Glyphosat – das berühmteste Pestizid der Welt

verhüllter Mann sprüht Pestizid auf Feld

Glyphosat ist das erfolgreichste Unkrautvernichtungsmittel weltweit, es gilt als für die Umwelt und toxikologisch sicher, ist billig und höchst effektiv. Seinen Durchbruch erlebte es durch die Einführung von glyphosatresistenten Feldfrüchten wie gentechnisch verändertes Soja, Baumwolle und Mais von Monsanto. 90% der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Ackerfrüchte sind glyphosatresistent. Monsanto verkauft das Total-Herbizid unter dem Namen Roundup.

Wirkung von Glyphosat

Glyphosat (chemische Formel: C3H8NO5P) ist ein Breitband-Herbizid. Das heißt es vernichtet jede Pflanze mit der es in Berührung kommt, sogenannte Unkräuter ebenso wie Ackerkräuter, die für Nützlinge wie Bienen so wichtig sind. Glyphosat hat die positive Eigenschaft sofort an Bodenpartikel zu binden, wodurch es kaum ausgewaschen und selten in Wasserproben gefunden wird. Wird der Wirkstoff von Tieren aufgenommen, wird er zu einem Großteil durch den Urin und Kot ausgeschieden. In gleicher Weise findet man es in Muttermilch. Bei schwangeren thailändischen Bäuerinnen konnte es auch in der Nabelschnur des Ungeborenen nachgewiesen werden. Die Auswirkungen sind noch unzureichend erforscht.

Die Schädlichkeit von Glyphosat wird stark diskutiert. Angesichts des großflächigen Einsatzes seit beinahe 40 Jahren, ist eine übermäßig gesundheitsschädigende Wirkung jedoch tatsächlich unwahrscheinlich.

Unbestritten ist, dass Glyphosat die Vielfalt auf unseren Feldern vernichtet, blühende Beikräuter und davon lebende Insekten haben keine Chance. In Anbetracht der Tatsache, dass die Insektenmenge in den letzten 30 Jahren um 75% abnahm, ist die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat durch die EU höchst bedauerlich.

Das Ergebnis war knapp! Ende November 2017 wurde auf europäischer Ebene entschieden, die Zulassung des Total-Herbizids Glyphosat um weitere fünf Jahre zu verlängern. Dem voraus gingen monatelange Schlachten um die Deutungs- und Meinungshoheit. IARC, Verbraucherschützer, NGOs und Umweltorganisationen auf der einen Seite, BFR, EU-Kommission, Bauernverbände und Agrarkonzerne auf der anderen Seite.

Im Vorfeld wurden sogar der Vorwurf von Lobbyismus und Plagiat gegen die Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (Efsa) erhoben, denn in ihrem Bericht zum Gesundheitsrisiko von Glyphosat, wurden Passagen wortwörtlich aus einem Report Monsantos übernommen. Insbesondere Absätze, in denen die Glaubwürdigkeit von Studien in Frage gestellt wird, die ein erhöhtes Krebsrisiko durch Glyphosat-Einsatz belegen, wurden kopiert.

Unangenehm fiel auch auf, dass ausgerechnet Deutschland für die Verlängerung stimmte, wo doch die Bayer Aktiengesellschaft dort ihren Standort hat, die eine Übernahme von Monsanto plant. Die Verlängerung von Glyphosat schlug sich auch sofort in einem Anstieg des Aktienwerts von Bayer nieder.

Die Stimmung lässt sich nun also folgendermaßen zusammenfassen: Für die einen ist Glyphosat ein stark gesundheitsschädliches Gift und steht im Verdacht krebserregend zu sein.

Für die anderen ist es ein Pflanzenschutzmittel wie jedes andere. Die (Un-)Bedenklichkeit wurde ausreichend geprüft und bei sachgerechter Anwendung sind keine (negativen) Auswirkungen zu erwarten. Und überhaupt sind viele Landwirte überzeugt, dass eine effiziente Lebensmittelproduktion ohne Glyphosat nicht möglich wäre.

Allein in Österreich wurden 2016 insgesamt 312 Tonnen des Wirkstoffes Glyphosat in Verkehr gebracht (AGES). Die Summe aller in Verkehr gebrachter Wirkstoffmengen betrug im Jahr 2016 über 4.300 t (Grüner Bericht 2017). Laut Gefahrenstoffkennzeichnung gilt Glyphosat als ätzend und umweltgefährlich. Das österreichische AGES-Pflanzenschutzmittelregister listet insgesamt 7 ätzende Wirkstoffe und 472 umweltgefährliche Wirkstoffe/Pflanzenschutzmittel.

Problematik neue Zulassung

Auch wenn wir die Schädlichkeit von Glyphosat nicht klären können, ist verständlich, warum gerade Glyphosat die Gemüter so erregt. Denn die Thematik greift weit. Setzt man sich mit Glyphosat auseinander, führt die Diskussion unweigerlich zur Gentechnik und nach Südamerika. Dort muss Regenwald der von Monsanto kreierten glyphosatresistenten Sojabohne weichen, und dieses gentechnisch veränderte Soja landet als billiges Futter bei den Nutztieren in den europäischen Tierfabriken.

Die Diskussion um die Behandlung unserer Nutztiere kommt sofort auf und welches Ernährungsverhalten das Richtige oder Falsche ist und wie sehr die landwirtschaftliche Produktion dem Diktat der Globalisierung unterworfen ist.

Der Konflikt um Glyphosat ist daher ein wichtiger, wo es um viel mehr geht als um einen Wirkstoff unter vielen.

Eine Entscheidung der EU gegen Glyphosat wäre eine Chance gewesen, eine Chance für alternative nachhaltige Landwirtschaft, eine Chance sich über Pflanzenvielfalt, Diversität von Nützlingen wie Bienen und Vögeln und Tierwohl zu unterhalten.

Hoffen wir, dass Europa in 5 Jahren reif für ein Umdenken ist!

 

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