffeisen Ware Austria.
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