Nachhaltigkeit von Körperpflegeprodukten und Drogerien – Ganz schön dick aufgetragen

3 Naturkosmetikprodukte

Nur vier von 24 getesteten Körperpflegemarken empfehlenswert

Derzeit lädt Väterchen Frost herzlich zu einem wohligen Bad mit einem entspannenden Badezusatz. Dazu eine Gurkenmaske, ein sinnliches Shampoo plus Spülung und schon ist die Spannung des Alltags harmonischer Ruhe gewichen. Wären da nicht die letzten Ergebnisse von Rank a Brand: Nur vier von 24 untersuchten Körperpflegemarken (Spitzenreiter Weleda, Dr. Hauschka, Logona und Sante) erhielten ein B-Label und wurden damit als empfehlenswert eingestuft.

Drei weitere (lavera, Living Nature und Zao) sind mit einem C-Label zumindest noch als bedingt empfehlenswert bewertet. Viele andere (darunter „Mainstream“-Marken wie L’Oreal, Dove, Maybelline, The Body Shop oder Lush) werden als “kaum empfehlenswert” (D-Label) eingestuft. Unter die Schlusslichter (E-Label, “nicht empfehlenswert”) mischen sich zudem überraschenderweise “naturbezogene” Marken wie Aveda und Rituals.

Die Bewertungen im Detail

Ranking von KörperpflegeEin bedeutsamer Grund für eine D- oder E- Label Bewertung ist bei vielen Marken eine wenig konkrete Berichterstattung zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Eine solche können große Konzerne wie Beiersdorf (Nivea und Eucerin), Unilever (Dermalogica & Dove) und L’Oréal (Lancôme, Maybelline & The Body Shop) zwar noch für sich reklamieren. Allerdings erfüllen diese dann im Hinblick auf die meisten Themen des Rankings die Anforderungen für eine positive Bewertung nicht: So werden zum Beispiel Mikroplastik, Silikone, Paraffine und weitere erdölbasierte Inhaltsstoffe verarbeitet. Außerdem kann der Einsatz von genetisch veränderten bzw. bestrahlten Materialien für diese Hersteller nicht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus verzeichnen sowohl Beiersdorf als auch L’Oréal einen Anstieg der Klimaemissionen für die eigenen Betriebstätigkeiten. Alle drei Konzerne schließen außerdem Tierversuche nicht vollumfänglich aus.

Fast allen Herstellern gemein ist die eher ungenügende Bezugnahme zu den Themenbereichen Arbeitsbedingungen und Klimaschutz. Im Zentrum der Kommunikation zu Nachhaltigkeitsaspekten stehen eindeutig Umwelt- und Gesundheitsthemen. Auch die empfehlenswerten Marken haben hier noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Das große Plus der empfehlenswerten B-Label (Weleda, Dr. Hauschka, Logona und Sante) sowie bedingt empfehlenswerten C-Label Marken (lavera, Zao, Living Nature und Squalan) ist letztendlich deren Fokus auf natürliche, umweltschonende Materialien. Jede Marke aus dem B-Label Segment, aber auch einige C-Label-Marken, erfüllen dabei die Kriterien für Naturkosmetik von beispielsweise NATRUE, BDIH, Eco-Cert und / oder Demeter. Bedenkliche Inhaltsstoffe (vgl. die Auflistung der D-Label Marken) wird man in diesen Produkten üblicherweise nicht finden. lavera weist mit rund 95% veganen Produkten zudem die derzeit höchste „Vegan-Quote“ aller untersuchten Marken auf.

Keine der großen Drogerieketten empfehlenswert

Ranking von DrogerienStellt sich noch die Frage, wo man diese Produkte kaufen kann. Im Moment wird keiner der durch Rank a Brand untersuchten Drogerie-Märkte als empfehlenswert eingestuft. Rank a Brand hat mit Budnikowsky, dm-drogerie, Douglas, Müller und Rossmann fünf große, in Deutschland aktive, Drogerien untersucht und gerankt. Alle fünf werden bisher mit einem D-Label als “kaum empfehlenswert” eingestuft. Eine Klimabilanz, inklusive messbaren Klimaschutzzielen, kann beispielsweise keines der Unternehmen vorweisen.

Alle untersuchten Drogerien führen durchaus bio-zertifizierte Lebensmittel und Naturkosmetik anderer Marken im Sortiment. Die Berichterstattung zur Umweltverträglichkeit der Eigenmarken liegt allerdings eher brach. Eigene Naturkosmetiklinien weisen die untersuchten Märkte zwar auf, eindeutig überwiegt bei allen Händlern jedoch das Sortiment konventionell produzierter Eigenmarkenprodukte. Über den Einsatz von möglichen Schadstoffen wie Parabenen oder genetisch veränderter Inhaltsstoffe halten sich die Drogerien dabei überwiegend bedeckt. Lediglich Budnikowsky und dm-drogerie kommunizieren zudem, dass keine Tierversuche durchgeführt werden. Budnikowsky ist außerdem der einzige Anbieter, der nach eigenen Angaben mikroplastikfrei produzieren lässt.

Auch beim Thema Ressourceneffizienz gibt es viel Verbesserungspotential: Einwegplastikflaschen, Toilettenpapiere aus Neufasern oder nicht komprimierte Deodorants verschwenden Ressourcen und vergrößern die Müllberge. Eine detaillierte Übersicht zum Ressourcenverbrauch des Produktsortiments wäre deshalb wohl auch erschreckend und wird von keinem Unternehmen veröffentlicht. Von Zielen, den Materialeinsatz zu verringern ganz zu schweigen.

In Bezug auf fairen Handel wird der Auskunftswillen sogar noch geringer. Während die Drogerien zwar zumindest einige, jedoch eher wenige, Fair Trade zertifizierte Waren anderer Marken im Sortiment führen, kann keiner der Händler eine überzeugende Strategie zur Entwicklung eines sozial verantwortungsvollen Sortiments bei den Eigenmarken aufweisen. Angaben zu Produktionsbedingungen der Inhaltsstoffe (z.B. Palm- oder Kokosnussöl, Carnaubawachs, und Shea- oder Kakaobutter, aber auch der Abbau von Glimmer) sucht man meist vergebens. Lediglich dm-drogerie und Budnikovsky thematisieren solche Aspekte in Ansätzen, jedoch längst nicht in einem überzeugenden Maße.

Autor

Logo von Rank a BrandRank a Brand ist eine Initiative, die in Deutschland und den Niederlanden aktiv ist, aber VerbraucherInnen in der ganzen Welt anspricht. Ziel ist es, zu sensibilisieren: Markenhersteller für Unternehmensverantwortung und Transparenz. VerbraucherInnen für Nachhaltigkeit beim Konsum und ihre Einflusskraft. Aktuell sind Rankings zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit von etwa 750 Verbrauchermarken aus verschiedenen Branchen (z.B. Lebensmittel, Kleidung oder Elektronik) auf www.rankabrand.de online. In die Untersuchungen werden ausschließlich veröffentlichte Informationen und Kennzahlen der Markenhersteller selbst sowie glaubwürdiger dritter Akteure – z.B. dem BUND, Greenpeace oder FLO-CERT – einbezogen.

 

Weitere Links

Weniger ist mehr: Ressourceneffizienz im europäischen Drogeriehandel

Apps zur Kontrolle von Kosmetikprodukten bzgl. kritischer Inhaltsstoffe :

Ranking Kosmetikprodukte:
https://rankabrand.de/korperpflege

Ranking Drogeriemärkte:
https://rankabrand.de/drogerien

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  • Michaela Schmitz

    Ich bin ursprünglich gelernte, konzessionierte Drogistin – DAMALS ;-) gab es noch keine Drogerieketten … bin sehr froh, nun ganz anders arbeiten zu dürfen! Logona und Weleda habe ich dann in meinem Naturkostladen auch verkauft. Jetzt verwende ich immer noch (seit 30 Jahren!) die Iris-Serie von Weleda. Ich mag Logona, bin aber auch mit Lavera meist zufrieden.