Kein Platz für Wildtiere

Wolf blickt durch den Schnee in die Kamera

Beginnen wir diesen Beitrag mit ein paar Zahlen. Im Jahr 2006 wurden in Uganda 302 Berggorillas gezählt, im Jahr 2011 sind es über 400 und die Zahl steigt weiter. Uganda ist mit einem nominellen Bruttosozialprodukt von jährlich 638 USD pro Kopf eines der ärmsten Länder der Welt.

Im Jahr 2011 stirbt der Braunbär neuerlich aus in Österreich. 2017 gibt es ca. 20 Luchse in Österreich, Platz wäre allein in Westösterreich für bis zu 250. Auch Wildkatzen gibt es nur ein paar wenige. In der Region Zistersdorf, Niederösterreich wurden in den vergangenen Jahren mehr als 30 Greifvögel illegal getötet.
Alle genannten Tiere sind durch EU-Recht geschützt. Österreich zählt mit einem nominellen Bruttosozialprodukt von jährlich 44.498 USD pro Kopf zu den reichsten Ländern der Welt.

Was läuft hier falsch? Obwohl Österreich ein westliches und industrialisiertes Land ist und hohe Naturschutz-Standards hat, gibt es keinen Platz für Wildtiere.

Ausgewachsener Braunbär steht in grünem Wald

Braunbär ©Marc Graf & Christine Sonvilla

Aber warum ist das so?

  1. Wildtiere stehen immer wieder im Wettkampf mit der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei, wodurch Betriebe finanzielle Einbußen haben und sich existenziell bedroht fühlen. In Folge erlauben Bundesländer häufig eine gezielte Tötung. Bis Sommer 2018 dürfen beispielsweise in Niederösterreich 40 Fischotter „entnommen“ werden, als offizieller Grund wird der Schutz der bedrohten Tierarten Bachforelle und Waldviertler Karpfen genannt. Ebenso in Niederösterreich dürfen Biber getötet werden, wenn sie die Allgemeinheit gefährden indem sie beispielsweise Hochwasserdämme zerstören.
    Die Sinnhaftigkeit der Entnahme von Einzelindividuen ist höchst fraglich, denn Studien zeigen, dass oftmals die verbliebenen Tiere ihr Territorium auf die freigewordenen Plätze erweitern.
  2. Ein weiterer Aspekt ist die Wilderei. Wurde früher meist gewildert um die Familie vor dem Hungertod zu bewahren, gibt es heutzutage immer mehr Trophäenjäger. Die Jägerschaft resigniert mittlerweile, weil Staatsanwälte die Verfahren häufig wegen Geringfügigkeit einstellen beziehungsweise nur ein Drittel der Fälle aufgeklärt werden.
  3. Leider ist es aber nicht nur Wilderei. Auch Jäger im Amt erlegen geschützte Tierarten. Ein Fall der durch die Medien ging, war der Fund eines Luchses in der Tiefkühltruhe eines Präparators durch das Landeskriminalamt, nachdem der Nationalpark Kalkalpen sämtliche Männchen vermisste. Der Jäger wurde zu einer Geldstrafe von 11.160 Euro verurteilt und muss dem Schutzgebiet 12.101 Euro ersetzen.

Für den österreichischen Naturschutz war das ein großer Erfolg. Doch blickt man in andere Länder, erkennt man, dass die Strafen hierzulande viel zu gering sind um einen echten Naturschutz zu gewähren.

So musste vergleichsweise ein Jäger in Alaska 5 Jahre Haft und 250.000 Dollar Strafe für das Schießen von Elchen zum Anlocken von Bären fürchten.

Luchs sitzt in schneebedeckter Landschaft

Luchs ©Marc Graf & Christine Sonvilla

Rückkehr des Wolfs?

Angesichts aller genannten Voraussetzungen wird es der Wolf in Österreich nicht leicht haben. 1882 ausgerottet, kehrt der sagenumwobene Räuber seit 2009 wieder zurück. Anders als Biber oder Luchs, kommt er ganz von alleine, denn Wölfe können täglich problemlos 70 km zurücklegen. 2016 konnte erstmals wieder ein Rudel in Allentsteig, Niederösterreich beobachtet werden. Und schon jetzt fordern Tierhalter wolfsfreie Zonen und haben Angst vor Attacken.

Wird der Wolf, von dem der beste Freund des Menschen abstammt und von dem es in Österreich 750.000 Exemplare gibt, eine Chance haben?

Nicht alles ist schwarz in Österreich! Ja, Wildtiere stoßen hier schnell an Grenzen, doch es gibt auch ambitionierte Menschen, die sich für ihre Erhaltung einsetzen. Das Projekt LEBEN AM LIMIT (lebenamlimit.at) ruft über außerordentliches Bild- und Fotomaterial von den Fotografen Marc Graf, Christine Sonvilla und Robert Haasmann die Schönheit von Natur und Tier ins Bewusstsein:

„Unser Ansporn ist es, der Natur mehr Gehör zu verschaffen, die Menschen wieder mit ihr, mit ihren Wurzeln in Kontakt zu bringen und zu vermitteln, dass Natur Wert an sich hat.“

Gleichzeitig kommen bei LEBEN AM LIMIT aber auch Menschen zu Wort, die von Wildtieren betroffen sind, wie Nutztierhalter, Jäger, Imker etc. Denn logischerweise wünscht sich jeder Städter, dass die Naturlandschaften Österreichs mit Bären, Luchsen und Wölfen bevölkert sind, doch der Bauer, dessen Schafe gerissen werden, sieht das schnell anders.

Nichts desto trotz, wenn Uganda es schafft seine Berggorillas vor Wilderern zu schützen, wäre es doch ein Skandal, wenn Österreich es nicht bewerkstelligen könnte, einen Teil des Landes den Wildtieren zuzugestehen.

Oder etwa nicht?

 

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